
VW im freien Fall: Wie ein deutsches Industriejuwel zwischen Politik und Planwirtschaft zerrieben wird
Es ist ein Erdbeben, das den größten Autobauer Europas erschüttert – und mit ihm das industrielle Rückgrat einer ganzen Nation. Der Aufsichtsrat von Volkswagen tagte fast sieben Stunden lang, doch am Ende blieb genau das offen, was Hunderttausende Beschäftigte in Angst versetzt: Werksschließungen und Massenentlassungen. Konzernchef Oliver Blume bekam grünes Licht für seinen Sparkurs, drückte sich aber elegant um die brisantesten Antworten. Die Belegschaft ging ins Wochenende – im Nebel gelassen wie selten zuvor.
Jedes zweite Modell auf dem Schafott
Was feststeht, klingt nach Kahlschlag: Bis 2030 soll die Modellpalette um bis zu 50 Prozent zusammengestrichen werden. Die Ausstattungsoptionen sogar um satte 75 Prozent. Die Produktionskapazität wird auf neun Millionen Fahrzeuge jährlich heruntergefahren. Zwölf Initiativen, ein „Zielbild 2030" – die Konzernsprache klingt wie aus dem Lehrbuch für Krisenkommunikation. Blume selbst sprach davon, man gehe „aus eigener Kraft in die nächste Phase der Transformation". Doch was hier so beschönigend als Transformation verkauft wird, ist in Wahrheit der schleichende Rückzug einer deutschen Industrieikone aus ihrer Heimat.
Bis zu 100.000 Jobs auf der Kippe
Die Zahlen, die durch die Medien geistern, sind atemberaubend. Das „Manager Magazin" berichtet von bis zu 100.000 Stellen, die weltweit wegfallen könnten – doppelt so viele wie bislang geplant. Die „Bild" spricht von zusätzlich 55.000 bis 70.000 Stellen, die zu den bereits vereinbarten 50.000 hinzukämen. Vier deutsche Werke sollen dem Rotstift zum Opfer fallen: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Rund 40.000 Menschen arbeiten dort. Und wohin wandern die Produktionen? Nach Bratislava, nach Györ in Ungarn – dorthin, wo produziert wird, wo es billiger ist.
„Es reicht! Das Fass ist zum Überlaufen gekommen. Der Umgang des Vorstands mit der Belegschaft ist an Respektlosigkeit nicht mehr zu überbieten."
Mit diesen Worten stellte Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo dem Vorstand ein Ultimatum. Bis Freitag müsse sich Blume „unmissverständlich" gegenüber der Belegschaft äußern. Andernfalls drohten nach der Sommerpause konzernweite Betriebsversammlungen. Auch die IG Metall läuft Sturm: Gewerkschaftschefin Christiane Benner kündigte an, man werde die Pläne „mit aller Kraft stoppen". Verhandlungsführer Thorsten Gröger nannte die Informationspolitik ein „absolutes Desaster", das „ganze Regionen in Angst und Schrecken" versetze.
Die eigentliche Frage: Wer hat Deutschland so weit kommen lassen?
Man sollte an dieser Stelle innehalten und die naheliegende Frage stellen: Wie konnte es so weit kommen, dass ein Weltkonzern wie Volkswagen ausgerechnet in seiner deutschen Heimat als zu teuer, zu bürokratisch, zu unrentabel gilt? Die Antwort liegt nicht allein in fehlenden Managemententscheidungen. Sie liegt in einer jahrelangen Politik, die der deutschen Industrie Fessel um Fessel angelegt hat. Explodierende Energiekosten nach dem überstürzten Atom- und Kohleausstieg. Ein ideologisch getriebenes Verbrenner-Aus, das eine ganze Zulieferkette ins Wanken bringt. Eine Bürokratie, die jeden Unternehmergeist im Keim erstickt. Deutschland hat sich mit grüner Wolkenkuckucksheim-Politik selbst aus dem Rennen katapultiert – und nun wundern sich die Verantwortlichen über die Rechnung.
Machtkampf ums VW-Gesetz
Besonders pikant ist ein Detail jenseits des Sparpakets: Blume erwäge, die Kernmarke Volkswagen und Teile der Komponentenfertigung aus der Konzernstruktur herauszulösen. Der Grund ist hochpolitisch. Das seit 1960 geltende VW-Gesetz sichert dem Land Niedersachsen als 20-Prozent-Eigentümer eine faktische Sperrminorität. Für Werksschließungen braucht es eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat. Durch eine Ausgliederung könnte Blume genau diese Fesseln aushebeln – ein Manöver, das den demokratisch verankerten Einfluss auf einen der wichtigsten Arbeitgeber der Republik aushöhlen würde.
Ministerpräsident Olaf Lies stellte klar, sein Bundesland werde keiner Maßnahme zustimmen, die die Mitbestimmung einschränke. Ein Bericht der „New York Times" und der „WirtschaftsWoche", wonach Niedersachsen einem Auslaufen der vier Werke zustimmen würde, wurde als „kompletter Unsinn" dementiert. Erschwerend hinzu kommt: Durch den Rücktritt der früheren Rüstungsmanagerin Susanne Wiegand hat die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat derzeit die Mehrheit.
Was der VW-Schock für den Anleger bedeutet
Der Fall Volkswagen ist mehr als ein Konzerndrama. Er ist ein Menetekel für den gesamten Industriestandort Deutschland. Wenn selbst das Flaggschiff der deutschen Ingenieurskunst ins Trudeln gerät, sollte jeder verantwortungsbewusste Bürger die Frage stellen, wie sicher sein eigenes Vermögen in einem Land ist, dessen wirtschaftliche Substanz zusehends erodiert. Aktien einzelner Konzerne unterliegen genau diesen politischen und strukturellen Risiken – ein einziger Vorstandsbeschluss, eine einzige Fehlentscheidung der Regierung kann ganze Werte vernichten. Wer sein Vermögen krisenfest aufstellen will, tut gut daran, auf physische Werte zu setzen, die keiner Bilanzfälschung, keinem Betriebsratsstreit und keiner ideologischen Politik zum Opfer fallen. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie ein Fels in der Brandung sein können – als sinnvolle Beimischung eines breit gestreuten, gesunden Portfolios.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst. Für Investitionsentscheidungen sollte gegebenenfalls fachkundiger Rat eingeholt werden.
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