
Wadephul belehrt Frankreich – und vergisst den Blick in den eigenen Spiegel
Es ist ein bemerkenswertes Schauspiel, das sich derzeit auf der deutsch-französischen Bühne abspielt. Bundesaußenminister Johann Wadephul hat es tatsächlich gewagt, Frankreichs Haushaltspolitik öffentlich zu kritisieren – und damit in Paris einen diplomatischen Sturm entfacht, der es in sich hat. Der CDU-Politiker monierte in einem Deutschlandfunk-Interview, die französischen Anstrengungen zur Erhöhung der Verteidigungsausgaben seien „unzureichend". Frankreich sei aufgerufen, das zu tun, was Deutschland gerade tue: schwierige Diskussionen führen, Investitionsfähigkeit herstellen und auch im sozialen Bereich die eine oder andere Sparmaßnahme ergreifen.
Paris reagiert empört – und nicht ganz zu Unrecht
Die Reaktion aus Frankreich ließ nicht lange auf sich warten. „Le Monde" titelte, Deutschland halte Frankreichs Bemühungen für unzureichend. „La Tribune" sprach von einer „ungewöhnlich scharfen Erklärung", und „Libération" wertete die Aussagen als direkte Aufforderung an Präsident Emmanuel Macron, Sozialausgaben zugunsten der Verteidigung zusammenzustreichen. Von Einmischung in innere Angelegenheiten war die Rede – ein Vorwurf, der in der Diplomatie schwer wiegt.
Nun mag man Wadephuls Analyse im Kern durchaus zustimmen. Frankreich hat tatsächlich ein massives Haushaltsproblem, und Macrons großspurige Reden über europäische Souveränität stehen in einem grotesken Missverhältnis zu den tatsächlichen fiskalischen Realitäten der Grande Nation. Doch die Frage drängt sich auf: Mit welcher moralischen Autorität erteilt ausgerechnet ein deutscher Außenminister dem Nachbarn Nachhilfe in Haushaltsdisziplin?
Wer im Glashaus sitzt...
Deutschland hat gerade ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen auf den Weg gebracht, das kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten wird, so weit das Auge reicht. Friedrich Merz, der im Wahlkampf noch vollmundig versprach, keine neuen Schulden zu machen, hat dieses Versprechen schneller gebrochen als mancher Silvester-Vorsatz. Die Inflation wird durch diese Politik weiter angeheizt, und der deutsche Steuerzahler darf die Zeche begleichen – wie immer.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein Vertreter einer Regierung, die selbst Milliarden in alle Welt verteilt, während die eigene Infrastruktur zerfällt, Brücken marode sind und Schulen bröckeln, dem Nachbarn Sparsamkeit predigt. Die deutsche Außenpolitik scheint nach wie vor dem Prinzip zu folgen: großzügig nach außen, knauserig nach innen. Alles für die Welt, nichts für das eigene Volk.
Macrons Spiel mit der europäischen Aufrüstung
Dabei ist Macrons Strategie durchsichtig genug. Wenn der französische Präsident von europäischer Aufrüstung spricht, meint er in erster Linie: Deutschland soll zahlen. Frankreich, das selbst seit Jahren am Rande der fiskalischen Belastbarkeit operiert, hat kein Interesse daran, den eigenen Bürgern schmerzhafte Einschnitte zuzumuten. Stattdessen setzt Paris darauf, dass der deutsche Michel – wie so oft in der Geschichte der EU – als verlässlicher Zahlmeister einspringt.
Dass Christine Lagarde nun offenbar vor Ende ihrer Amtszeit als EZB-Präsidentin zurücktritt, damit Macron noch ihre Nachfolge bestimmen kann, bevor er selbst von der politischen Bühne abtritt, fügt dem Ganzen eine weitere pikante Note hinzu. So funktioniert europäische Machtpolitik im Jahr 2026: Posten werden verteilt, Einfluss gesichert, und die Rechnung geht an den Steuerzahler.
Deutschland braucht eine Politik für Deutschland
Was dieser Vorfall einmal mehr offenbart, ist die fundamentale Orientierungslosigkeit der deutschen Außenpolitik. Statt sich um die drängenden Probleme im eigenen Land zu kümmern – die galoppierende Kriminalität, die marode Infrastruktur, die schwindende Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft –, spielen sich deutsche Politiker als Lehrmeister Europas auf. Wadephul hat mit seiner Kritik an Frankreich nicht falsch gelegen. Aber er hätte besser daran getan, zunächst vor der eigenen Haustür zu kehren.
Die Bürger dieses Landes haben es satt, dass ihre Steuergelder in alle Himmelsrichtungen verteilt werden, während daheim die Probleme wachsen. Was Deutschland braucht, sind Politiker, die für Deutschland regieren – nicht gegen die Interessen der eigenen Bevölkerung. Ob die neue Große Koalition unter Merz und Klingbeil diesen Kurswechsel vollzieht, darf bezweifelt werden. Die ersten Monate im Amt lassen jedenfalls wenig Hoffnung aufkommen.
In Zeiten wachsender geopolitischer Unsicherheit und fiskalischer Exzesse auf beiden Seiten des Rheins bleibt eine Erkenntnis bestehen: Wer sein Vermögen langfristig schützen will, sollte auf bewährte Werte setzen – und physische Edelmetalle wie Gold und Silber als stabilisierendes Element in einem breit gestreuten Portfolio nicht außer Acht lassen.

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