
Weil das Opfer nicht schrie: Justiz stellt Verfahren ein – vier Wochen später soll der Haupttäter erneut zugeschlagen haben

Es gibt Fälle, bei denen man das Papier, auf dem juristische Begründungen stehen, am liebsten in Sicherheitsverwahrung nehmen würde. Der Vorgang aus dem niedersächsischen Gnarrenburg gehört dazu. Ein 14jähriges Mädchen soll im Obergeschoss eines Jugendzentrums von drei jungen Ausländern sexuell missbraucht worden sein – Anklage wurde nicht erhoben. Die Begründung der zuständigen Ersten Staatsanwältin lässt einem den Atem stocken: Das Kind habe nicht geweint, nicht geschrien, sich nicht gewehrt. Für einen „objektiven Dritten" sei der Widerwille daher nicht erkennbar gewesen.
Ein Schock ist kein Einverständnis
Jeder Psychologe, jeder Traumatherapeut, jeder halbwegs erfahrene Kriminalbeamte weiß: Erstarren ist eine der häufigsten Reaktionen auf existenzielle Bedrohung. Das Opfer habe „innerlich zugemacht", angewidert geschaut, sich nicht beteiligt – und ihrer Mutter später gestanden, nur Angst gehabt zu haben. Dass die mutmaßlichen Täter älter und körperlich überlegen waren – neben einem damals 16jährigen mit niederländischem Paß ein 18jähriger Iraner und ein 15jähriger Syrer –, spielte in der Bewertung offenbar eine untergeordnete Rolle.
Die Tür des Zimmers war von innen verschlossen und zusätzlich mit einem Billardtisch verbarrikadiert. Ob damit der Fluchtweg des Mädchens versperrt oder nur „unerwünschte Zuschauer" fernhalten werden sollten, ließ die Behörde ausdrücklich offen. Und weil man dem Kind das Handy nicht abgenommen habe, sei es ja nicht schutzlos gewesen. Man muss sich diese Kette der Argumentation zweimal durchlesen, um zu begreifen, dass sie tatsächlich von einer deutschen Staatsanwaltschaft stammt.
„Sie sollen eine Strafe kriegen für das, was sie mir angetan haben" – so soll das Mädchen seinen Wunsch formuliert haben. Ein Satz, der eigentlich das Minimum dessen beschreibt, was ein Rechtsstaat leisten müsste.
Vier Wochen später der nächste Fall
Was folgte, ist die bittere Pointe dieser Geschichte: Nur vier Wochen nach der Einstellung soll der damalige Anführer der Gruppe, inzwischen 17 Jahre alt, eine weitere 14jährige vergewaltigt haben. Die zuständige Polizeiinspektion bestätigte Ermittlungen wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung zum Nachteil einer Minderjährigen. Ob der erste Fall nun neu aufgerollt wird, ließ die Staatsanwaltschaft offen – jede Tat müsse gesondert festgestellt werden, hieß es dürr. Die Anwältin der Familie hat Beschwerde eingelegt, nun entscheidet die Generalstaatsanwaltschaft. Man darf gespannt sein, ob dort noch ein Rest Rechtsempfinden vorhanden ist.
Das Video ging herum – der Ort weiß alles
Besonders perfide: Die Mutter des ersten Opfers fand auf dem Smartphone ihrer Tochter ein Video der Tat, das die Beschuldigten verbreitet haben sollen. Der ganze Ort, in dem auch die Tatverdächtigen leben, kenne die Aufnahmen. Das Mädchen zieht sich seither in sein Zimmer zurück, hat die neunte Klasse freiwillig wiederholt. Zerstörte Kindheit, öffentliche Demütigung, keine Anklage. Man fragt sich, welches Signal von einem solchen Verfahrensausgang ausgeht – und man muss sich die Antwort nicht mühsam erarbeiten.
Und die Institutionen? Schweigepflicht
Das Jugendzentrum wird gemeinsam von Gemeinde und Kirche betrieben. Der Betreuer, der zugleich mit halber Stelle als Diakon tätig ist, will von allem nichts mitbekommen haben – weder von der Tat noch von den Jugendlichen, die sich angeblich johlend vor der Tür versammelten. Später soll er der Mutter erklärt haben, er unterliege ohnehin der Schweigepflicht. Der Bürgermeister sei nach Darstellung der Mutter informiert gewesen, dass junge Migranten das Jugendzentrum häufiger für solche Verabredungen nutzten. Gemeinde, Kirche, Behörden: Nach dem Empfinden der Familie hat man sie allein gelassen. Das ist keine Panne. Das ist ein Muster.
Wer schützt eigentlich noch unsere Töchter?
Man kann diesen Fall als Einzelfall abbuchen. Man kann ihn auch dort einordnen, wo er hingehört: in eine Entwicklung, die Millionen Bürger dieses Landes längst mit wachsender Wut beobachten. Eine ungesteuerte Migration, deren Folgen jahrelang kleingeredet wurden, eine Justiz, die bei politisch missliebigen Meinungen im Netz mit erschreckender Energie durchgreift, während bei handfesten Sexualdelikten plötzlich juristische Feinsinnigkeiten entdeckt werden. Dass die Kriminalität in Deutschland Rekordwerte erreicht hat, ist keine Behauptung, sondern amtliche Statistik. Dass Frauen und Mädchen im öffentlichen Raum immer weniger sicher sind, spüren die Betroffenen jeden Tag.
Und deshalb ist es auch keine Einzelmeinung unserer Redaktion, sondern die Auffassung eines Großteils der Menschen in diesem Land: Wir brauchen eine Politik, die endlich wieder für dieses Land und seine Bürger regiert – und nicht gegen sie. Eine Politik, die Täter konsequent bestraft und abschiebt, statt sie in Schutzräume der Milde zu entlassen. Ein Staat, der seine Kinder nicht verteidigt, verliert das Wichtigste, was er besitzt: die Loyalität seiner Bürger. In Gnarrenburg wurde ein Stück davon verspielt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt eine journalistische Einordnung der uns vorliegenden Informationen dar und ersetzt keine Rechtsberatung. Sämtliche genannten Vorwürfe sind bislang nicht rechtskräftig festgestellt; es gilt die Unschuldsvermutung.
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