
Wenn das Gotteshaus zur Antifa-Kaderschmiede wird: Erfurter Gemeinde rudert zurück
Es ist eine Szene, die sinnbildlicher kaum sein könnte für den moralischen Kompass, der Teilen der deutschen Kirchenlandschaft offenbar abhandengekommen ist. In der ehrwürdigen Erfurter Kaufmannskirche – jenem gotischen Bauwerk, in dem einst Martin Luther predigte und die Eltern von Johann Sebastian Bach getraut wurden – versammelten sich linksradikale Aktivisten des Bündnisses „Widersetzen“, um sich auf die Blockade des AfD-Bundesparteitags einzustimmen. Und die Gemeinde? Sie öffnete bereitwillig ihre Pforten. Erst hinterher, als der Rauch verzogen war, mochte man von „Missbrauch der Gastfreundschaft“ sprechen.
Von wegen Nächstenliebe: Ein Trainingslager für den Rechtsbruch
Was sich am 10. Juni in dem historischen Kirchenschiff abspielte, war alles andere als ein frommes Beisammensein. Nach Informationen, die dem Portal Apollo News vorliegen, sollen dort Aktivistinnen offen über das eigene Konzept doziert haben – das sogenannte „bewusste Regelübertreten“. Man überschreite Gesetze, weil man es für „legitim“ erachte, so soll eine Rednerin die Doktrin des Bündnisses erläutert haben. Ziel sei es gewesen, den Parteitag am 4. und 5. Juli durch Straßenblockaden zu verhindern oder zumindest zu sabotieren – ein Vorhaben, das bekanntlich scheiterte.
Man stelle sich das einmal vor: In einem der geschichtsträchtigsten Gotteshäuser Thüringens wird zum Bruch geltenden Rechts geschult. Zwischen Kirchenbänken und Orgelempore werden nicht die Zehn Gebote gelehrt, sondern die Kunst der Straßenblockade. Es ist, als hätte man die Reformation mit der Randale verwechselt.
Die späte Empörung des Gemeindekirchenrats
Nachdem linke Plakate im gesamten Kirchenschiff prangten und ein riesiges Banner von der für Besucher gesperrten Orgelempore herabhing, meldete sich der Gemeindekirchenrat zu Wort. Man habe mit dem Verlauf der Veranstaltung große Unzufriedenheit empfunden, hieß es. Das Anbringen der Transparente sei weder angekündigt noch genehmigt gewesen und stelle einen „Missbrauch unserer Gastfreundschaft und des Kirchenraums“ dar. Mit den Inhalten habe man nichts zu tun.
„Das nicht angekündigte und nicht genehmigte Anbringen von Plakaten im gesamten Kirchenschiff und insbesondere das Aufhängen eines riesigen Banners von der für Besucher gesperrten Orgelempore stellt für uns einen Missbrauch unserer Gastfreundschaft und des Kirchenraums dar“, so der Gemeindekirchenrat.
Die Kirche will die Räume angeblich nur aus „Witterungsgründen“ überlassen haben. Wegen angekündigten Starkregens hätten die Aktivisten um ein „Training zum gewaltfreien Widerstand“ gebeten – und der Kirchenrat habe kurzfristig zugestimmt. Nun mag man dem Gremium Naivität attestieren. Doch drängt sich die Frage auf: Wie treuherzig kann eine Institution sein, die sich ausgerechnet von einem Antifa-Bündnis das Märchen vom „gewaltfreien Widerstand“ auftischen lässt?
Gewalt gegen Journalisten – und niemand will es gewesen sein
Besonders bitter wird die Angelegenheit vor dem Hintergrund, dass es am Rande der Proteste zu massiven Übergriffen gegen Reporter gekommen sein soll. Journalisten seien beschimpft, gejagt und schließlich mit Schlägen und Tritten traktiert worden. So sieht er also aus, der vielbeschworene „gewaltfreie Widerstand“. Wer glaubt, dass eine Kirche, die einer solchen Truppe ihre Türen öffnet, keine Mitverantwortung trägt, der macht es sich zu leicht.
Ein Symptom der Verwahrlosung
Die Erfurter Episode ist kein Einzelfall, sondern Ausdruck einer tiefgreifenden Orientierungslosigkeit, die weite Teile der beiden großen Kirchen erfasst hat. Wo einst der Glaube und die Nächstenliebe im Mittelpunkt standen, dominieren heute politische Bekenntnisse. Die Kirche, die für alle da sein sollte, macht sich zunehmend zum Sprachrohr einer bestimmten politischen Klientel. Dass sie dabei einem Teil ihrer eigenen Gläubigen den Rücken kehrt – nämlich jenen, die konservative Werte hochhalten – scheint sie nicht zu stören.
Bezeichnend ist auch der zeitliche Ablauf. Während der AfD öffentliche Räumlichkeiten unter fadenscheinigen Vorwänden immer wieder verwehrt werden, stellte man einem linksradikalen Bündnis kurzerhand ein ganzes Gotteshaus zur Verfügung. Die Doppelmoral könnte kaum offensichtlicher sein. Man ruft zu „Herz statt Hetze“ auf – doch dieser Grundsatz gilt offenbar nur für die eine Seite.
Die späte Distanzierung wirkt daher wie das sprichwörtliche Waschen der Hände in Unschuld. Man wollte gerne auf der vermeintlich richtigen Seite stehen, ohne für die Konsequenzen geradestehen zu müssen. Doch wer den Brandstiftern die Streichhölzer reicht, sollte sich nicht wundern, wenn es brennt.
Was bleibt
Der Fall Erfurt sollte all jenen zu denken geben, die noch immer glauben, ihre Kirchensteuer diene einer Institution, die über den politischen Grabenkämpfen steht. Die Realität sieht anders aus. Und so verwundert es kaum, dass immer mehr Menschen den Kirchen den Rücken kehren – enttäuscht von einer Amtskirche, die ihre eigentliche Botschaft gegen tagespolitischen Aktivismus eingetauscht hat.

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