
Wenn der Finanzminister einen verurteilten Steuerhinterzieher zum moralischen Kompass erklärt
Es gibt Momente in der deutschen Politik, die so absurd anmuten, dass selbst der geübteste Satiriker die Waffen strecken müsste. Vizekanzler und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat in einem Interview mit der Welt am Sonntag einen solchen Moment geschaffen – und dabei offenbar nicht einmal gemerkt, welche Realsatire er da produziert.
Der Finanzminister und der Steuerbetrüger: Eine bemerkenswerte Allianz
Klingbeil, der seit seiner Berufung zum Finanzminister in der neuen Großen Koalition ohnehin für Stirnrunzeln bei Wirtschaftsexperten sorgt, sitzt ehrenamtlich im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München. Soweit, so harmlos. Doch was der SPD-Co-Vorsitzende dann über seinen Austausch mit Ehrenpräsident Uli Hoeneß zum Besten gab, verschlägt einem schlicht die Sprache: Er habe Hoeneß gesagt, „dass es sehr guttut, wenn sich jemand wie er da öffentlich klar positioniert" – gemeint sind dessen Attacken gegen die AfD.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Der amtierende Bundesfinanzminister lobt ausgerechnet einen Mann als moralische Instanz, der wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde. Uli Hoeneß, der den deutschen Staat um eine Summe betrogen hat, die mancher Kleinstadt den Haushalt für ein ganzes Jahrzehnt finanzieren könnte – dieser Mann soll nun als gesellschaftspolitisches Gewissen der Nation herhalten? Die Ironie könnte kaum bitterer sein.
Gesellschaftspolitik statt Sachverstand
Klingbeil macht in dem Interview keinen Hehl daraus, dass seine Rolle beim FC Bayern wenig mit Fußball zu tun hat. Zu Transfers gebe er keine Ratschläge, „das sollen Profis machen", erklärte er großzügig. Stattdessen gehe es ihm um „gesellschaftspolitische Fragen". Man könnte einwenden, dass auch Finanzpolitik von Profis gemacht werden sollte – aber diesen Gedanken scheint der Vizekanzler konsequent auszublenden.
Besonders aufschlussreich ist die Art und Weise, wie Klingbeil den Kampf gegen Rassismus und die Opposition gegen die AfD in einem Atemzug nennt – als seien beide Begriffe austauschbar. Diese rhetorische Gleichsetzung ist kein Zufall, sondern Methode. Eine demokratisch gewählte Partei, die bei Wahlen regelmäßig zweistellige Ergebnisse einfährt und Millionen von Bürgern vertritt, wird so in die Nähe von Rassismus gerückt. Dass dies einer demokratischen Debattenkultur unwürdig ist, scheint weder Klingbeil noch Hoeneß zu stören.
Hoeneß' fragwürdige Bilanz als moralische Instanz
Es lohnt sich, einen Blick auf die jüngere Geschichte des Uli Hoeneß zu werfen. Derselbe Mann, der sich heute als Kämpfer gegen vermeintlichen Rassismus inszeniert, forderte während der Corona-Pandemie die konsequente Ausgrenzung von Ungeimpften und setzte den eigenen Spieler Joshua Kimmich massiv unter Druck, als dieser Bedenken gegen die Impfung äußerte. Ausgrenzung scheint für Hoeneß also durchaus ein legitimes Mittel zu sein – solange sie die richtigen Leute trifft.
Und nun soll ausgerechnet dieser Mann, der dem Fiskus Millionen vorenthielt, vom Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland als leuchtendes Beispiel für gesellschaftliches Engagement gepriesen werden? Das ist nicht nur geschmacklos, es ist ein Schlag ins Gesicht jedes ehrlichen Steuerzahlers in diesem Land.
Fußball als politische Bühne
Klingbeil nutzt das Interview auch, um sich zur bevorstehenden Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada zu positionieren. Er spreche sich „klar gegen einen Boykott" aus und wolle „lieber 8:0 gegen die USA gewinnen, als gar nicht anzutreten". Ein markiger Spruch, der allerdings angesichts der jüngeren Turniergeschichte der deutschen Nationalmannschaft – man denke an das blamable Vorrundenaus bei der WM 2018 oder die Gruppenphase 2022 – eher unfreiwillig komisch wirkt.
Bezeichnend ist auch sein Verweis auf eine zwölfminütige Rede des Bayern-Trainers Vincent Kompany gegen Rassismus, die angeblich „mehr Einfluss auf unsere Gesellschaft haben" könne „als manche Rede eines Politikers". Wenn ein amtierender Vizekanzler öffentlich einräumt, dass Fußballtrainer mehr gesellschaftliche Wirkung entfalten als Politiker, dann ist das weniger ein Kompliment an den Sport als vielmehr ein vernichtendes Selbstzeugnis der politischen Klasse.
Die SPD und ihre Netzwerke
Pikant wird die Geschichte zusätzlich durch den Fall des Münchner Oberbürgermeisters Dieter Reiter. Der SPD-Politiker war in die Kritik geraten, weil er jährliche Vergütungen von 20.000 Euro als Verwaltungsbeirat beim FC Bayern nicht ordnungsgemäß gemeldet hatte. Klingbeil stärkt ihm dennoch den Rücken und nennt ihn einen „hervorragenden Oberbürgermeister". Die Botschaft ist klar: Innerhalb des eigenen Netzwerks wird Solidarität großgeschrieben – Transparenz und Rechenschaftspflicht hingegen scheinen eher als lästige Formalitäten betrachtet zu werden.
Was bleibt von diesem Interview? Das Bild einer politischen Elite, die sich gegenseitig beweihräuchert, moralische Maßstäbe nach Belieben verschiebt und den Profifußball als Vehikel für politische Botschaften instrumentalisiert. Dass dabei ausgerechnet ein verurteilter Steuerhinterzieher zum Vorkämpfer der Demokratie stilisiert wird, sagt mehr über den Zustand unserer politischen Kultur aus als tausend Sonntagsreden.
Man fragt sich unwillkürlich: Wie viele Millionen muss man am Fiskus vorbeischleusen, um vom deutschen Finanzminister ein öffentliches Lob zu erhalten?
Die Bürger dieses Landes – jene, die jeden Monat brav ihre Steuern zahlen, die sich an Recht und Gesetz halten und die zunehmend das Gefühl haben, dass für sie andere Regeln gelten als für die Privilegierten in den Chefetagen und Regierungsbänken – haben für solche Schauspiele längst kein Verständnis mehr. Und das zu Recht.

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