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01.07.2026
15:24 Uhr

Wenn Schweigen als SĂĽnde gilt: Hollywoods Meinungsdiktatur zeigt ihr wahres Gesicht

Wenn Schweigen als SĂĽnde gilt: Hollywoods Meinungsdiktatur zeigt ihr wahres Gesicht

Es ist eine Szene, die mehr über den Zustand der westlichen Kulturindustrie verrät als jede Preisverleihung: Ein Mann von der Statur eines Dwayne „The Rock“ Johnson – muskelbepackt, weltberühmt, ein Gigant der Kinoleinwand – wagt es, sich politisch zurückzuhalten. Und schon prasselt der Zorn der selbsternannten Tugendwächter auf ihn nieder. Der Vorwurf: Feigheit. Dabei hat der 54-jährige Schauspieler in einem Interview lediglich ausgesprochen, was Millionen Menschen weltweit fühlen dürften.

„Ich hasse die Streitereien“ – ein Satz, der wie ein Blitz einschlug

In einem Gespräch mit dem Magazin Esquire bekannte Johnson vor wenigen Wochen, er wolle seine politische Meinung künftig für sich behalten. Politik sei überall, sagte er sinngemäß, aber er möge sie nicht – manchmal hasse er sie sogar. Er hasse das Gezänk, den ganzen Schmutz, der damit einhergehe. Wer bitte könnte diesem Mann widersprechen? Wer, der in den vergangenen Jahren die endlosen Grabenkämpfe, die moralische Überheblichkeit und die künstliche Empörungswelle über sich hat ergehen lassen müssen, spürt nicht denselben Überdruss?

Doch in Hollywood, dieser Blase aus Selbstgerechtigkeit und ideologischer Gleichschaltung, ist Zurückhaltung offenbar ein Verbrechen. Kaum hatte Johnson seinen Wunsch nach Privatsphäre geäußert, meldete sich sein Kollege Wil Wheaton zu Wort – bekannt durch den Film „Stand by Me“ und seinen Ruf als lautstarker Verfechter woker Positionen. Auf der Plattform Threads bezeichnete er Johnson als „Feigling“. Es sei enttäuschend, so etwas herauszufinden, ließ Wheaton verlauten.

Neutralität als Todsünde

Man muss sich diese Logik einmal auf der Zunge zergehen lassen. Ein Schauspieler, der schlicht kein Fähnchen im Wind mehr sein möchte, wird als charakterlos gebrandmarkt. Star-Trek-Darsteller George Takei setzte noch einen drauf und verkündete: „Schweigen ist Mittäterschaft.“ Ein Satz, der in seiner totalitären Anmaßung schwer zu überbieten ist. Denn was hier eingefordert wird, ist nicht etwa freie Meinungsäußerung – es ist Gehorsam. Und zwar ausschließlich gegenüber der einen, der „richtigen“ Weltanschauung.

Es geht diesen selbsternannten Moralaposteln nicht um Haltung an sich. Es geht ihnen um eine ganz bestimmte Haltung: die linke.

Wer sich anders positioniert – oder eben gar nicht –, gerät sofort ins Fadenkreuz. Das Beispiel der Schauspielerin Sydney Sweeney führt eindrücklich vor Augen, was passiert, wenn sich jemand zur vermeintlich „falschen“ Seite bekennt. Und wie der Fall Johnson zeigt, ist selbst gar keine Meinung in dieser Welt bereits die falsche Meinung. Ein Kunststück der Absurdität: Man kann es nur falsch machen.

Ein Mann, der dem Volk vertraut – nicht den Politikern

Interessant ist der Wandel in Johnsons eigener Haltung. Im Wahlkampf 2020 unterstützte er noch den Demokraten Joe Biden. 2024 tat er das nicht mehr. Der Grund? Die Unterstützung habe ihm mehr geschadet als genützt, erklärte er. Sein neues Credo klingt fast entwaffnend vernünftig: Wie viele Menschen, die nicht jedem Politiker über den Weg trauen, vertraue er dem amerikanischen Volk. Wen dieses auch immer wähle, das werde sein Präsident sein, den er dann zu hundert Prozent unterstütze.

Was für ein bemerkenswertes Bekenntnis zur Demokratie – und was für ein Kontrast zu jenen, die stets nur dann Wahlergebnisse akzeptieren, wenn sie ihnen genehm sind. Doch selbst diese demokratische Grundhaltung reicht den Meinungswächtern nicht. Immer wieder wird spekuliert, ob Johnson nicht selbst für das Präsidentenamt kandidieren solle. Als Vorbild „guter Maskulinität“ trage er schließlich besondere Verantwortung, heißt es. All das läuft auf dasselbe Ziel hinaus: den dreifachen Familienvater zu einem politischen Bekenntnis zu zwingen.

Ein LehrstĂĽck ĂĽber die Grenzen der Meinungsfreiheit im Westen

Gebracht haben die Versuche offenbar nichts – und das ist die eigentlich gute Nachricht. Denn was sich hier abspielt, ist weit mehr als ein Promi-Zwist. Es ist ein Lehrstück darüber, wie eng die Grenzen der angeblich so freien Meinung im modernen Westen inzwischen gezogen werden. Wer nicht mitmarschiert im Chor der Gutmenschen, wird moralisch ausgestoßen. Das Recht, einfach in Ruhe gelassen zu werden, wird zum Privileg der Angepassten.

Dass ausgerechnet ein Actionheld dieser Erpressung standhält, ist beinahe symbolisch. Vielleicht braucht es tatsächlich Männer von seinem Format, um dem gesellschaftlichen Klima der ständigen Bekenntnispflicht die Stirn zu bieten. Denn eines sollte klar sein: Eine Gesellschaft, die Schweigen als Verrat brandmarkt und Neutralität als Feigheit verhöhnt, hat die Freiheit längst gegen ihre eigene Karikatur eingetauscht.

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