
Windkraft-Desaster: Grundeigentümer werden um drei Viertel ihrer Pacht geprellt
Was jahrelang als goldenes Geschäft galt, entpuppt sich nun als bittere Enttäuschung. Grundeigentümer, die ihre Flächen für Windparks zur Verfügung stellen, erleben derzeit einen regelrechten Schock: Projektierer kürzen die einst großzügig versprochenen Pachtzahlungen in manchen Fällen auf gerade einmal 25 Prozent des ursprünglich zugesagten Wertes. Ein Viertel. Mehr nicht. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist die neue Realität der deutschen Energiewende – jener Energiewende, die uns doch eigentlich in eine strahlende Zukunft führen sollte.
Vom Glücksfall zum Albtraum
Über Jahre hinweg galt ein Windstandort auf dem eigenen Grund und Boden als Sechser im Lotto. Grundeigentümer konnten teilweise über 40 Prozent der Gesamteinnahmen eines Windparks einstreichen. Bei modernen Großanlagen mit rund 7 Megawatt Nennleistung standen Summen von bis zu 300.000 Euro jährlich im Raum. Landwirte kalkulierten mit diesen Einnahmen, investierten, planten ihre Zukunft. Doch dieses Bild kippt nun mit einer Brutalität, die selbst hartgesottene Branchenkenner überrascht.
Auf einer Fachveranstaltung der DLG unter dem bezeichnenden Titel „Windpacht – Wenn der Wind dreht" legte Rechtsanwalt Volker Henties die Ursachen dieses Debakels schonungslos offen. Die Diagnose ist ernüchternd – und sie wirft ein grelles Schlaglicht auf die fundamentalen Konstruktionsfehler der deutschen Energiepolitik.
Zuschlagswerte im freien Fall
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache. Während Planer in den Jahren 2023 und 2024 noch mit relativ stabilen Zuschlagswerten von 7,3 Cent pro Kilowattstunde rechnen konnten, seien diese bis November 2025 auf 6,06 Cent pro Kilowattstunde abgerutscht. Das entspreche einem Erlösverfall von rund 20 Prozent – und die Abwärtsspirale habe noch längst nicht ihren Tiefpunkt erreicht, so Henties.
Für 2026 erwartet der Experte weiteren Druck. Viele Projektierer würden bereits mit 5,5 Cent pro Kilowattstunde und weniger kalkulieren. Das bedeute einen Erlöseinbruch von 25 Prozent und mehr gegenüber den Hochzeiten. Wenn die Einnahmen derart wegbrechen, suchen die Projektierer naturgemäß nach Stellschrauben – und finden sie ausgerechnet bei denjenigen, die am wenigsten dafür können: den Grundeigentümern.
Banken ziehen die Daumenschrauben an
Doch es kommt noch dicker. Neben den sinkenden Zuschlagswerten verschärft sich auch die Finanzierungslage dramatisch. Statt der früheren 1,1 bis 1,4 Prozent lägen die Finanzierungszinsen trotz niedrigerer Leitzinsen derzeit bei rund 4 Prozent, erklärte Henties. Hinzu komme, dass sich die Banken nicht mehr auf eine hundertprozentige Fremdfinanzierung einließen. Die Projektierer müssten also mehr Eigenmittel aufbringen, während gleichzeitig die Kapitalkosten abrupt steigen. Ein toxischer Cocktail, der bereits genehmigte Projekte massiv entwertet.
Und wer zahlt am Ende die Zeche? Nicht die Projektierer, nicht die Banken, nicht die Politik, die dieses System geschaffen hat. Nein – es sind die Grundeigentümer, die plötzlich mit Nachverhandlungen konfrontiert werden, bei denen ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt wird. Fristen für Zuschläge und Finanzierungsabschlüsse laufen, der Zeitdruck ist enorm. Wer unterschreibt, akzeptiert eine völlig neue Realität. Wer nicht unterschreibt, riskiert, dass das gesamte Projekt platzt.
Die Energiewende frisst ihre eigenen Kinder
Man muss sich diese Situation einmal auf der Zunge zergehen lassen. Da hat die Politik über Jahre hinweg die Windkraft als Heilsbringer propagiert, hat Grundeigentümer mit verlockenden Renditeversprechen geködert, hat ein ganzes System aufgebaut, das auf immer neuen Subventionen und Zuschlägen basiert – und nun bricht dieses Kartenhaus in sich zusammen. Die Energiewende, dieses ideologische Prestigeprojekt, das Deutschland zum grünen Vorreiter machen sollte, entpuppt sich zunehmend als ökonomisches Fiasko.
Während China im selben Zeitraum 52 neue Kohlekraftwerke ans Netz bringt und damit den größten Zubau seit einem Jahrzehnt verzeichnet, während Europa sich in eine neue Abhängigkeit von teurem US-Flüssiggas manövriert, stehen deutsche Landwirte vor den Trümmern ihrer Kalkulationen. Die Ironie könnte kaum bitterer sein.
Beteiligung statt blindem Vertrauen
Henties rät betroffenen Grundeigentümern, nicht reflexhaft nachzugeben, sondern Gegenleistungen einzufordern. Statt einer reinen Pachtkürzung sollten Eigentümer auf eine direkte Beteiligung am Gesamtprojekt drängen – idealerweise von Anfang an. Er berichtet von Modellen mit 25 Prozent und mehr Beteiligung, bei denen der Projektierer weiterhin das Entwicklungsrisiko trage. Eine niedrigere Pacht könne dann tragbar werden, weil die Eigentümer an der gesamten Wertschöpfung teilhätten.
Allerdings mahnt der Rechtsanwalt zur Vorsicht. Er fordert saubere Gesellschaftsführung, den Ausschluss von Nachschusspflichten, Entnahmerechte für Steuerlasten und eine Beteiligung, die auch bei einem Verkauf des Projekts Bestand habe. Negative Steuerfolgen müssten frühzeitig geregelt werden. Alles andere wäre naiv – und Naivität können sich Grundeigentümer in dieser Situation schlicht nicht mehr leisten.
Ein Symptom einer verfehlten Politik
Was sich hier im Kleinen abspielt, ist symptomatisch für die gesamte deutsche Energiepolitik. Jahrelang wurden Versprechungen gemacht, die auf unrealistischen Annahmen basierten. Jahrelang wurde ein System aufgebläht, das nur funktionierte, solange die Subventionen sprudelten und die Zinsen am Boden lagen. Nun, da sich die ökonomischen Rahmenbedingungen normalisieren, zeigt sich die ganze Fragilität dieses Konstrukts.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der gewaltigen Aufgabe, die energiepolitischen Trümmer der Vorgängerregierungen aufzuräumen. Ob das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur dabei hilft oder die Probleme nur weiter verschleiert, bleibt abzuwarten. Eines steht jedoch fest: Die Grundeigentümer, die auf die Versprechen der Windkraft-Branche vertraut haben, sind die Leidtragenden einer Politik, die Ideologie über ökonomische Vernunft gestellt hat.
In Zeiten derartiger wirtschaftlicher Unsicherheiten und politischer Fehlsteuerungen zeigt sich einmal mehr der Wert beständiger Vermögenssicherung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Wertspeicher bewährt – unabhängig von politischen Windrichtungen, Zuschlagswerten oder Bankkonditionen. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio bieten sie genau jene Stabilität, die Windpacht-Verträge offensichtlich nicht garantieren können.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Für individuelle Anlageentscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich. Wir empfehlen, im Zweifelsfall einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren.
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