
WirtschaftsverbÀnde rebellieren: Deutsches Lieferkettengesetz als Standort-Killer

Ein mĂ€chtiges BĂŒndnis aus 17 WirtschaftsverbĂ€nden hat der Bundesregierung den Fehdehandschuh hingeworfen. Die Forderung ist unmissverstĂ€ndlich: Deutschland mĂŒsse seinen nationalen Sonderweg beim Lieferkettengesetz unverzĂŒglich beenden. Was sich hier zusammenbraut, ist nichts weniger als ein offener Aufstand der deutschen Wirtschaft gegen eine Regulierungswut, die den Standort Deutschland systematisch zu ersticken droht.
Der deutsche Alleingang: BĂŒrokratie-Monster par excellence
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. WĂ€hrend das europĂ€ische Lieferkettengesetz erst bei Unternehmen mit mehr als 5.000 BeschĂ€ftigten und einem Jahresumsatz von mindestens 1,5 Milliarden Euro greift, knechtet das deutsche Pendant bereits Firmen ab 1.000 Mitarbeitern â völlig unabhĂ€ngig vom Umsatz. Ein klassischer Fall von deutschem ĂbererfĂŒllungseifer, der mittlerweile zur traurigen Tradition geworden ist.
Zu den Unterzeichnern des Brandbrief gehören schwergewichtige Namen: der Handelsverband, der Arbeitgeberverband Gesamtmetall und der Verband der Elektro- und Digitalindustrie. Diese VerbÀnde vertreten Hunderttausende ArbeitsplÀtze und MilliardenumsÀtze. Wenn sie gemeinsam Alarm schlagen, sollte selbst die trÀge Berliner Politik aufhorchen.
Kosmetische Korrekturen statt echter Entlastung
Die Bundesregierung unter Kanzler Merz hat zwar Ănderungen am Lieferkettengesetz angekĂŒndigt, doch die Wirtschaft zeigt sich alles andere als beeindruckt. Der Bundestag beriet vor knapp zwei Wochen in erster Lesung ĂŒber eine AbschwĂ€chung des Gesetzes. Berichtspflichten sollen entfallen, Sanktionen nur noch bei schweren VerstöĂen greifen. Klingt nach Fortschritt? Mitnichten.
âDer Gesetzentwurf beschrĂ€nkt sich im Wesentlichen auf die Streichung der Berichtspflicht und eine Reduzierung von Sanktionen. Die umfassenden Sorgfaltspflichten entlang globaler Lieferketten sowie die detaillierten Dokumentationsanforderungen bleiben jedoch bestehen."
So das vernichtende Urteil der VerbĂ€nde. Man streicht also ein paar Formulare, lĂ€sst aber den bĂŒrokratischen Kern unangetastet. Das ist, als wĂŒrde man einem Ertrinkenden einen Strohhalm reichen und sich dann fĂŒr die groĂzĂŒgige Rettungsaktion feiern lassen.
Wettbewerbsnachteile mit Ansage
Die Konsequenzen dieser Politik sind absehbar. Deutsche Unternehmen mĂŒssen einen erheblichen Mehraufwand betreiben, den ihre europĂ€ischen Konkurrenten nicht haben. Woher stammen die Einzelteile einer Waschmaschine? Wurden sie unter fairen Bedingungen produziert? Diese Fragen mögen moralisch berechtigt sein, doch die Antworten kosten Zeit, Geld und Personal â Ressourcen, die anderswo fĂŒr Innovation und Wachstum fehlen.
Die VerbĂ€nde warnen eindringlich vor Wettbewerbsnachteilen und Rechtsunsicherheit. Unternehmen, die nach europĂ€ischem Recht nicht mehr unter die Regelung fallen wĂŒrden, sollten auch national nicht lĂ€nger verpflichtet werden. Eine Forderung, die eigentlich selbstverstĂ€ndlich sein mĂŒsste.
Ein Symptom tieferliegender Probleme
Das Lieferkettengesetz steht exemplarisch fĂŒr eine deutsche Krankheit: den Hang zur Ăberregulierung, gepaart mit moralischem Sendungsbewusstsein. WĂ€hrend andere LĂ€nder pragmatisch wirtschaften, verstrickt sich Deutschland in einem Netz aus Vorschriften, Dokumentationspflichten und Compliance-Anforderungen. Die Wirtschaft Ă€chzt, die BĂŒrokratie wĂ€chst, und am Ende wandern Unternehmen ab oder investieren erst gar nicht mehr.
Mittelfristig soll das deutsche Lieferkettengesetz durch ein EU-Gesetz ersetzt werden. Bis dahin jedoch bleibt die Frage: Wie viel Schaden richtet der deutsche Sonderweg noch an? Die WirtschaftsverbÀnde haben ihre Antwort gegeben. Nun liegt der Ball bei der Politik.
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