
ZDF gegen Bahn: Wenn der Staatsfunk und der Staatskonzern sich um die eigene MaroditÀt streiten

Es ist ein Schauspiel, wie es sinnbildlicher kaum sein könnte fĂŒr den Zustand dieses Landes: Da liefern sich zwei Institutionen, die beide aus dem Portemonnaie des deutschen Steuerzahlers alimentiert werden, einen öffentlichen Schlagabtausch. Auf der einen Seite das ZDF, das mit der Dokumentation âAm Puls mit Dunja Hayali â Unsere Bahn: geliebt, verflucht â gefĂ€hrlich?â ein vernichtendes Bild der Deutschen Bahn zeichnet. Auf der anderen Seite der Staatskonzern selbst, der die Reportage als âunseriösâ und âZerrbildâ geiĂelt. Wer hat recht? Und ist das nicht am Ende gleichgĂŒltig, wenn ohnehin beide Seiten vom BĂŒrger finanziert werden?
Marode Gleise, Uralttechnik, tödliche UnglĂŒcke
Der Film wagt einen Blick hinter die glĂ€nzende Fassade der viel beschworenen âGeneralsanierungâ â und was er dort findet, ist alles andere als vorzeigbar. Ein ICE-FĂŒhrer schildert die berĂŒchtigten âLangsamfahrstellenâ, an denen die ZĂŒge ausgebremst werden, weil die Substanz schlicht zu marode ist, um Tempo zuzulassen. Ein frĂŒherer Regionaldirektor bezeichnet die Sanierung des Korridors BerlinâHamburg gar als âabsurdâ, weil dort angeblich ĂŒber 50 Jahre alte Signaltechnik neu aufgestellt werde â âUralttechnikâ, die LokfĂŒhrer weiterhin dazu zwinge, im Vorbeirauschen rote und grĂŒne LĂ€mpchen zu erkennen wie zu Kaisers Zeiten.
Besonders bitter wird es beim tödlichen ZugunglĂŒck von Burgrain im Juni 2022, bei dem fĂŒnf Menschen ihr Leben verloren. Ein internes Papier soll belegen, dass Reparaturen aus Geldmangel verschoben wurden â wĂ€hrend Vorgesetzte Boni fĂŒr das Erreichen von PĂŒnktlichkeitszielen kassiert hĂ€tten. Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: gespart am Gleis, kassiert an der Statistik.
Die Bahn schlĂ€gt zurĂŒck â mit âKirschen und KĂŒrbissenâ
Der Konzern lieĂ die Kritik nicht auf sich sitzen. Die Reportage basiere âin weiten Teilen rein auf Behauptungen und Meinungenâ, enthalte âmethodische Fehlerâ. Am schĂ€rfsten fĂ€llt das Urteil beim PĂŒnktlichkeitsvergleich mit Belgien aus, den die Bahn als âin hohem MaĂe unseriösâ bezeichnet â hier wĂŒrden âKirschen mit KĂŒrbissenâ verglichen.
Die belgische Quote von rund 92 Prozent umfasse sĂ€mtliche Zugverkehre, wĂ€hrend Belgien ĂŒberwiegend Nahverkehr auf einem FĂŒnftel des deutschen Netzes fahre. Im fairen Vergleich habe die Deutsche Bahn 2025 bei 88 Prozent gelegen â ein annĂ€hernd gleiches Niveau.
Und tatsĂ€chlich: In zwei Punkten musste das ZDF nachbessern. Die in einer Grafik angegebene Zahl der digitalen Stellwerke wurde von null auf drei korrigiert, beim Belgien-Vergleich wurde âFernverkehrâ nachtrĂ€glich in âPersonenverkehrâ geĂ€ndert. Peinlich fĂŒr einen Sender, der sich stets auf seine âjournalistisch sorgfĂ€ltige Rechercheâ beruft.
Wenn der Zuschauer die halbe Wahrheit erfÀhrt
Bezeichnend ist der Vorwurf, der Film habe fĂŒr Deutschland nur die desaströse Fernverkehrsquote von 60,1 Prozent genannt â die deutlich freundlicheren 88,7 Prozent im Regionalverkehr aber unter den Tisch fallen lassen. Man könnte sagen: Das ZDF hat hier ausgerechnet das getan, was es den anderen so gerne vorwirft â eine einseitige ErzĂ€hlung.
Ein System, das sich selbst zerlegt
Doch bei aller berechtigten Kritik an handwerklichen Schludrigkeiten des Senders bleibt der eigentliche Skandal bestehen: Die Deutsche Bahn ist ein Sinnbild fĂŒr das Versagen jahrzehntelanger politischer Verantwortungslosigkeit. Ein Staatskonzern, in den Milliarden flieĂen, dessen ZĂŒge dennoch zu spĂ€t kommen, dessen Technik teils aus der Nachkriegszeit stammt und bei dem SicherheitsmĂ€ngel Menschenleben gekostet haben. Kein privater Betrieb dieser Republik hĂ€tte sich einen solchen Dauerzustand leisten können, ohne lĂ€ngst vom Markt verschwunden zu sein.
Und nun das versprochene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der GroĂen Koalition, das angeblich die Infrastruktur retten soll. Man verzeihe die Skepsis: Wer glaubt ernsthaft, dass ein Apparat, der ĂŒber Jahrzehnte kaputtgewirtschaftet wurde, sich durch neue Schuldenberge auf einmal in ein Musterunternehmen verwandelt? Die Rechnung zahlen am Ende â wie so oft â die kommenden Generationen ĂŒber Steuern und Abgaben.
âAm Pulsâ â oder am Ende der GlaubwĂŒrdigkeit?
Es ist ĂŒbrigens nicht das erste Mal, dass die ZDF-Reihe fĂŒr Ărger sorgt. Bereits im Mai stand eine Ausgabe ĂŒber das BĂŒrgergeld in der Kritik, damals warf man dem Sender einseitige und unsaubere Berichterstattung vor. Zwei Institutionen, die aus ZwangsbeitrĂ€gen und Steuergeldern leben, streiten sich um die Deutungshoheit ĂŒber das eigene Versagen. Der BĂŒrger schaut zu â und bezahlt gleich doppelt.
Was bleibt: Der Wert echter Substanz
Am Ende fĂŒhrt uns dieser Streit eine tiefere Wahrheit vor Augen. Ob marode Gleise, ausufernde Staatsschulden oder eine schleichende Geldentwertung durch inflationĂ€re Ausgabenpolitik â auf die Versprechen von Staat und staatsnahen Konzernen ist immer weniger Verlass. Wer sein Vermögen langfristig schĂŒtzen will, sollte sich nicht allein auf Papierwerte und Statistiken verlassen, die morgen schon âkorrigiertâ werden mĂŒssen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben ĂŒber Jahrhunderte bewiesen, dass sie ihren Wert bewahren â unabhĂ€ngig davon, ob ZĂŒge pĂŒnktlich fahren oder Grafiken im Fernsehen stimmen. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens bleiben sie ein Anker der StabilitĂ€t in unsicheren Zeiten.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschlieĂlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig ausreichend zu recherchieren und trĂ€gt fĂŒr seine Anlageentscheidungen die volle Verantwortung selbst.
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