
Zink im Squeeze: 4.000-Dollar-Marke wackelt – Westen zahlt drauf

An der Londoner Metallbörse LME hat Zink ein Vierjahreshoch erreicht: Der Dreimonatskontrakt kletterte zuletzt auf rund 3.990 US-Dollar je Tonne. Dahinter steckt kein kurzlebiger Spekulationsrausch, sondern eine handfeste physische Knappheit – vor allem in westlichen Lagerhäusern.
Während die Rohstoffwelt gebannt auf Kupfer starrt, ist der Engpass bei Zink längst Realität. Und er trifft ausgerechnet jene Industrie, die verzinkten Stahl braucht: Bau, Infrastruktur, Automobil – also das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.
Wenn Schmelzen dafür bezahlen, Erz zu bekommen
Die Ursache liegt tief in der Lieferkette. Statt des von der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) prognostizierten leichten Plus schrumpfte die weltweite Minenförderung im ersten Halbjahr um 2,6 Prozent. Über das vergangene Jahrzehnt gab das globale Minenangebot um fast neun Prozent nach.
Sinkende Erzgehalte in Schlüsselminen wie Antamina oder Red Dog, dazu seismische Zwischenfälle in Schweden und Australien – der Rohstoff wird knapp. Die Folge: ein erbitterter Wettlauf der Hütten um Konzentrat.
Das Ergebnis ist absurd. Die Spot-Behandlungsgebühren für importierte Zinkkonzentrate in China stürzten auf ein Rekordtief von minus 113 US-Dollar je Tonne. Übersetzt heißt das: Die Schmelze zahlt dem Minenbetreiber Geld dafür, sein Erz verarbeiten zu dürfen. Marktbeobachtern zufolge lagen die Sätze im August teils sogar bei minus 117,50 Dollar.
Silber rettet die Rechnung – Europas Hütten der Staat
Viele Betriebe halten sich nur über Begleitmetalle über Wasser. Zinklagerstätten sind fast immer polymetallisch: Silber, Blei und Schwefelsäure fallen mit an. Bei aktuellen Edelmetallpreisen können diese Gutschriften Medienberichten zufolge die Förderkosten mancher Mine rechnerisch komplett auslöschen.
Im Westen sieht die Lage weniger komfortabel aus. Hohe Energiekosten, ein Großbrand in Kasachstan, operative Störungen – und erste Anlagen sind auf staatliche Überbrückungshilfen angewiesen. Ein bekanntes Muster: Wer Strompreise politisch in die Höhe treibt, darf sich über sterbende Schwerindustrie nicht wundern.
Peking dosiert, London blutet
Chinas Schmelzen hatten sich frühzeitig Konzentrate gesichert und steigerten ihren Ausstoß im ersten Halbjahr um knapp sechs Prozent. Im Rest der Welt sank die Produktion um 3,4 Prozent.
Die LME-Bestände liegen bei rund 100.000 Tonnen – historisch dünn. Fast ein Drittel davon ist bereits zur Auslieferung abgerufen. Prämien für sofort verfügbares Metall schossen zeitweise über 230 US-Dollar je Tonne. Analysten zufolge weitete sich der Aufschlag der Kassa- gegenüber den Terminkursen zuletzt auf mehr als 190 Dollar aus – ein klassisches Krisensignal.
Parallel füllen sich die Lager der Shanghaier Terminbörse. China gibt Metall nur dosiert nach Westen ab. Wer das für Zufall hält, unterschätzt, wie systematisch Peking Rohstoffmacht einsetzt.
Was Anleger daraus lernen können
Die Lehre reicht weit über Zink hinaus: Wenn physische Ware knapp wird, entscheidet nicht der Papierpreis, sondern der tatsächliche Besitz. Backwardation, leere Lager, explodierende Prämien – dieses Muster kennen Edelmetallmärkte seit Jahrzehnten.
Physisches Gold und Silber bleiben aus Sicht unserer Redaktion eine sinnvolle Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen – gerade in Zeiten, in denen Lieferketten zur geopolitischen Waffe werden.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ab. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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