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Kettner Edelmetalle
20.08.2026
16:16 Uhr
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Zins-Schock für Berlin: ifo-Chef warnt vor Risiko bei Bundesanleihen

Zins-Schock für Berlin: ifo-Chef warnt vor Risiko bei Bundesanleihen
Symbolbild: KI-generiert

Es ist eine Warnung, die es in sich hat: ifo-Präsident Clemens Fuest hält deutsche Staatsanleihen nicht mehr für das risikolose Papier, als das sie jahrzehntelang galten. Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte er, der jüngste Renditeanstieg spiegele wachsende Sorgen über Staatsverschuldung und Inflation wider. Am Mittwoch kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zeitweise auf rund 3,275 Prozent – der höchste Stand seit etwa 15 Jahren.

Vom Musterschüler zum Schuldenkandidaten

Zur Erinnerung: Ende 2025 lag die Zehnjahresrendite laut Bundesfinanzministerium noch bei 2,85 Prozent, zum Ende des ersten Quartals bei 3,00 Prozent. Der Markt verlangt für deutsche Schulden also spürbar mehr Prämie als noch vor wenigen Monaten.

Fuest fordert von der Bundesregierung eine, wie er es formuliert, „überzeugende, mehrjährig angelegte Strategie zur Senkung der Staatsausgaben und zur Stärkung des Wirtschaftswachstums“. Investitionen sollen davon ausgenommen bleiben. Pikant: Das 2025 beschlossene Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität mit einer Kreditermächtigung von 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre hatte der ifo-Chef seinerzeit selbst unterstützt.

Die Zinsrechnung, die keiner sehen will

Wie teuer der Kurs wird, zeigt der Finanzplan des Bundes. Für 2026 sind rund 30 Milliarden Euro Zinsausgaben veranschlagt, für 2027 bereits 41,9 Milliarden, für 2028 55,2 Milliarden, für 2029 rund 68,1 Milliarden – und für 2030 satte 80,7 Milliarden Euro. 2020 waren es ganze 6,4 Milliarden.

Parallel dazu soll die Nettokreditaufnahme im Kernhaushalt von 98 Milliarden Euro im Jahr 2026 auf 167,3 Milliarden Euro im Jahr 2030 steigen. Und das sind nur die Kredite des Kernhaushalts – die Sondervermögen kommen obendrauf.

Anders gesagt: Der Bund bezahlt am Ende des Jahrzehnts womöglich mehr Zinsen, als er heute für ganze Ministerien ausgibt. Geld, das weder in Straßen noch in Schulen fließt, sondern schlicht an Gläubiger.

Banken sollen Staatsanleihen teurer bezahlen

Fuests schärfster Vorschlag zielt auf die Banken. Bislang gelten Staatsanleihen regulatorisch als praktisch risikofrei, Institute müssen dafür kein zusätzliches Eigenkapital vorhalten. Genau das will der Ökonom ändern:

„Dazu gehört beispielsweise ein Einstieg in die Eigenkapitalunterlegung von Investitionen in Staatsanleihen“

Der Effekt wäre zweischneidig. Kaufen Banken weniger Staatspapiere, sinkt der Anreiz zur Schuldenmacherei – zugleich stiege der Finanzierungsdruck auf hochverschuldete Staaten, und für den Bundeshaushalt könnte es noch teurer werden.

Ein globales Problem – Deutschland ist kein Sonderfall

Der Renditeanstieg ist Medienberichten zufolge kein rein deutsches Phänomen. In den USA erreichten 30-jährige Papiere zeitweise den höchsten Stand seit 2007, auch in Frankreich, Italien und Japan zogen die Langfristzinsen deutlich an. Das Bundeswirtschaftsministerium bezifferte den Abstand der deutschen Zehnjahresrendite zum Niveau vor dem Nahost-Krieg zuletzt auf rund 45 Basispunkte.

Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr sagte Reuters, die Gefahr einer größeren globalen Staatsschuldenkrise sei aktuell sehr hoch.

Was das für Sparer bedeutet

Für Bürger ist das mehr als eine Zahlenspielerei. Steigende Kapitalmarktzinsen schlagen auf Unternehmenskredite und Baufinanzierungen durch. Und wenn selbst Ökonomen die vermeintlich sicherste Anlageklasse Europas kritisch prüfen, stellt sich die alte Frage neu: Was bleibt, wenn Papierversprechen an Vertrauen verlieren? Physisches Gold und Silber kennen weder Emittenten noch Ausfallrisiko – als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben sie aus unserer Sicht ein solider Anker.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden.

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