
Zins-Schock voraus? MĂ€rkte wetten gegen Lagarde

An den FinanzmĂ€rkten braut sich ein handfester Konflikt zusammen. HĂ€ndler in London und Frankfurt preisen deutlich mehr Zinserhöhungen ein, als die Notenbanker selbst in Aussicht stellen. Auslöser ist ein Preisschub bei Energie, der die Inflation in Europa zurĂŒck ins Rampenlicht katapultiert hat.
Laut einem Bericht des Finanzdienstes Bloomberg vom 15. September implizieren Swap-SĂ€tze inzwischen vier weitere Zinsschritte der EuropĂ€ischen Zentralbank um je 0,25 Prozentpunkte binnen zwölf Monaten â und sogar fĂŒnf solcher Schritte bei der Bank of England. Ăkonomen rechnen dagegen nur mit einer oder zwei Anhebungen.
Warum die MÀrkte plötzlich die Nerven verlieren
Der Grund liegt an der ZapfsÀule und auf der Heizkostenabrechnung. Die Inflation im Euroraum kletterte im August nach Eurostat-Angaben auf 3,3 Prozent, die Energiepreise legten im Jahresvergleich um mehr als 14 Prozent zu. In Deutschland lag die Teuerungsrate im August bei 2,9 Prozent und nÀhert sich der Drei-Prozent-Marke.
Treiber ist Medienberichten zufolge vor allem der Krieg mit dem Iran, der die Ălnotierungen nach oben gerissen hat. Brent notierte zuletzt ĂŒber 90 Dollar je Fass. Wer tankt, weiĂ lĂ€ngst, dass Statistik hier nur beschreibt, was im Portemonnaie schon passiert ist.
Die EZB will sich nicht festlegen
Am 10. September hob die EZB den Einlagensatz auf 2,5 Prozent an â bereits die zweite Erhöhung seit Beginn des Iran-Krieges. Gleichzeitig betonte der Rat erneut, sich nicht auf weitere Schritte vorab festlegen zu wollen. Selbst Markterwartungen von drei Anhebungen galten den WĂ€hrungshĂŒtern dem Bericht zufolge als zu forsch.
Es ist das klassische Dilemma einer Notenbank, die zwei Feuer gleichzeitig löschen soll: BekĂ€mpft sie die importierte Teuerung entschlossen, wĂŒrgt sie eine ohnehin schwĂ€chelnde Konjunktur weiter ab. HĂ€lt sie still, frisst die Inflation Löhne, Ersparnisse und Renten auf.
Die MĂ€rkte trauen den Beteuerungen der Notenbanker offenbar weniger als ihren eigenen Rechenmodellen â das allein ist ein Warnsignal.
FĂŒr Sparer in Deutschland wird es doppelt teuer
FĂŒr deutsche Haushalte ist die Lage besonders bitter. Steigende Zinsen verteuern Baufinanzierungen und Unternehmenskredite in einer Phase, in der die Industrie mit hohen Energiekosten, BĂŒrokratie und einer klimapolitisch gesteuerten Transformationsagenda ringt. Gleichzeitig hinken Sparzinsen der Teuerung traditionell hinterher.
Dazu kommt die fiskalische GroĂwetterlage: Das 500-Milliarden-Sondervermögen und die im Grundgesetz verankerte KlimaneutralitĂ€t bis 2045 bedeuten Schulden, die irgendwann jemand bedienen muss. Höhere Zinsen machen diese Rechnung fĂŒr den Steuerzahler nicht angenehmer. Kritiker erinnern daran, dass Bundeskanzler Friedrich Merz im Wahlkampf einen anderen Kurs versprochen hatte.
Gold als stiller Gewinner der Unsicherheit
WĂ€hrend Notenbanker und HĂ€ndler streiten, hat der Markt lĂ€ngst abgestimmt: Der Goldpreis notierte Medienberichten zufolge zuletzt bei rund 4.300 Dollar je Unze. Kein Zufall â in Phasen, in denen Kriege die Energiepreise treiben und die GlaubwĂŒrdigkeit der Geldpolitik auf dem PrĂŒfstand steht, suchen Anleger Substanz statt Versprechen.
Physische Edelmetalle tragen weder Zinsrisiko noch Ausfallrisiko eines Emittenten. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie dort stabilisieren, wo Papierwerte von der nÀchsten Zentralbank-Pressekonferenz abhÀngen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenstĂ€ndig recherchieren.
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