
Zoll-Krieg im Norden: Kanada schlägt mit 50 Prozent zurück

Ottawa lässt die Muskeln spielen: Kanada hat am Dienstag Vergeltungszölle auf US-Waren im Wert von rund 20 Milliarden Dollar verhängt. Finanzminister François-Philippe Champagne legte dafür eine 99 Seiten starke Liste vor – betroffen sind ab dem 8. September unter anderem Stahl, Milchprodukte und Landmaschinen. Die Sätze: 15, 25 oder 50 Prozent, exakt gespiegelt an dem, was Washington auf dieselben kanadischen Warengruppen erhebt.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Nur einen Tag zuvor hatte US-Präsident Donald Trump auf Truth Social angekündigt, die Zölle auf Fahrzeuge, Autoteile und Stahl aus Kanada zum 1. Januar auf 50 Prozent zu schrauben. Kanada mache mit „lächerlich hohen Zöllen“ auf US-Agrarprodukte „großartigen amerikanischen Patrioten das Leben unmöglich“, schrieb er.
„Zu viel verlangt, zu wenig geboten“
Champagne begründete den Gegenschlag mit dem Scheitern der Verhandlungen vom Freitag:
„Als die USA zu viel verlangten und zu wenig anboten, haben wir uns entschieden, für die Kanadier einzustehen.“
Premierminister Mark Carney hatte zuvor durchblicken lassen, dass Kanada womöglich vom Prinzip „Dollar für Dollar“ abrücken und stattdessen gezielter zuschlagen müsse. Der Streitpunkt in den geplatzten Gesprächen war banal und zugleich fundamental: Bei der Berechnung von Zollnachlässen für Autos wollte Washington nur US-Wertschöpfung anrechnen – Ottawa pochte auf die gesamte nordamerikanische Lieferkette, inklusive kanadischer und mexikanischer Teile.
Warum das deutsche Werkbänke trifft
Der Konflikt ist längst kein rein nordamerikanisches Familiendrama mehr. Der Verband der Automobilindustrie warnte am Dienstag, zahlreiche deutsche Zulieferer produzierten in Kanada und belieferten von dort aus die USA; hinzu kämen Investitionen deutscher Hersteller in kanadische Batterietechnologie. Ständig wechselnde Zölle und immer neue Drohungen schüfen Unsicherheit und belasteten Investitionen, hieß es vom Verband.
Man muss kein Ökonom sein, um zu erkennen, was das bedeutet: Wer heute eine Fabrikhalle plant, weiß nicht, welcher Zollsatz gilt, wenn die erste Maschine läuft. Planungssicherheit war einmal das Fundament des Industriestandorts. Heute ist sie ein Zufallsprodukt aus Kurznachrichten.
Und die Zölle selbst? Juristisch auf dünnem Eis
Pikant: Trumps Zollarchitektur wackelt vor Gericht. Medienberichten zufolge kippte der Supreme Court einen Großteil der Abgaben; rund 166 Milliarden Dollar an rechtswidrig erhobenen Zöllen müssen erstattet werden, die Rückzahlung läuft seit April. Parallel klagen 25 demokratisch geführte Bundesstaaten gegen die jüngste Zollrunde gegen 60 Handelspartner. Trump hält dennoch Kurs – und prüft laut Agenturberichten zusätzlich 7,5 Prozent Zoll auf chinesische Waren.
Auch Wirtschaftsverbände in beiden Ländern drängen zurück an den Verhandlungstisch. Der Chef des kanadischen Industrieverbands, Dennis Darby, äußerte gegenüber der Zeitung „Globe and Mail“ allerdings wenig Hoffnung, dass das bald geschehe.
Was Anleger daraus lernen können
Für Sparer und Unternehmer in Deutschland ist die Lehre unbequem: Der freie Welthandel, auf dem der Wohlstand der Exportnation Deutschland gebaut wurde, wird gerade Stück für Stück abgeräumt – während Berlin und Brüssel mit Bürokratie und Klimavorgaben zusätzliche Lasten auftürmen. In solchen Phasen suchen Investoren traditionell Schutz in Sachwerten. Physisches Gold und Silber kennen keine Zollnummer, keine Lieferkette und keinen Präsidenten, der sie per Dekret entwertet.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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