
0,3 Prozent: Deutschlands Wohlstand steht auf der Kippe

Deutschland arbeitet – aber es kommt immer weniger dabei heraus. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) wächst die Arbeitsproduktivität im Sechsjahresdurchschnitt nur noch um 0,3 Prozent pro Jahr. Nötig wären laut der Studie mindestens 1,6 Prozent, um den heutigen Wohlstand trotz alternder Bevölkerung zu sichern. Das ist mehr als das Fünffache.
Vom Musterschüler zum Nachzügler
In den 1980er- und 1990er-Jahren legte die Leistung je Arbeitskraft noch um rund zwei Prozent jährlich zu. Seit der Jahrtausendwende bröselt dieser Fortschritt kontinuierlich weg. Als Ursachen nennen die Forscher schwache Investitionen, nachlassende Innovationskraft und den wachsenden Anteil personalintensiver Dienstleistungen.
Produktivität klingt technokratisch, ist aber der Kern jedes Wohlstandsversprechens. Sie entscheidet darüber, ob Löhne steigen, Renten reichen und Sozialleistungen bezahlbar bleiben. Wer weniger erwirtschaftet, kann auch weniger verteilen – so einfach, so unerbittlich.
Die Demografie schlägt zurück
Bislang konnte Deutschland schwache Produktivität durch mehr Beschäftigte kaschieren. Dieser Puffer ist aufgebraucht. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erwartet für 2026 erstmals einen Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials – um 40.000 auf 48,62 Millionen Menschen. Auch die Zahl der Erwerbstätigen dürfte um rund 90.000 sinken.
Besonders brisant wird es beim Ausscheiden der Babyboomer: Bis 2036 erreichen jährlich im Schnitt etwa 1,3 Millionen Menschen dieser Generation das Rentenalter, während nur rund 800.000 Jüngere nachrücken. Jahr für Jahr verliert der Arbeitsmarkt damit einen erheblichen Teil seiner Substanz.
Jede zehnte junge Erwachsene ohne Job und Ausbildung
Auch die brachliegenden Reserven im Inland stimmen nicht optimistisch. Laut der Studie waren 2025 10,0 Prozent der 20- bis 24-Jährigen weder in Beschäftigung noch in Ausbildung oder Weiterbildung – 2022 lag der Anteil noch bei 8,8 Prozent. Nur ein Viertel dieser Gruppe suchte aktiv eine Stelle, rund zwei Drittel standen dem Arbeitsmarkt gar nicht zur Verfügung.
Bürokratie: der teuerste Wachstumskiller
Die IW-Forscher nennen fünf Hebel: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Innovation, Bürokratieabbau und höhere Investitionen. Am schnellsten wirken könnte ausgerechnet der Rotstift im Formularwesen – unter bestimmten Annahmen sehen die Autoren binnen eines Jahres ein Potenzial von 1,6 Prozent.
Wie teuer der Papierberg geworden ist, zeigen Berechnungen der Bundesbank: Zwischen 2022 und 2024 seien die Bürokratiekosten der Unternehmen von rund fünf auf etwa sieben Prozent des Jahresumsatzes gestiegen. Das könnte das Produktivitätswachstum um rund 0,5 Prozentpunkte gedrückt haben.
Zwei Prozent des Umsatzes – für Aktenordner statt für Maschinen, Forschung und Löhne.
Milliarden statt Reformen?
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart das die eigentliche Schwachstelle der Berliner Politik: Statt Regeln zu streichen, werden Schulden aufgenommen. Das 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur mag Beton gießen – es ersetzt aber keine Genehmigung, die schneller erteilt wird, und keine Meldepflicht, die entfällt. Kritiker sehen darin eine Wette auf Kosten künftiger Steuerzahler.
Für Sparer bleibt die Lehre unbequem: Wenn die Wertschöpfung stagniert, während Ausgaben und Schulden wachsen, wächst der politische Anreiz, Lücken über Inflation und Abgaben zu schließen. Physische Edelmetalle sind kein Allheilmittel, können in einem breit gestreuten Vermögen aber als Stabilitätsanker dienen – unabhängig von Konjunkturprognosen und Regierungsversprechen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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