
2-Billionen-Börsengang mit Schatten: Epstein-Mails erschüttern KI-Star

Es könnte der größte Börsengang der Geschichte werden. Doch kurz vor dem Sprung aufs Parkett gerät der KI-Konzern Anthropic in ein Erklärungsproblem: Nicht wegen Bilanzen oder Rechenzentren, sondern wegen der Ehefrau des Firmenchefs. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Recherche des Wall Street Journal berät Cami Clark, die Frau von CEO Dario Amodei, seit Jahren informell die Konzernspitze — ohne Titel, ohne Gehalt, ohne offizielle Erwähnung.
Eine Beraterin, die es offiziell nicht gibt
Clark taucht in keinem Organigramm auf. Trotzdem sitze sie bei öffentlichen Auftritten ihres Mannes in der ersten Reihe, netzwerke in Davos und beim Investorentreffen in Sun Valley, berichtet die US-Zeitung unter Berufung auf Personen aus dem Umfeld des Unternehmens.
Als Indiens Premier Narendra Modi in diesem Jahr KI-Manager nach Neu-Delhi lud und jedem nur einen einzigen Begleiter zugestand, habe Amodei seine Frau mitgebracht. Andere Chefs kamen mit Managern — er kam mit der Beraterin ohne Vertrag.
Pikant: Dem Bericht zufolge sei ihre Spur im Netz systematisch dünn. Auf Wikipedia habe die Ehe lange gefehlt, Suchmaschinen lieferten stattdessen Bilder der Schwester des CEOs. Selbst der hauseigene Chatbot Claude gebe an, der Familienstand sei nicht eindeutig bestätigt.
Die Mails aus den Epstein-Akten
Brisant wird es dort, wo sich das Verschwundene nicht löschen lässt: in den vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten. Laut dem Bericht führte der Literaturagent John Brockman im März 2011 den Kontakt herbei — rund 20 Monate, nachdem Jeffrey Epstein aus der Haft entlassen worden war.
Clark habe Epstein anschließend ihr Unternehmen "Eddice" präsentiert, eine an weibliche Zuschauer gerichtete Pornofirma. Epstein habe abgelehnt. In den Unterlagen findet sich seine knappe Absage:
"Can't do sex TV."
Epstein war zu diesem Zeitpunkt verurteilter Sexualstraftäter und registriert. Der Kontakt sei über rund zwei Jahre gelaufen, inklusive Einladung zu einer Einweihungsparty in Manhattan. Strafbar war daran nichts — geschmackssicher wirkt es dennoch nicht.
Wenn Vertrauen das Geschäftsmodell ist
Ein weiterer Punkt dürfte Investoren interessieren: Clark habe den früheren Google-Chef Eric Schmidt an Anthropic vermittelt, der sich 2021 an der 124-Millionen-Dollar-Finanzierungsrunde beteiligte. Im Februar 2021 habe sie Schmidt zudem einen "Mother of AGI Fund" vorgeschlagen — laut einem 40-seitigen Papier ausdrücklich, um ihre Rolle im Unternehmen zu formalisieren. Mitgründerin Daniela Amodei und weitere Gründer hätten das abgelehnt.
Anthropic hat am 1. Juni vertraulich bei der SEC eingereicht; Investoren erwarten Medienberichten zufolge eine Notierung im Herbst mit einer Bewertung von über zwei Billionen Dollar. Zum Vergleich: Im Frühjahr 2023 lag die Bewertung noch bei rund 4,1 Milliarden. Eine Verfünfhundertfachung in drei Jahren.
Börsenprospekte verlangen die Offenlegung von Beziehungen zu nahestehenden Personen und wesentlichen Einflüssen auf das Management. Ausgerechnet ein Konzern, dessen gesamtes Verkaufsargument Verlässlichkeit und Transparenz im Umgang mit einer als gefährlich eingestuften Technologie ist, muss nun erklären, warum eine zentrale Vertraute öffentlich kaum auffindbar war.
Was Anleger daraus lernen sollten
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall vor allem eines: Je größer der Hype, desto dünner die Faktenlage. Wer sein Vermögen breit absichern will, sollte sich nicht allein auf Bewertungsfantasien verlassen — physische Edelmetalle wie Gold und Silber sind seit Jahrhunderten der ruhige Gegenpol zu solchen Erzählungen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser ist verpflichtet, sich eigenständig zu informieren, und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen selbst.
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