
200-Milliarden-Urteil: Moskau schlägt Euroclear erneut vor Gericht!

Nächste Runde im Milliardenpoker um Russlands eingefrorene Reserven: Das Wirtschaftsgericht des Moskauer Bezirks hat am Donnerstag die Kassationsbeschwerde des belgischen Wertpapierverwahrers Euroclear abgewiesen. Damit bleibt das Urteil bestehen, das der Bank von Russland Schadenersatz von umgerechnet rund 200 Milliarden Euro zuspricht. Das berichtet die russische Justiznachrichtenagentur RAPSI unter Berufung auf das Gericht.
Drei Instanzen, dreimal verloren
Die russische Zentralbank hatte Euroclear im Dezember 2025 verklagt. Ihre Begründung: Seit dem 28. Februar 2022 könne sie über die in Brüssel verwahrten Gelder, Wertpapiere und deren Erträge nicht mehr verfügen. Grund dafür sind die Sanktionen, die der Westen nach Beginn des russischen Großangriffs auf die Ukraine verhängt hat.
Im Mai 2026 gab das Moskauer Wirtschaftsgericht der Klage statt. Den Betrag sprach es in sieben verschiedenen Währungen zu, zusammen rund 200,1 Milliarden Euro. Die Berufung scheiterte. Ende September lehnte das Gericht dann auch noch den Antrag von Euroclear ab, die Vollstreckung auszusetzen. Jetzt ist auch die Kassation gescheitert. Viel deutlicher kann Moskau seine Position kaum machen.
Brüssel zuckt mit den Schultern
Euroclear sieht das Ganze gelassen, zumindest nach außen. Nach dem Urteil im Mai hatte das Unternehmen erklärt, die Ansprüche seien unbegründet und nach EU-Recht nicht anerkennungsfähig. Die Zuständigkeit des russischen Gerichts erkenne man ohnehin nicht an. Geschäft und Finanzlage seien von der Entscheidung nicht berührt, die russischen Zentralbankgelder blieben gemäß den Sanktionen blockiert.
Ein Urteil ohne Wirkung also? Ganz so einfach dürfte es nicht sein. Die Forderung bleibt in Russland vollstreckbar. Auf welche Vermögenswerte Moskau damit tatsächlich zugreifen könnte, geht aus der Meldung zur jüngsten Entscheidung nicht hervor. Bekannt ist aber: Euroclear hatte von der EU Garantien verlangt, auch für mögliche russische Vergeltung. Ruhig schläft man in Brüssel offenbar nicht.
Europas riskantes Spiel mit fremdem Geld
In der EU sind insgesamt rund 210 Milliarden Euro an Vermögen der russischen Zentralbank festgesetzt. Laut Medienberichten liegen allein bei Euroclear etwa 185 Milliarden davon. Im Dezember 2025 hat der EU-Rat zusätzlich verboten, die Mittel nach Russland zurückzuübertragen. Er spricht von einer vorübergehenden Notfallmaßnahme, die verhindern soll, dass Moskau mit dem Geld seinen Krieg finanziert.
Bundeskanzler Friedrich Merz wollte damals deutlich weiter gehen. Er warb für ein „Reparationsdarlehen“ für die Ukraine, das direkt aus den russischen Geldern gespeist werden sollte. Belgien, Italien, Bulgarien und Malta hatten Berichten zufolge Bedenken angemeldet. Am Ende stand ein Kompromiss: Die Ukraine bekommt einen zinslosen EU-Kredit über 90 Milliarden Euro. Die russischen Gelder sollen erst dann zur Rückzahlung dienen, wenn Moskau keine Entschädigung für Kriegsschäden leistet.
Auch die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds sollen vor einem direkten Zugriff gewarnt haben. Ihre Sorge: Das Vertrauen in den Euro als sichere Reservewährung könnte leiden. Und wenn am Ende die Staaten haften, haftet in Wahrheit der europäische Steuerzahler, also auch der deutsche.
Die Lehre für Sparer: Wer verwahrt, kann blockieren
Der Fall zeigt sehr deutlich, wie politisch Vermögen geworden ist. Wo Werte digital bei einem Verwahrer liegen, können sie per Federstrich eingefroren werden. Zentralbanken weltweit haben daraus ihre Schlüsse gezogen. Laut Branchendaten kaufen sie seit 2022 in großem Stil Gold, also ein Gut, das niemandes Zahlungsversprechen ist und sich im eigenen Tresor lagern lässt.
Für Privatanleger gilt im Kleinen das Gleiche. Wer sein Vermögen breit streut, kann physisches Gold und Silber als Beimischung nutzen, die unabhängig von Gerichten, Sanktionen und Verwahrern Bestand hat.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte eigenständig recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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