
27 Billionen Dollar setzen auf Gold: Die Profis greifen zu

Europas größter Vermögensverwalter Amundi kauft Goldbarren. Pictet, Robeco, Fidelity, BNP Paribas – sie alle haben ihre Bestände in den vergangenen Wochen aufgestockt. Bloomberg News befragte mehr als ein Dutzend Häuser mit zusammen 27 Billionen US-Dollar unter Verwaltung. Das Ergebnis: Ausnahmslos jedes von ihnen setzt derzeit auf Gold.
Der Rückgang war die Einladung
Der Kursverlauf des Jahres liest sich wie ein Lehrstück über Nerven. Nach dem spekulativ getriebenen Allzeithoch von fast 5.600 US-Dollar je Unze im Januar rutschte das Metall in einen Abwärtstrend. Hohe Energiepreise und Inflationsschocks im Zuge des Iran-Kriegs drückten den Preis im Juni bis in die Region von 4.000 Dollar.
Genau dort begannen die Profis einzusammeln. Michael Cuggino von der Permanent Portfolio Family of Funds nannte den Rutsch auf 4.000 Dollar einen sehr guten Kaufzeitpunkt – die langfristigen makroökonomischen Rahmenbedingungen seien unverändert bullisch, mit „höheren Hochs und höheren Tiefs“ im Zeitverlauf.
Amundi kaufte laut Bloomberg in der Erwartung, dass der Preis bis Jahresende wieder die Marke von 5.000 Dollar erreicht. Lorenzo Portelli vom Amundi Investment Institute sagte:
„Gold ist ein Vermögenswert, den wir als günstig, als gute Absicherung und als angemessen liquide betrachten.“
Warum steigende Zinsen Gold diesmal nicht killen
Eigentlich gilt die Lehrbuchregel: Steigen Anleiherenditen, verliert zinsloses Gold an Reiz. Die Opportunitätskosten wachsen. Doch die Rechnung hat einen Haken – höhere Renditen sind vor allem Ausgleich für höhere Inflation und ein Risikoaufschlag für künftige Ausfallrisiken.
Physisches Gold im eigenen Besitz kann nicht ausfallen. Kein Emittent, kein Schuldner, kein Rating. Diese Schutzfunktion, seit Jahrtausenden erprobt, wiegt für viele Anleger offenbar schwerer als jede Rendite auf Papier.
Die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh am 28. August in Jackson Hole – er warnte, die US-Inflation nähere sich dem 2-Prozent-Ziel nicht nennenswert – befeuerte Spekulationen auf eine Straffung. Erschüttert hat das die Langfrist-Anleger nicht.
Zentralbanken saugen den Markt leer
Der zweite Treiber sitzt in den Notenbank-Tresoren. Laut World Gold Council kauften Zentralbanken und offizielle Institutionen im zweiten Quartal netto 289 Tonnen – ein Rekord für ein zweites Quartal, Medienberichten zufolge ein Plus von rund 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Genau das war für Arnout van Rijn von Robeco der Auslöser für neue Käufe. Gold sei „zu einem festen Bestandteil jedes regulären oder normalen Portfolios geworden“, sagte er. Sophie Huynh von BNP Paribas formulierte es pointiert: „Der Schaum ist vom Gold abgefallen“ – nun trieben fundamentale Faktoren den Preis.
Dalio, der Dollar und das große Unbekannte
Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, riet Anlegern zuletzt, Anleihebestände zu reduzieren und bis zu 15 Prozent des Vermögens in Gold zu halten – als Absicherung gegen eine mögliche US-Schuldenkrise. Anthony Saglimbene von Ameriprise Financial verwies auf abfließendes Vertrauen in die fiskalische Glaubwürdigkeit der USA.
Und hier liegt die eigentliche Sprengkraft: Gold macht in westlichen Portfolios nach Jahren fetter Aktiengewinne nur einen kleinen Anteil aus. Schon eine bescheidene Umschichtung könnte den Preis kräftig bewegen. Tracy Chen von Brandywine bringt es auf den Punkt – Gold solle seinen Wert als Absicherung gegen das behalten, was die Fed nicht kontrollieren kann.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Er spiegelt unsere Einordnung auf Basis der uns vorliegenden Informationen. Jeder Anleger muss eigenverantwortlich recherchieren und entscheiden. Physische Edelmetalle können nach unserer Auffassung eine sinnvolle Beimischung zur Vermögenssicherung in einem breit gestreuten Portfolio sein.
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