
339 verletzte Polizisten: Wer steckt hinter der Halloween-Randale?

Die Bilanz der Krawallnacht vom 31. Oktober fĂ€llt noch schlimmer aus als zunĂ€chst gedacht: 339 Polizisten wurden bundesweit verletzt, die meisten davon leicht. Laut einem Bericht des âFocusâ gab es rund 330 Festnahmen und Festsetzungen, bislang wurden 218 Strafverfahren eingeleitet. Jetzt tobt ein Streit ĂŒber eine heikle Frage: Wie viel darf die Ăffentlichkeit ĂŒber die TatverdĂ€chtigen erfahren?
Vom SchĂŒlerprotest zur StraĂenschlacht
Eigentlich hatte die Initiative âGen Z regeltâ an jenem Samstag zu friedlichen Demonstrationen in mehr als 30 StĂ€dten aufgerufen. Es ging um bessere Schulen, bezahlbaren Wohnraum und Klimaschutz. TagsĂŒber blieb es weitgehend ruhig. Nach Einbruch der Dunkelheit kippte die Lage, vor allem in Frankfurt am Main und Köln, aber auch in Hamburg.
Die Szenen erinnerten an BĂŒrgerkriegsbilder. Medienberichten zufolge flogen Steine, Flaschen, Pyrotechnik und sogar Molotowcocktails in Richtung der EinsatzkrĂ€fte. Allein in Frankfurt wurden 17 GeschĂ€fte beschĂ€digt, fĂŒnf davon geplĂŒndert. Einem Beamten wurden durch einen Steinwurf ins Gesicht ZĂ€hne ausgeschlagen. Laut der Polizei waren bis zu 1.500 gewaltbereite Störer unterwegs â solche Bilder hatte die Mainmetropole seit den Blockupy-Krawallen 2015 nicht mehr gesehen.
Drei Viertel mit auslÀndischen Wurzeln
Brisant sind die Zahlen aus Frankfurt. Dem Bericht zufolge besitzt rund die HĂ€lfte der dortigen TatverdĂ€chtigen keinen deutschen Pass. Von denjenigen mit deutscher StaatsbĂŒrgerschaft habe wiederum die HĂ€lfte zusĂ€tzlich eine auslĂ€ndische Staatsangehörigkeit. Unterm Strich: 75 Prozent der VerdĂ€chtigen haben einen Migrationshintergrund.
Pikant: Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) hatte unmittelbar nach der Nacht noch erklĂ€rt, die Festgenommenen hĂ€tten ĂŒberwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit. Ein Satz, der formal stimmen mag â aber offenbar nur die halbe Wahrheit abbildete. Und in vielen anderen StĂ€dten werden solche Daten gar nicht erst veröffentlicht.
Polizeigewerkschaft fordert Klartext
Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) will das Ă€ndern. Ihr stellvertretender Bundesvorsitzender Manuel Ostermann sagte dem âFocusâ, die Polizei verfĂŒge ĂŒber die nötigen Angaben wie Geburtsort oder doppelte StaatsbĂŒrgerschaft. Transparenz könne sogar die Polarisierung in der Gesellschaft entschĂ€rfen, weil dann die MutmaĂungen aufhörten. Ein bemerkenswert schlichtes Argument: Wer Fakten auf den Tisch legt, entzieht GerĂŒchten den NĂ€hrboden.
Ostermann stellt sich damit hinter Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). Dieser hatte âgewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieuâ fĂŒr die Ausschreitungen verantwortlich gemacht und harte Strafen gefordert. Ausgerechnet aus dem eigenen Kabinett kam Gegenwind: Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) zweifelte die Einordnung öffentlich an.
RĂŒckendeckung aus der Wissenschaft
UnterstĂŒtzung erhĂ€lt die DPolG vom Berliner Migrationsforscher Ruud Koopmans von der Humboldt-UniversitĂ€t. Er halte es fĂŒr sinnvoll, die Herkunft auch in Pressemitteilungen der Polizei zu nennen â nicht bei jeder Straftat, aber dort, wo ein âkultureller Hintergrundâ eine Rolle spielen könnte, etwa bei homophober Gewalt oder Antisemitismus. Bei Taten aus Gruppen heraus liege die Relevanz seiner Ansicht nach auf der Hand.
Die Statistik hat einen blinden Fleck
Das Problem liegt im System. Die Kriminalstatistik erfasst zwar, ob ein VerdĂ€chtiger Deutscher ist und welche NationalitĂ€t AuslĂ€nder haben â nicht aber, ob ein Deutscher auslĂ€ndische Eltern hat. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt vor rechtlichen HĂŒrden. Ihr Berliner Sprecher Benjamin Jendro erklĂ€rte, derzeit könne niemand den Anteil von TĂ€tern mit Migrationshintergrund beziffern. Wolle die Politik verlĂ€ssliche Daten, brauche es eine klare Anweisung zur Erfassung.
Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der Kern: Eine Politik, die Probleme lösen will, muss sie zuerst ehrlich benennen dĂŒrfen. FĂŒr viele BĂŒrger, die seit Jahren steigende KriminalitĂ€tszahlen und immer mehr Gewalt gegen Polizisten erleben, wirkt das Wegsehen wie ein Teil des Problems. Wer 339 verletzte Beamte in einer einzigen Nacht hinnimmt, ohne ĂŒber Ursachen offen zu reden, verspielt Vertrauen â und lĂ€sst jene im Stich, die jeden Tag ihren Kopf fĂŒr unsere Sicherheit hinhalten.
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