
58 Prozent sagen Nein: Deutsche lehnen Gebetsschilder am Ortseingang ab

Ein Verkehrsschild im oberbayerischen Penzberg hat eine bundesweite Debatte ausgelöst – und jetzt liegen Zahlen auf dem Tisch. Einer Insa-Erhebung im Auftrag der Evangelischen Nachrichtenagentur IDEA zufolge lehnt eine absolute Mehrheit von 58 Prozent der Deutschen es ab, dass Hinweistafeln an Ortseingängen neben christlichen Gottesdiensten auch auf muslimische Freitagsgebete verweisen. Nur 22 Prozent würden solche Hinweise begrüßen, 16 Prozent zeigten sich unentschlossen.
Der Fall Penzberg: Ein Schild, drei Religionen
Auslöser ist die 17.000-Einwohner-Stadt Penzberg. Dort ergänzte die Kommune die klassische Gottesdiensttafel am Ortseingang um einen Hinweis auf das Freitagsgebet des Islamischen Forums. Berichten zufolge ist Penzberg damit die erste Gemeinde Deutschlands, die diesen Schritt geht.
Die Idee sei gemeinsam mit dem katholischen und dem evangelischen Pfarrer sowie dem Imam entstanden, noch unter dem CSU-Vorgänger des heutigen Bürgermeisters, berichtet der Bayerische Rundfunk. Herstellung und Aufstellung organisierte die Stadt, bezahlt werden die Schilder demnach von den drei Glaubensgemeinschaften. Der Bürgermeister nannte das Ganze schlicht „typisch Penzberg“.
Rechtlich ist das möglich: Waren solche Tafeln seit 1960 den beiden großen Kirchen vorbehalten, weitete das Bundesverkehrsministerium die Regelung 2008 auf alle Religionsgemeinschaften aus. Eines der neuen Schilder wurde inzwischen mit Farbe besprüht – eine Sachbeschädigung, die niemand gutheißen kann und die die Debatte nur vergiftet.
Ost gegen West, Alt gegen Jung – und die Kirchenmitglieder
Die Umfragedaten zeichnen ein aufschlussreiches Bild. Männer lehnen die Schilder häufiger ab als Frauen (60 zu 56 Prozent), Ostdeutsche häufiger als Westdeutsche (63 zu 57 Prozent). Nur bei den 18- bis 29-Jährigen findet sich mit 46 Prozent eine relative Mehrheit der Befürworter.
Besonders bemerkenswert: Ausgerechnet bei den landeskirchlichen Protestanten ist die Ablehnung mit 65 Prozent am höchsten, bei Katholiken sind es 55 Prozent. Konfessionslose lehnen die Hinweise zu 67 Prozent ab, Muslime begrüßen sie zu 68 Prozent.
Parteipolitik: Wo die Gräben verlaufen
- AfD-Anhänger: 79 Prozent dagegen
- CDU/CSU-Anhänger: 61 Prozent dagegen
- SPD-Anhänger: 50 Prozent dagegen
- Grünen-Anhänger: 41 Prozent dagegen
- Linken-Anhänger: relative Mehrheit von 43 Prozent dafür
Für die Erhebung befragte Insa vom 14. bis 17. August 2026 online 2.006 volljährige Bundesbürger; die Ergebnisse gelten als repräsentativ.
Ein Ortsschild als Seismograf
Aus Sicht unserer Redaktion geht es hier längst nicht mehr um ein Stück lackiertes Blech. Es geht um die Frage, wie viel kulturelle Prägung eine Gesellschaft aufgibt, ohne darüber ernsthaft zu diskutieren – und warum sich so viele Bürger bei solchen Entscheidungen übergangen fühlen.
Befürworter verweisen auf Gleichbehandlung und Religionsfreiheit, beides tragende Säulen unserer Verfassung. Kritiker halten dagegen, dass Symbolpolitik keine einzige der drängenden Fragen löst: nicht die Integrationsdefizite, nicht die Sicherheitslage, nicht die wirtschaftliche Erosion.
Bemerkenswert bleibt, dass die Ablehnung quer durch alle Milieus reicht – bis tief hinein in die Kirchengemeinden. Wer solche Zahlen ignoriert, sollte sich über wachsenden Frust nicht wundern.

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