
71 Prozent fĂĽr eine Partei: Kasachstans Wahl ohne echte Gegner

Kasachstan hat am Sonntag zum ersten Mal sein neues Einkammerparlament gewählt – und das Ergebnis fiel aus, wie es viele Beobachter erwartet hatten. Die präsidentennahe Partei Adilet holte nach vorläufigen Angaben der Zentralen Wahlkommission zwischen 71 und 72 Prozent der Stimmen. Die sechs übrigen zugelassenen Parteien landeten allesamt im einstelligen Bereich.
Die Wahlbeteiligung lag bei 74,19 Prozent. Mehr als neun Millionen der rund 12,6 Millionen Wahlberechtigten gingen an die Urnen – für viele junge Kasachen war es die erste Wahl ihres Lebens.
Ein neues Parlament – und ein sehr altes Muster
Mit der Abstimmung tritt eine neue politische Ordnung in Kraft. Das seit drei Jahrzehnten bestehende Zweikammerparlament wurde abgeschafft und durch den Kurultai mit 145 Abgeordneten ersetzt. Grundlage ist eine neue Verfassung, die nach einem Referendum seit dem 1. Juli gilt.
Präsident Kassym-Schomart Tokajew verkauft den Umbau als Modernisierung: schnellere Gesetzgebung, stärkere parlamentarische Kontrolle. Seit 2023 verfügt das Land zudem über ein neues Verfassungsgericht.
Doch die Wahlbeobachter der OSZE kamen Medienberichten zufolge zu einem nüchternen Befund: Die Abstimmung habe in einem Umfeld ohne politische Pluralität stattgefunden, echte Alternativen habe es nicht gegeben, weil sämtliche angetretenen Parteien den Kurs des Präsidenten unterstützten. Oppositionelle Kräfte und unabhängige Kandidaten waren gar nicht erst zugelassen.
Der Vizepräsident als Schlüssel zur Nachfolge
Politisch spannender als das Wahlergebnis ist das, was nun folgt. Erwartet wird, dass der neue Kurultai auf Vorschlag Tokajews erstmals seit 30 Jahren wieder einen Vizepräsidenten bestimmt – der Posten war 1996 aus der Verfassung gestrichen worden.
Für den 73-jährigen Präsidenten wäre das ein eleganter Weg, einen möglichen Nachfolger in Stellung zu bringen. Antreten dürfte er ohnehin noch einmal: Die neue Verfassung erlaubt ihm 2029 eine erneute Kandidatur für sieben Jahre. Wer sich seit dem Machtwechsel von Langzeitherrscher Nursultan Nasarbajew zu Tokajew 2019 einen demokratischen Aufbruch erhofft hatte, dürfte enttäuscht sein.
Warum Berlin und BrĂĽssel genau hinschauen sollten
Kasachstan ist kein Randthema. Das größte Binnenland der Erde ist reich an Öl, Gas, Uran und Metallen – und für die EU der wichtigste Partner in Zentralasien. Ein Land, das im Schatten Russlands und Chinas balanciert, wird für europäische Rohstoffversorgung immer wichtiger, während Deutschland seine eigene Industriebasis mit Energiepreisen und Auflagen belastet.
Bemerkenswert ist auch, wohin Astana sein Geld lenkt. Nach Daten des World Gold Council war die kasachische Notenbank im zweiten Quartal 2026 mit 15 Tonnen der viertgrößte Goldkäufer der Welt – hinter Polen (51 Tonnen), China (33) und Usbekistan (16). Bereits im Februar 2025 hatte die Nationalbank angekündigt, Goldverkäufe aus ihren Währungsreserven mit Verweis auf die geopolitische Lage auszusetzen.
Weltweit kauften Zentralbanken im zweiten Quartal 289 Tonnen – laut WGC der stärkste je gemessene Wert für ein zweites Quartal. 89 Prozent der befragten Notenbanken erwarten weiter steigende offizielle Goldreserven.
Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Wer in unsicheren Zeiten Vermögen sichern will, setzt auf Substanz statt auf Versprechen. Was Notenbanken tonnenweise in die Tresore legen, kann auch für private Anleger eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sein – physisch, greifbar, ohne Gegenparteirisiko.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.

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