
900 Meter Kaikante für Peking: Wilhelmshaven baut Chinas Auto-Brückenkopf

An der Nordseeküste entsteht ein Hafenprojekt der Superlative – gebaut vor allem für Autos, die nicht aus Wolfsburg oder Ingolstadt kommen, sondern aus Shenzhen und Hangzhou. Medienberichten zufolge planen die landeseigene Hafengesellschaft Niedersachsen Ports und der schwäbische Fahrzeuglogistiker Mosolf in Wilhelmshaven ein neues Terminal, das die rasant wachsenden Importe von BYD, Geely und MG abwickeln soll.
Zwölf Kilometer nördlich des JadeWeserPorts
Die Dimensionen sind beachtlich: Rund zwölf Kilometer nördlich des JadeWeserPorts soll eine bis zu 900 Meter lange Kaikante entstehen. Gebaut wird die Anlage demnach vom Land, gepachtet langfristig von Mosolf. Das Planfeststellungsverfahren könne laut dem Bericht gegen Ende 2026 beginnen.
Der Bedarf ist unbestritten. Mosolf wickelt nach eigenen Angaben rund 70 Prozent aller deutschen Fahrzeugimporte aus China ab. Bislang läuft das über den Innenhafen mit etwa 35.000 Stellplätzen – und der platzt aus allen Nähten.
Roll-on, Roll-off – und dann per Bahn ins Hinterland
Geplant ist weit mehr als ein Parkplatz am Meer: Die Wagen sollen per Roll-on/Roll-off-Frachter direkt aus Fernost eintreffen, vor Ort Zulassungspapiere und vorgeschriebene Straßenausrüstung erhalten und anschließend über die Schiene weiterrollen. Schon heute gehen monatlich 8.500 bis 9.000 Fahrzeuge per Bahn zu drei Verteilzentren in Süd- und Ostdeutschland.
Vorgesehen ist ein „Multipurpose-Terminal", das auch Rotorblätter für Offshore-Windräder und militärische Güter umschlagen kann. Mosolf selbst wächst kräftig: 767 Millionen Euro Jahresumsatz zuletzt, bis 2030 soll die Milliardenmarke fallen. Auch ein Korridor Richtung Indien werde geprüft.
Die Zahlen, die deutschen Autobauern den Schlaf rauben
Wie schnell sich der Markt dreht, zeigen die Zulassungen. In den ersten sieben Monaten 2026 kamen chinesische Marken in Deutschland auf über 70.000 Neuzulassungen und rund vier Prozent Marktanteil – nach 2,2 Prozent im gesamten Jahr 2025. BYD allein verbuchte bis Juli 31.492 Neuzulassungen und übertraf damit sein komplettes Vorjahresergebnis von 23.306 Fahrzeugen.
Das Händlernetz wuchs von 26 Standorten Anfang 2025 auf über 200, bis Jahresende sollen es mindestens 350 sein. Ab dem vierten Quartal soll zudem das ungarische Werk in Szeged liefern – dann drohen zollfreie Fahrzeuge aus EU-Produktion.
Die Zoll-Lücke, durch die Peking fährt
Die seit Oktober 2024 geltenden EU-Zusatzzölle auf chinesische Elektroautos laufen zunehmend ins Leere. Der Grund: Sie gelten nicht für Plug-in-Hybride. Rund die Hälfte der BYD-Verkäufe entfällt inzwischen auf PHEV; im Juni 2026 stammte europaweit mehr als jeder dritte neu zugelassene Plug-in-Hybrid aus China. Wie schnell auch Nachzügler wachsen, zeigt Xpeng: 1.253 Neuzulassungen allein im Juli – Tesla kam auf 367.
Ein Muster, das nicht neu ist
Der Zugriff auf Infrastruktur ist kein Zufall. Bereits 2020 sicherte sich das Staatsunternehmen China Logistics per Erbbaurecht rund 20 Hektar im Güterverkehrszentrum des JadeWeserPorts. Seit 2023 hält die Staatsreederei Cosco 24,99 Prozent am Hamburger Terminal Tollerort – genehmigt gegen Widerstand aus dem Wirtschaftsministerium.
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart das eine strategische Naivität, die Deutschland teuer zu stehen kommen könnte: Man baut mit Steuergeld die Logistik für die Konkurrenz, während die eigene Schlüsselindustrie zwischen Regulierung, Strompreisen und Verbrennerverbot ringt.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenständig recherchieren.
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