
Airbus auf Rekordkurs: 870 Jets geplant – während Boeing im Siechtum verharrt
Der europäische Flugzeugriese Airbus hat am Donnerstag in Toulouse Zahlen vorgelegt, die sich sehen lassen können. Vorstandschef Guillaume Faury peilt für 2026 die Auslieferung von rund 870 Verkehrsflugzeugen an – ein Wert, der den bisherigen Rekord von 863 Maschinen aus dem Jahr 2019 übertreffen würde. Ein Rekord, wohlgemerkt, den der Konzern seit der Corona-Krise nicht einmal annähernd wieder hatte erreichen können.
Glänzende Bilanzen, aber Sand im Getriebe
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Umsatz kletterte im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf stolze 73,4 Milliarden Euro. Der bereinigte operative Gewinn schoss um ein Drittel auf über 7,1 Milliarden Euro nach oben, und unterm Strich blieb ein Überschuss von rund 5,2 Milliarden Euro – fast ein Viertel mehr als im Vorjahr. Für das laufende Jahr erwartet die Konzernführung ein bereinigtes Ebit von etwa 7,5 Milliarden Euro, wenngleich Branchenexperten im Schnitt sogar mehr als acht Milliarden auf dem Zettel gehabt hätten.
Doch hinter der glänzenden Fassade lauern Probleme, die man nicht verschweigen sollte. Die Triebwerkslieferungen des US-Herstellers Pratt & Whitney kommen weiterhin nur schleppend voran. Die Produktionspläne für die meistgefragte Modellfamilie A320neo verschieben sich dadurch noch weiter in die Zukunft. Faury machte keinen Hehl daraus, wem er die Schuld gibt – dem amerikanischen Triebwerkshersteller. Eine bemerkenswerte Offenheit, die in der sonst so diplomatischen Luftfahrtbranche aufhorchen lässt.
Qualitätsmängel kosteten dutzende Auslieferungen
Bereits 2025 hatte Airbus seine ursprünglichen Ziele verfehlt. Statt der angepeilten 820 Maschinen verließen nur 793 Jets die Werkshallen. Der Grund: Ein Zulieferer von Rumpfteilen patzte derart gründlich, dass ab November hunderte praktisch fertige Flugzeuge überprüft werden mussten. Qualitätsmängel an bestimmten Verkleidungen – ein Problem, das einmal mehr zeigt, wie fragil die globalen Lieferketten geworden sind.
Und hier offenbart sich ein grundsätzliches Dilemma der modernen Industrieproduktion. Die Abhängigkeit von Zulieferern, die über den halben Globus verstreut sind, macht selbst einen Konzern wie Airbus verwundbar. Man darf sich durchaus fragen, ob die europäische Industrie nicht gut daran täte, kritische Fertigungskapazitäten wieder stärker auf dem eigenen Kontinent zu bündeln – eine Erkenntnis, die in Zeiten von Trumps aggressiver Zollpolitik mit 20 Prozent auf EU-Importe aktueller denn je sein dürfte.
Auftragsbestand für ein ganzes Jahrzehnt
An Nachfrage mangelt es Airbus wahrlich nicht. Ende Dezember türmte sich ein Rekord-Auftragsbestand von 8.754 Passagier- und Frachtflugzeugen auf. Rechnerisch würde dieser Bestand die Produktion über zehn Jahre auslasten. Die A320neo-Familie ist längst bis ins nächste Jahrzehnt hinein ausgebucht. Fluggesellschaften, die neue Maschinen benötigen, müssen Jahre im Voraus bestellen – ein Luxusproblem, von dem andere Industriezweige nur träumen können.
Boeing: Vom Rivalen zum Sorgenkind
Während Airbus von Rekord zu Rekord eilt, bietet der einzige ernstzunehmende Konkurrent Boeing ein geradezu jämmerliches Bild. Der US-Konzern erzielte 2025 zwar seinen ersten Jahresgewinn seit 2018 – verdankte diesen jedoch ausschließlich dem Verkauf einer Sparte. Seit zwei tödlichen Abstürzen in den Jahren 2018 und 2019 und einem längeren Startverbot für das Flaggschiff 737 Max kämpft Boeing mit Qualitätsmängeln in nahezu allen Bereichen. Der Vorwurf, an der Sicherheit gespart zu haben, wiegt schwer.
Nach einem Beinahe-Unglück Anfang 2024, bei dem einem Passagierflugzeug während des Fluges ein Rumpfteil herausbrach, griffen die US-Behörden endlich durch und legten Boeing harte Beschränkungen auf. Ein Konzern, der einst als Inbegriff amerikanischer Ingenieurskunst galt, ist zum Mahnmal dafür geworden, was passiert, wenn Shareholder-Value-Denken die Oberhand über Qualität und Sicherheit gewinnt.
Auch Rüstungssparte erholt sich
Bemerkenswert ist zudem, dass nicht nur das zivile Flugzeuggeschäft bei Airbus brummt. Die Hubschraubersparte konnte sowohl Umsatz als auch bereinigten operativen Gewinn steigern. Und die Rüstungs- und Raumfahrtsparte schaffte es zurück in die Gewinnzone, nachdem hohe Sonderkosten für Satellitenprogramme und den Militärtransporter A400M den Geschäftsbereich im Vorjahr tief in die roten Zahlen gerissen hatten. Angesichts der sicherheitspolitischen Lage in Europa – der Ukraine-Krieg dauert unvermindert an, die Eskalation im Nahen Osten verschärft sich – dürfte gerade die Rüstungssparte in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
Für Anleger, die in Airbus-Aktien investiert sind oder investieren wollen, mögen die Zahlen verlockend klingen. Doch Vorsicht: Die Abhängigkeit von fragilen Lieferketten, geopolitische Unwägbarkeiten und die Frage, ob die ambitionierten Auslieferungsziele tatsächlich erreicht werden können, bleiben Risikofaktoren, die man nicht unterschätzen sollte. Wer sein Vermögen langfristig und krisensicher aufstellen möchte, tut gut daran, neben Aktien auch auf bewährte Sachwerte wie physische Edelmetalle zu setzen – als stabilisierendes Element in einem breit diversifizierten Portfolio.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier dargestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach Rücksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der hier bereitgestellten Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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