
Angriff aufs Stromnetz: Wie verwundbar ist Deutschlands Versorgung?

Zwei mutmaßliche Sabotageakte binnen 24 Stunden – erst in Jänschwalde in Brandenburg, dann in Bergheim bei Köln. Jetzt fordert der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ein belastbares Backup-System für das deutsche Stromnetz. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser sprach gegenüber der "Rheinischen Post" offen über die Schwachstellen der Energieversorgung.
"Kein Kinderstreich": Was in Brandenburg und NRW passierte
Am 1. September verursachten Unbekannte laut Behördenangaben an einem Umspannwerk nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde Kurzschlüsse in Höchstspannungsleitungen. Nach Angaben von Brandenburgs Innenminister Jan Redmann (CDU) seien selbstgebaute Flugkörper eingesetzt worden, die leitfähiges Material in die Leitungen bringen sollten – bei zwei Versuchen erfolgreich.
Der Netzbetreiber 50Hertz verglich die Vorrichtungen Medienberichten zufolge mit handelsüblichen Silvesterraketen. Ein 500-Megawatt-Block des Kraftwerks fiel aus, ein flächendeckender Blackout blieb aus. Redmann stellte klar: "Das war kein Kinderstreich."
Nur einen Tag später dann Bergheim: Am Umspannwerk des Betreibers Amprion sahen Zeugen grelle Lichtblitze, ein Kurzschluss traf mehrere Leitungen. Fünf Braunkohleblöcke im Rheinischen Revier mussten vom Netz – rund 3.000 Megawatt Einspeiseleistung, die schlagartig fehlten. NRW-Innenminister Herbert Reul sprach vom "Anfangsverdacht einer verfassungsfeindlichen Sabotage" und nannte zwei Ermittlungsrichtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus.
Der Verband fordert Ausweichsysteme – und schwarzstartfähige Reserven
Heinen-Esser räumte ein, es gebe keinen vollständigen Schutz vor solchen Angriffen. Man könne die Risiken aber minimieren: viele kleine, dezentrale Erzeuger, dazu ein sicheres Backup, das Ausfälle kompensiere. Bioenergie und Wasserkraft seien schwarzstartfähig, könnten also ohne externen Strom wieder anfahren. Auch Batteriespeicher könnten kurzfristig einspringen.
BDEW-Hauptgeschäftsführerin Kerstin Andreae sieht den Gesetzgeber am Zug. Detailinformationen zu kritischer Infrastruktur dürften Angreifern nicht frei zugänglich sein, sagte sie der "Rheinischen Post". Und sie verlangte, den Datenschutz so anzupassen, dass angrenzende öffentliche Bereiche rechtssicher per Kamera überwacht werden dürfen.
Bitter: Erst der Anschlag, dann die Kamera
Genau das ist der Punkt, der viele Bürger aufhorchen lässt. Jahrelang wurde über Datenschutzformulare und Cookie-Banner debattiert – während sich an Umspannwerken offenbar Bastelware aus dem Feuerwerkshandel als wirksam erwies. Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Lehrstück darüber, wie deutsche Regulierung Prioritäten setzt.
Das im März in Kraft getretene KRITIS-Dachgesetz – im Kern die Umsetzung einer EU-Richtlinie – schreibt Betreibern Zäune, Zugangsbeschränkungen und Schwachstellenanalysen vor. Papier schützt allerdings keine Freileitung. Der Verband kommunaler Unternehmen mahnte bereits, es gebe "keine 100 Prozent Sicherheit", und wünscht sich Geld von Bund und Ländern.
Kein Einzelfall: Die Serie wächst
Die Vorfälle stehen nicht allein. Medienberichten zufolge registrierten die Behörden bis Ende August dieses Jahres mehr als 165 Sabotageverdachtsfälle. Im Januar legte ein Brandanschlag im Südwesten Berlins rund 45.000 Haushalte tagelang lahm – bei eisiger Kälte fielen Heizungen aus. Im Juni saßen nach einem Brand in einem Umspannwerk in Reutlingen etwa 40.000 Menschen zeitweise im Dunkeln.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sprach von einer "besorgniserregend hohen Frequenz derartiger Vorfälle". Wer dahintersteckt, ist offen – es gilt die Unschuldsvermutung, Täter sind bislang nicht ermittelt.
Was bleibt, ist eine unbequeme Erkenntnis: Ein Stromsystem, das immer komplexer und wetterabhängiger wird, braucht harte Reserven. Wer Vorsorge größer denkt, streut auch beim Vermögen – physische Edelmetalle funktionieren ohne Netz, Server und Strom.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt unsere Einschätzung auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Anlageentscheidungen trifft jeder Leser eigenverantwortlich und nach eigener Recherche.

- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











