
Atomstart in der Slowakei: Mochovce 4 zündet die Kettenreaktion

In der Slowakei ist ein neuer Kernreaktor zum Leben erwacht. Am 6. August 2026 erreichte der Block Mochovce 4 um 22:10 Uhr erstmals Kritikalität – die sich selbst erhaltende Kettenreaktion. 21 Minuten später meldeten die Ingenieure die minimale kontrollierte Leistung. Strom fließt allerdings noch keiner ins Netz.
Was "Kritikalität" wirklich bedeutet
Der Begriff klingt dramatischer, als er ist. Kritikalität heißt schlicht: Die Kernspaltung läuft kontrolliert und stabil weiter, ohne dass von außen nachgeholfen werden muss. Die Leistung bleibt dabei zunächst extrem niedrig, während Fachleute das Verhalten des Reaktorkerns vermessen.
Erst danach wird die Leistung stufenweise hochgefahren – jede Stufe mit eigenen Prüfungen. Den Schlusspunkt der Inbetriebnahme setzt ein 144-stündiger Dauerlauf unter Volllast. Zudem überwacht die slowakische Atomaufsicht ÚJD jeden Übergang zwischen den Phasen.
Die Vorgeschichte: Die Aufsichtsbehörde erteilte die Genehmigung am 22. Mai, rechtskräftig wurde sie am 24. Juni. Am 29. Juni wanderte das erste Brennelement in den Reaktor, am 3. Juli war die Beladung abgeschlossen. Im Kern stecken 349 Brennelement- und Steuerkassetten mit rund 42 Tonnen Brennstoff.
Ein Bauprojekt, das älter ist als die Slowakei
Die Blöcke 3 und 4 sind Kinder der späten Sowjetzeit. Baubeginn: 1986. Baustopp: 1992. Erst rund zwei Jahrzehnte später nahm Bratislava die Fertigstellung wieder auf – Block 3 ging im Oktober 2023 in den kommerziellen Betrieb.
Für beide Blöcke zusammen werden zuletzt Gesamtkosten von etwa 6,7 Milliarden Euro genannt. Jeder Reaktor kann rechnerisch rund 13 Prozent des slowakischen Stromverbrauchs decken. Mit den 471 Megawatt des neuen Blocks verfügt das kleine Land dann über sechs laufende Leistungsreaktoren an den Standorten Mochovce und Bohunice.
Der Betreiber Slovenské elektrárne rechnet damit, dass die Kernkraft bei Volllast rechnerisch 77,5 Prozent des nationalen Stromverbrauchs abdecken könnte. Zum Vergleich: Deutschland hat seine letzten drei Meiler im April 2023 vom Netz genommen.
Und Deutschland? Kauft ein
Während östliche Nachbarn Kapazitäten aufbauen, bleibt die Bundesrepublik Nettoimporteur. Nach Auswertungen auf Basis von Fraunhofer- und Marktdaten importierte Deutschland 2025 rund 76,2 Terawattstunden Strom und exportierte 54,3 – macht einen Importüberschuss von etwa 21,9 Terawattstunden.
Und die Herkunft? Schätzungen zufolge stammten rund 23 Prozent der Importe aus Kernkraft, vor allem aus Frankreich. Der Ausstieg endet, so ließe sich zuspitzen, an der Landesgrenze – die Physik nicht.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das der eigentliche Nachrichtenwert dieser slowakischen Meldung: Länder wie die Slowakei, Schweden oder die Niederlande setzen auf planbare Grundlast, während in Berlin über Kapazitätsmärkte und Reservekraftwerke diskutiert wird. Für die energieintensive deutsche Industrie sind Strompreise längst zur Standortfrage geworden.
Was Anleger daraus mitnehmen können
Energiepolitik ist Vermögenspolitik. Wer Produktionskosten dauerhaft über Weltmarktniveau treibt, schwächt Wertschöpfung, Arbeitsplätze und am Ende die Kaufkraft der eigenen Währung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber gelten vielen Sparern deshalb als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen – als Absicherung gegen politische Fehlsteuerung.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich zuvor selbst umfassend informieren.
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