
Audi rutscht ins Minus: Nur Lamborghini und Co. retten die Bilanz!

Für Audi wird es ernst: Die Kernmarke der VW-Tochter hat im dritten Quartal 2026 einen Verlust von 174 Millionen Euro geschrieben. Das teilte der Ingolstädter Autobauer am Freitag mit, bei einem Umsatz von 11,6 Milliarden Euro. Damit bleibt Audi gerade so ein Minigewinn. Den verdankt der Konzern allein seinen Luxus- und Motorradtöchtern.
Der Zeitpunkt ist bitter. Erst am Vortag hatte der Mutterkonzern Volkswagen rote Zahlen gemeldet. Belastet hätten ihn hohe Abschreibungen auf die Beteiligung an Porsche und Verluste im China-Geschäft.
Italienischer Stier, britischer Adel, schnelle Zweiräder
Die Rettung kommt also ausgerechnet von den Exoten im Portfolio. Lamborghini, Bentley und Ducati gehören bei Audi zur Markengruppe „Progressive“. Sie hievten das Quartalsergebnis der gesamten Gruppe auf ein Plus von 28 Millionen Euro. Gemessen an einem Umsatz in zweistelliger Milliardenhöhe ist das kaum mehr als ein Rundungsfehler.
Medienberichten zufolge blieben nach Steuern im Quartal nur noch 95 Millionen Euro übrig, rund 87 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Über neun Monate gerechnet sank der operative Gewinn der Markengruppe um 26 Prozent auf knapp 1,2 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Münchner Rivale BMW meldete im selben Zeitraum auf Konzernebene mehr als vier Milliarden Euro.
Finanzchef schlägt Alarm
Schönreden will in Ingolstadt offenbar niemand mehr etwas. Finanzvorstand Jürgen Rittersberger fand deutliche Worte:
„Die Kennzahlen zeigen deutlich: Der Handlungsbedarf bei Audi ist hoch und duldet keinen Aufschub.“
Vor allem im dritten Quartal habe sich das Umfeld noch einmal erheblich verschärft, so Rittersberger. Die eingeleiteten Maßnahmen wirkten zwar, müssten wegen des enormen Wettbewerbsdrucks aber verstärkt werden. Audi setze deshalb auf Kostendisziplin, weniger Komplexität und effizientere Strukturen.
Übersetzt heißt das: Es wird weiter gespart. Absatz und Erträge schrumpfen seit Jahren, erste Stellen sind bereits weggefallen. Weiterer Jobabbau steht im Raum. Für Tausende Familien in Ingolstadt und Neckarsulm ist das alles andere als eine abstrakte Bilanzzahl.
Der Trump-Auftritt sorgt für Ärger
Dazu kommt ein hausgemachter Imageschaden. Audi-Chef Gernot Döllner steht seit Tagen in der Kritik, weil er bei einer Wahlkampfveranstaltung von US-Präsident Donald Trump aufgetreten war. Dort wurden Pläne für ein Audi-Werk in den USA öffentlich.
SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf sprach Berichten zufolge von einem Skandal. Der Audi-Chef belohne Trumps Zollpolitik auch noch mit Wahlkampfhilfe und einem Werksneubau, während VW in Deutschland Stellen streichen wolle. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hielt das Werk für möglicherweise strategisch richtig, eine Wahlkampfbühne sei aber nicht der richtige Ort für eine solche Ankündigung. Audi verteidigte den Auftritt. Laut Medienberichten befasste sich der Aufsichtsrat am Freitag in einer Sondersitzung mit dem US-Werk.
Die unbequeme Wahrheit hinter dem Werk
Die Empörung aus Berlin und Hannover greift allerdings zu kurz. Audi hat bislang kein eigenes Werk in den USA. Die Strafzölle haben den Hersteller deshalb besonders hart getroffen, schon 2025 bezifferte er die Belastung auf rund 850 Millionen Euro. Wer Autos dort bauen kann, wo er sie verkauft, umgeht diese Zollmauer.
Die eigentliche Frage lautet also: Warum lohnt es sich für einen deutschen Premiumhersteller überhaupt mehr, im Ausland zu investieren als daheim? Hohe Energiepreise, Bürokratie und Abgaben machen den Standort Deutschland seit Jahren unattraktiver. Die Bundesregierung unter Friedrich Merz hat versprochen, das zu ändern. Spürbar ist davon bislang wenig.
Fazit: Ein Weckruf für den Industriestandort
Wenn eine Traditionsmarke wie Audi nur noch dank Lamborghini und Ducati schwarze Zahlen schreibt, ist das mehr als eine schlechte Quartalsbilanz. Es zeigt, wie stark der Druck auf Deutschlands Schlüsselindustrie geworden ist. Gegen Zölle, chinesische Konkurrenz und hohe Kosten im eigenen Land kommt auch der Glanz der vier Ringe nicht mehr an. Wer sein Vermögen an das Wohl einzelner Konzerne knüpft, sollte diese Entwicklung genau im Auge behalten.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vorher eigenständig recherchieren.
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