
Ausverkauf bei US-Anleihen: Japan und China steigen weiter aus

Das US-Finanzministerium hat die Zahlen zu den ausländischen Beständen an US-Staatsanleihen für Juni 2026 vorgelegt. Das Ergebnis: Die drei größten Gläubiger der USA haben im selben Monat allesamt reduziert. Der Gesamtbestand aller ausländischen Halter sank auf 9.299,0 Milliarden Dollar – ein Minus von 72,1 Milliarden gegenüber Mai.
Tokio und Peking drehen den Geldhahn zu
Japan bleibt zwar unangefochten größter ausländischer Gläubiger Washingtons, doch die Bestände schmelzen. Von 1.143,1 Milliarden Dollar im Mai ging es auf 1.116,7 Milliarden Dollar hinunter – 26,4 Milliarden Dollar weniger in nur einem Monat. Im Jahresvergleich zu Juni 2025 fehlen 38,1 Milliarden.
Noch deutlicher ist die Linie bei China. Peking reduzierte von 659,3 auf 633,4 Milliarden Dollar, ein Minus von 25,9 Milliarden. Gegenüber Juni 2025 hat die Volksrepublik ihre Position um 98 Milliarden Dollar zurückgefahren. Ein Zufall ist das nicht: Der Abbau läuft seit Jahren – und er beschleunigt sich.
Wer kauft, wer verkauft?
Auf Rang zwei liegt weiter das Vereinigte Königreich mit 939,9 Milliarden Dollar nach 948,6 Milliarden im Mai. Über zwölf Monate betrachtet stehen die Briten mit einem Plus von 84,3 Milliarden Dollar aber klar auf der Käuferseite. Die Bewegungen im Detail:
- Kanada: 459,6 Mrd. Dollar, plus 23,8 Mrd.
- Belgien: plus 10,5 Mrd. Dollar
- Schweiz: plus 3,8 Mrd. Dollar
- Kaimaninseln: minus 18,2 Mrd. Dollar
- Norwegen: minus 4,1 Mrd. Dollar
Über zwölf Monate liegt der Gesamtbestand mit rund 205,4 Milliarden Dollar noch immer im Plus. Von einer Massenflucht kann also keine Rede sein. Aber die Zusammensetzung der Gläubiger verschiebt sich – weg von Asien, hin zu Finanzplätzen im westlichen Orbit.
40 Billionen Dollar – und der Käuferkreis wird enger
Warum das brisant ist? Die USA sind auf Abnehmer für ihre Schuldtitel angewiesen wie kaum je zuvor. Medienberichten zufolge hat die amerikanische Staatsverschuldung im August 2026 erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten; die gesetzliche Schuldenobergrenze liegt bei 41,1 Billionen. Die jährliche Zinslast wird auf rund 1,4 Billionen Dollar beziffert.
Wenn ausgerechnet in dieser Lage die beiden größten asiatischen Gläubiger gleichzeitig abbauen, ist das mehr als Bilanzkosmetik. Beobachter sehen darin auch eine geopolitische Botschaft – in einem Umfeld, das von Zollkonflikten und wachsendem Misstrauen gegenüber dem Dollar als Reservewährung geprägt ist.
Das GegenstĂĽck liegt im Tresor
Bemerkenswert ist, wohin das Kapital wandert. Laut dem World Gold Council kauften die Notenbanken im zweiten Quartal 2026 netto rund 288,9 Tonnen Gold – nach Angaben des Verbands der stärkste jemals in einem zweiten Quartal gemessene Wert. In einer Umfrage des Verbands gab zudem ein Rekordanteil von 45 Prozent der befragten Zentralbanken an, die eigenen Goldreserven binnen zwölf Monaten weiter aufstocken zu wollen.
Die Logik dahinter ist so alt wie das Geld selbst: Eine Staatsanleihe ist immer auch das Versprechen eines Schuldners. Physisches Gold ist es nicht. Wer Papierforderungen abbaut und Barren einlagert, tauscht Gegenparteirisiko gegen Substanz. Für Privatanleger gilt dieselbe Rechnung – nur mit kleineren Zahlen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschlieĂźlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen ab. Jeder Leser ist fĂĽr seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.

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