
BAMF bestätigt Schutzstatus für Syrer in 97 Prozent der Fälle – Widerrufe bleiben Ausnahme

Während die politische Debatte um die Rückführung syrischer Flüchtlinge an Schärfe gewinnt, zeichnet die Realität in den Amtsstuben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge ein ernüchterndes Bild. Trotz einer deutlich intensivierten Überprüfungspraxis bleibt der Schutzstatus für die überwältigende Mehrheit der Betroffenen unangetastet. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache – und werfen unbequeme Fragen auf.
Mehr Prüfungen, kaum Konsequenzen
Von Januar bis November 2025 leitete das BAMF insgesamt 23.101 neue Widerrufs- oder Rücknahmeprüfungen ein. Das entspricht einem Anstieg von rund 5.500 Verfahren gegenüber dem Vorjahr. Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Behörde nehme ihre Kontrollaufgaben endlich ernst. Doch der Schein trügt gewaltig.
In sage und schreibe 93 Prozent aller abgeschlossenen Verfahren bestätigte das Amt den bestehenden Schutzstatus. Lediglich 2.839 von 41.887 Entscheidungen führten zu einem Widerruf oder einer Rücknahme. Noch bezeichnender: Nur 310 Fälle betrafen Rücknahmen wegen falscher Angaben oder Täuschungen. Man fragt sich unweigerlich, ob hier überhaupt ernsthaft geprüft wird – oder ob die Verfahren lediglich der Beruhigung einer zunehmend skeptischen Öffentlichkeit dienen.
Syrer genießen besonderen Schutz
Besonders auffällig sind die Zahlen bei syrischen Staatsangehörigen. Für diese Gruppe wurden 9.077 Prüfungen neu eingeleitet, in 16.737 Fällen fiel eine Entscheidung. Das Ergebnis? In atemberaubenden 96,7 Prozent der Fälle wurde der Schutzstatus bestätigt. Nur ein verschwindend geringer Anteil verlor seinen Aufenthaltstitel.
Diese Zahlen stehen in bemerkenswertem Kontrast zu den politischen Ankündigungen der vergangenen Monate. Die CSU legte Anfang Januar einen ambitionierten Plan zur Rückkehr von Syrern in ihr Heimatland vor. Auch Gerichte – darunter das Verwaltungsgericht Düsseldorf – kamen zu dem Schluss, dass Syrien mittlerweile als sicher einzustufen sei und erlaubten Abschiebungen nach Damaskus und Latakia.
Linienflüge nach Damaskus längst Realität
Die Infrastruktur für Rückführungen existiert bereits. Aus Istanbul, Ankara und Dubai verkehren regelmäßig Linienflüge in die syrische Hauptstadt. Die praktischen Voraussetzungen wären also gegeben – doch das BAMF scheint andere Prioritäten zu setzen.
Linke sieht sich bestätigt – doch die Realität ist komplexer
Die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, interpretiert die Zahlen erwartungsgemäß als Bestätigung ihrer Position.
„Die Lage in Syrien hat sich in keiner Weise grundlegend stabilisiert", erklärte sie gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sie verwies auf die Ermordung und Vertreibung von Minderheiten sowie auf Angriffe auf kurdische Gebiete.
Doch diese Argumentation greift zu kurz. Die Frage ist nicht allein, ob Syrien ein Paradies der Stabilität geworden ist – sondern ob der ursprüngliche Fluchtgrund noch besteht und ob eine Rückkehr zumutbar wäre. Dass das BAMF in nahezu allen Fällen den Status quo bestätigt, könnte auch auf eine gewisse Prüfungsroutine hindeuten, die echte Einzelfallbetrachtungen vermissen lässt.
Ein System, das Fragen aufwirft
Die deutsche Migrationspolitik steht vor einem grundlegenden Dilemma. Einerseits wächst der gesellschaftliche Druck, die Zuwanderung zu begrenzen und Rückführungen konsequenter durchzusetzen. Andererseits scheint der bürokratische Apparat nach wie vor auf Bestandsschutz programmiert zu sein. Die Diskrepanz zwischen politischer Rhetorik und administrativer Praxis könnte kaum größer sein.
Für den deutschen Steuerzahler, der die Kosten dieser Politik trägt, bleiben die Zahlen ein Ärgernis. Und für jene, die auf eine konsequentere Migrationspolitik hoffen, sind sie ein weiterer Beleg dafür, dass zwischen Ankündigung und Umsetzung in diesem Land Welten liegen.












