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Kettner Edelmetalle
27.02.2026
18:02 Uhr

BASF verlagert Hunderte Jobs nach Indien: Der schleichende Ausverkauf des Standorts Deutschland

Was sich am vergangenen Freitag vor dem BASF-Servicezentrum in der Berliner Storkower Straße abspielte, ist mehr als nur ein lokaler Arbeitskampf. Es ist ein Symptom jener Krankheit, die den Wirtschaftsstandort Deutschland seit Jahren von innen auffrisst. Hunderte Beschäftigte standen dicht gedrängt vor dem Gebäude in Lichtenberg, Trillerpfeifen schrillten, Plakate wurden in die Höhe gereckt – und aus den Lautsprechern dröhnte Kraftklub. Die Botschaft war unmissverständlich: Wir lassen uns nicht einfach abschieben.

Der größte Chemiekonzern der Welt spart – auf Kosten Berliner Arbeitnehmer

BASF, der weltweit größte Chemiekonzern mit Stammsitz in Ludwigshafen, plant die Bündelung seiner sogenannten Global Business Services – darunter Finanz- und Personaldienstleistungen – in einem Hub in Indien. Das Ziel: „wettbewerbsfähige Servicestrukturen" schaffen. Was sich in der sterilen Sprache der Konzernkommunikation so harmlos anhört, bedeutet für Hunderte Berliner Beschäftigte schlicht und ergreifend den möglichen Verlust ihrer Existenzgrundlage.

Die Ironie dabei ist kaum zu überbieten. Der Berliner Standort wurde vor rund zwei Jahrzehnten genau aus dem Grund aufgebaut, der nun sein Todesurteil sein könnte: Kostenersparnis. Berlin sollte günstiger sein als Ludwigshafen. Die Mitarbeiter akzeptierten niedrigere Löhne, längere Arbeitszeiten, einen eigenen Tarifvertrag mit schlechteren Konditionen. Sie lieferten, sparten, arbeiteten effizient. Und jetzt? Jetzt reicht selbst das nicht mehr. Jetzt muss es Indien sein.

Jahrzehntelange Treue – mit einem Federstrich zunichtegemacht

Nicole Preuß, seit 17 Jahren bei BASF beschäftigt, bringt die Stimmung auf den Punkt. Sie begann einst über eine Zeitarbeitsfirma, wurde übernommen, arbeitete sich hoch zur Teamspecialistin in der Stammdatenpflege. „Ich bin davon ausgegangen, dass ich hier in Rente gehe", sagte sie bei der Kundgebung. Elf Jahre hätte sie noch vor sich gehabt. Die Nachricht von der geplanten Verlagerung habe sie völlig unvorbereitet getroffen.

Ähnlich ergeht es Justus Horsch, 36 Jahre alt, seit 2020 im Bereich Datenmanagement für Pflanzenschutzregistrierung tätig. Auf Vorstandsebene habe es stets geheißen, das Unternehmen stehe wirtschaftlich gut da. Stellen seien sogar aufgebaut worden. Dass der Kostendruck nun plötzlich so immens sein solle, sei „eine große Neuigkeit" – und ein Schlag ins Gesicht all jener, die dem Konzern über Jahre die Treue gehalten hätten.

Der Betriebsrat spricht von einer „zermürbenden Ungewissheit" und einem klaren Vertrauensbruch. Viele Beschäftigte wüssten nicht, welche Stellen konkret wegfallen könnten. Die zentrale Frage, die im Raum steht: Ist diese Maßnahme wirtschaftlich tatsächlich notwendig – oder dient sie ausschließlich der Gewinnmaximierung eines Konzerns, der im vergangenen Jahr Milliardenumsätze verzeichnete?

Ein beunruhigendes Muster: Ostdeutschland als Bauernopfer der Globalisierung

Der Fall BASF Berlin steht nicht isoliert da. Er reiht sich ein in eine besorgniserregende Serie von Standortverlusten, die insbesondere den Osten Deutschlands mit voller Wucht trifft. Erst kürzlich kündigte die Traditionsmarke Eberswalder Würstchen das Aus für ihren Produktionsstandort in Brandenburg an. Bei Volkswagen in Zwickau wird gekürzt, an Bosch-Standorten in Sachsen herrscht Kurzarbeit, Verträge laufen aus. Die ostdeutsche Chemie- und Zulieferindustrie ächzt unter explodierenden Energiepreisen, schwacher Nachfrage und einer internationalen Konkurrenz, die unter völlig anderen Rahmenbedingungen produziert.

Das Muster ist dabei stets dasselbe: Ostdeutsche Standorte sind selten Konzernzentralen. Sie sind Serviceeinheiten, ausgelagerte Geschäftsbereiche, verlängerte Werkbänke. Die strategischen Entscheidungen fallen in Ludwigshafen, München oder Wolfsburg. Und wenn global gespart werden muss, dann trifft es eben zuerst jene, die am weitesten von den Machtzentren entfernt sind. Man könnte es auch so formulieren: Ostdeutschland wird zum Verfügungsobjekt westdeutscher Konzernstrategien degradiert – und wenn selbst das nicht mehr billig genug ist, geht es eben nach Indien.

Die politische Klasse: Große Worte, kleine Taten?

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU stellte sich bei der Kundgebung demonstrativ an die Seite der Belegschaft. Er habe sich an den BASF-Vorstand gewandt und sei „zutiefst besorgt". „Ihr habt den Berliner Senat an Eurer Seite", rief er von der Bühne. Auch Vertreter der Grünen und der Linken zeigten sich solidarisch.

Doch wie viel sind solche Solidaritätsbekundungen tatsächlich wert? Die ehrliche Antwort lautet: wenig, solange die strukturellen Probleme nicht angegangen werden. Denn die Abwanderung von Arbeitsplätzen ins Ausland ist kein Naturereignis. Sie ist die direkte Konsequenz einer Politik, die den Wirtschaftsstandort Deutschland über Jahre systematisch unattraktiver gemacht hat. Explodierende Energiekosten, eine erdrückende Bürokratie, eine der höchsten Steuer- und Abgabenquoten weltweit, ideologiegetriebene Regulierungswut – all das sind keine Erfindungen böswilliger Konzernvorstände, sondern hausgemachte Probleme einer politischen Klasse, die sich lieber mit Gendersternchen und Klimazielen beschäftigt als mit der Frage, wie man Arbeitsplätze im eigenen Land hält.

Das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen Bundesregierung unter Friedrich Merz mag auf dem Papier beeindruckend klingen. Doch solange die grundlegenden Standortbedingungen nicht verbessert werden – niedrigere Energiepreise, weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Steuersätze –, wird kein Infrastrukturpaket der Welt verhindern können, dass Konzerne wie BASF ihre Dienstleistungen dorthin verlagern, wo sie schlicht billiger erbracht werden können.

Die bittere Wahrheit hinter den Zahlen

Wie viele Arbeitsplätze in Berlin konkret betroffen sein werden, ist bislang offiziell nicht beziffert. Aus Unternehmenskreisen heißt es, der Standort solle nicht komplett geschlossen werden. Doch was bedeutet das schon? Wenn von mehreren Hundert Stellen am Ende nur ein Bruchteil übrig bleibt, ist das für die Betroffenen kein Trost, sondern blanker Hohn.

Justus Horsch brachte es auf der Kundgebung auf eine einfache Formel: „Die Stärke von Standorten in Deutschland ist qualifiziertes Personal und hohe soziale Standards. Man setzt ein Zeichen, wenn man hier sozial handelt." Er hat recht. Doch Zeichen setzen allein reicht nicht. Was es braucht, sind Rahmenbedingungen, die es Unternehmen ermöglichen, in Deutschland profitabel zu wirtschaften, ohne ihre Belegschaften in Billiglohnländer abschieben zu müssen.

Die Beschäftigten in Berlin-Lichtenberg haben am Freitag gezeigt, dass sie kämpfen wollen. Die Stimmung sei „kämpferisch" gewesen, berichtet Horsch. „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen." Nicole Preuß gibt sich als Optimistin. Man kann ihr nur wünschen, dass dieser Optimismus nicht enttäuscht wird. Doch wer die Entwicklung des Industriestandorts Deutschland in den vergangenen Jahren nüchtern betrachtet, dem fällt es zunehmend schwer, optimistisch zu bleiben.

Deutschland braucht eine wirtschaftspolitische Kehrtwende – nicht morgen, sondern heute. Sonst werden Kundgebungen wie jene in Berlin-Lichtenberg bald zum traurigen Normalfall in einem Land, das einst als Werkbank der Welt galt und nun zusehen muss, wie selbst seine Servicearbeitsplätze nach Asien abwandern.

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