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Kettner Edelmetalle
01.08.2026
11:08 Uhr

Batteriespeicher-Boom: 31,5 Gigawattstunden – und trotzdem geht bei Dunkelflaute das Licht aus

Batteriespeicher-Boom: 31,5 Gigawattstunden – und trotzdem geht bei Dunkelflaute das Licht aus

Es ist eine dieser Zahlen, die sich in Pressemitteilungen prächtig machen: Rund 2,6 Millionen stationäre Batterien speichern in Deutschland inzwischen etwa 31,5 Gigawattstunden Strom. Klingt gewaltig. Klingt nach Zukunft. Klingt nach der Lösung all jener Probleme, die uns die Energiewende erst eingebrockt hat. Doch wer genauer hinsieht – und das tut in Berlin offenbar niemand mehr –, entdeckt hinter der Erfolgsmeldung einen bemerkenswert nüchternen Befund: Diese Batterien halten im Schnitt 2,3 Stunden durch. Zwei Stunden und achtzehn Minuten. Danach ist Schluss.

Zwei Stunden Strom gegen eine Woche Windstille

Eine Dunkelflaute in Mitteleuropa dauert nicht 138 Minuten. Sie dauert Tage. Manchmal eine Woche. Im Januar, wenn es kalt ist, wenn kein Lüftchen weht und die Sonne hinter einer grauen Wolkendecke verschwindet, die sich von Flensburg bis Garmisch spannt. Genau dann bräuchte Deutschland gesicherte Leistung – und genau dann sind die gefeierten Großbatterien nach einem Vormittag leergesaugt.

Die bereinigte Auswertung der RWTH Aachen legt die Struktur offen: 22,21 Gigawattstunden entfallen auf Heimspeicher, 1,61 Gigawattstunden auf Gewerbespeicher, lediglich 6,35 Gigawattstunden auf echte Großspeicher. Und die Heimspeicher? Die dienen dem Eigenverbrauch der Solaranlagenbesitzer. Dem Strommarkt stehen sie bestenfalls teilweise zur Verfügung. Zum Vergleich, der in keiner Jubelmeldung auftaucht: Die guten alten deutschen Pumpspeicherkraftwerke – Technik aus dem vorigen Jahrhundert, geplant von Ingenieuren, die noch rechnen konnten – bringen es auf 39 Gigawattstunden. Mehr als der gesamte Batteriepark der Republik.

Batterien erzeugen keine einzige Kilowattstunde Energie. Sie verschieben nur, was andere produziert haben. Wer das vergisst, verwechselt einen Eimer mit einer Quelle.

Milliardenersparnis – berechnet von den Nutznießern

Selbstverständlich fehlen die Studien nicht, die den Boom als volkswirtschaftlichen Segen ausweisen. Das Fraunhofer IEE modellierte zusätzliche 20 Gigawatt Speicherleistung mit vier Stunden Kapazität, also 80 Gigawattstunden. Ergebnis: Zwischen Januar 2025 und Mai 2026 wären rund 5,6 Milliarden Euro eingespart worden, negative Börsenpreise um fast 70 Prozent gesunken, die Abregelung erneuerbarer Anlagen um etwa 55 Prozent zurückgegangen. Beeindruckend. Bis man das Kleingedruckte liest: Auftraggeber der Untersuchung seien Verbände der Erneuerbaren-Branche gewesen.

Das Energiewirtschaftliche Institut in Köln kommt zu ähnlich freundlichen Zahlen. Ein dreimal schnellerer Ausbau könnte Verbraucher im Jahr 2035 um bis zu 2,8 Milliarden Euro jährlich entlasten, die variablen Systemkosten um bis zu 1,8 Milliarden Euro senken, das Preisniveau um rund fünf Prozent drücken. Auch hier der Hinweis am Rand: Das Gutachten sei im Auftrag eines Speicherentwicklers entstanden. Man stelle sich vor, ein Bäcker finanzierte eine Studie über die gesundheitlichen Vorzüge von Brötchen – der öffentliche Aufschrei wäre erheblich.

Warum diese Zahlen trotzdem etwas verraten

Bemerkenswert ist ja weniger die behauptete Ersparnis als das, was sie voraussetzt: dass negative Strompreise überhaupt in solcher Menge existieren. Ein Markt, in dem Erzeuger dafür bezahlen müssen, dass jemand ihren Strom abnimmt, ist kein Markt. Er ist ein durch Subventionen und Einspeisevorrang verzerrtes Konstrukt. Die Batterie repariert nicht das System – sie verdient an dessen Fehlkonstruktion. Und der Verbraucher zahlt am Ende beides: die Verzerrung und ihre Reparatur.

226 Gigawatt Anfragen, 2,4 Gigawatt Realität

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Warteschlange. Ende 2024 lagen den Übertragungsnetzbetreibern rund 650 Anschlussanfragen über zusammen 226 Gigawatt vor. Tatsächlich am Netz waren im Oktober 2025 Großspeicher mit ganzen 2,4 Gigawatt Leistung und 3,2 Gigawattstunden nutzbarer Kapazität. Weitere registrierte Planungen umfassten etwa fünf Gigawatt. Das Verhältnis zwischen Ankündigung und Wirklichkeit liegt damit bei rund eins zu neunzig.

Diese Papierflut blockiert reale Prüfkapazitäten und verzögert jene Projekte, die tatsächlich gebaut werden könnten. Die Bundesnetzagentur denkt inzwischen über Kautionen und flexible Anschlussvereinbarungen nach. Ein später Reflex – nachdem man jahrelang jede Anfrage entgegengenommen hat, als wäre Verwaltungsarbeit ein kostenloses Naturprodukt.

Was bleibt: Physik schlägt Ideologie

Immerhin, es tut sich etwas Substanzielles. In Klostermansfeld soll ab 2028 eine Anlage mit 1.000 Megawatt Leistung und bis zu 5.700 Megawattstunden Kapazität entstehen. Das ist eine andere Liga. Es verbessert die kurzfristige Flexibilität erheblich. Es löst aber weiterhin nicht das Kernproblem.

Denn für kalte, windstille Wintertage braucht dieses Land steuerbare Kraftwerke, leistungsfähige Netze, flexible Verbraucher und echte Langzeitspeicher. Alles vier fehlt oder wird gerade abgebaut. Wer Kernkraftwerke abschaltet, Kohlemeiler stilllegt und dann auf Lithium-Ionen-Zellen mit zwei Stunden Laufzeit hofft, betreibt keine Energiepolitik, sondern Symbolpolitik mit Netzanschluss. Die Große Koalition hat daran bislang wenig geändert – sie verwaltet das Erbe der Ampel, statt es zu korrigieren.

Für Bürger und Sparer heißt das: Die Kosten dieser Umbauorgie landen verlässlich auf der Stromrechnung, im Netzentgelt, in der Steuerlast. Eine Volkswirtschaft, deren Industrie wegen Energiepreisen abwandert, verliert Substanz. Wer sein Vermögen gegen solche schleichenden Entwertungsprozesse absichern will, kommt an Sachwerten außerhalb des Papiergeldsystems kaum vorbei – physisches Gold und Silber haben in Zeiten politisch verursachter Verwerfungen historisch stets ihre Rolle als Versicherung des Vermögens behauptet, unabhängig davon, ob gerade genug Wind weht.

Haftungsausschluss

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und begründet keinerlei Empfehlung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Finanzinstrumenten, Rohstoffen oder sonstigen Vermögenswerten. Sämtliche Ausführungen geben die Einschätzung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen anzustellen und trägt die alleinige Verantwortung für seine Anlageentscheidungen. Eine Haftung für Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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