
Bayer will Roundup-Krebsklagen mit Milliarden-Vergleich beenden – doch der Preis der Monsanto-Übernahme wächst weiter
Es ist eine Geschichte, die an einen griechischen Tragödienstoff erinnert: Ein deutsches Traditionsunternehmen kauft sich für 63 Milliarden Dollar einen amerikanischen Agrochemie-Riesen – und bekommt dafür eine juristische Zeitbombe frei Haus geliefert. Nun versucht Bayer einmal mehr, das Desaster einzudämmen, und legt einen Vergleichsvorschlag über bis zu 7,25 Milliarden Dollar auf den Tisch.
Ein Vergleich, der Jahrzehnte dauern soll
Die Monsanto-Tochter des Leverkusener Konzerns habe am Dienstag vor einem Gericht im US-Bundesstaat Missouri einen landesweiten Sammelklagevergleich eingereicht, der sowohl bestehende als auch künftige Krebsklagen im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Roundup abdecken soll. Das Herzstück des Vorschlags: ein langfristiges Entschädigungsprogramm, finanziert durch gedeckelte jährliche Zahlungen über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren. Man könnte sagen, Bayer versucht, den Schmerz auf Raten zu verteilen.
Rund 65.000 Kläger werfen dem Konzern vor, durch die Nutzung von Roundup – sei es im heimischen Garten oder am Arbeitsplatz – an Non-Hodgkin-Lymphomen und anderen Krebsarten erkrankt zu sein. Der Vergleich decke den Großteil dieser Klagen ab, bedürfe allerdings noch der richterlichen Genehmigung. Darüber hinaus enthält er eine Klausel, die es Personen ermöglicht, die nachweislich vor dem Stichtag mit Roundup in Kontakt kamen und an Non-Hodgkin-Lymphomen erkrankt sind, über einen Zeitraum von 21 Jahren Ansprüche geltend zu machen.
Die Börse jubelt – aber zu welchem Preis?
Die Reaktion der Märkte war zunächst euphorisch. Die Bayer-Aktie schoss um bis zu 7,7 Prozent nach oben und erreichte den höchsten Stand seit September 2023. Doch wer genauer hinschaut, erkennt das ganze Ausmaß der finanziellen Verwüstung. Bereits rund 10 Milliarden Dollar hatte Bayer zuvor ausgegeben, um den Großteil der bis 2020 anhängigen Roundup-Klagen beizulegen. Ein damaliger Versuch, auch künftige Klagen abzudecken, war kläglich gescheitert.
Nun rechnet der Konzern damit, dass seine Rückstellungen und Prozessverbindlichkeiten von 7,8 Milliarden Euro auf 11,8 Milliarden Euro ansteigen werden. Für 2026 erwartet Bayer prozessbezogene Auszahlungen von etwa 5 Milliarden Euro – und damit erstmals einen negativen freien Cashflow für das gesamte Jahr. Die Veröffentlichung der Jahresergebnisse 2025 und des Ausblicks für 2026 wurde kurzerhand auf den 4. März verschoben, um die neuen Vereinbarungen einzupreisen.
Die Monsanto-Übernahme: Ein Lehrstück unternehmerischen Größenwahns
Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Bayer zahlte 2018 stolze 63 Milliarden Dollar für Monsanto – ein Unternehmen, das in den USA bereits damals einen denkbar schlechten Ruf genoss. Die Warnzeichen waren unübersehbar, die Risiken der Glyphosat-Klagen längst bekannt. Doch das Management unter dem damaligen Vorstandschef Werner Baumann trieb die Übernahme mit einer Hybris voran, die ihresgleichen sucht. Das Ergebnis? Ein einstiges Kronjuwel der deutschen Industrie, das sich in einen juristischen Dauerbrenner verwandelt hat und dessen Börsenwert zwischenzeitlich unter den Kaufpreis für Monsanto allein gefallen war.
Hoffnung auf den Supreme Court
Bayer-Chef Bill Anderson zeigte sich auf einer Investorenkonferenz zuversichtlich, dass der vorgeschlagene Vergleich die überwiegende Mehrheit der Ansprüche lösen werde – verriet allerdings nicht, wie viele Kläger dem Deal bereits zugestimmt hätten. Eine bemerkenswerte Zurückhaltung, die Fragen aufwirft.
Entscheidend für den Ausgang des gesamten Rechtsstreits dürfte jedoch ein Verfahren vor dem US Supreme Court werden. Das höchste amerikanische Gericht hat zugestimmt, eine Berufung anzuhören, die nach Bayers Argumentation die Haftung des Konzerns in der Roundup-Litigation erheblich einschränken könnte. Die mündliche Verhandlung sei für Ende April angesetzt. Ein günstiges Urteil würde nicht nur mehrere milliardenschwere Geschworenenurteile aufheben, die derzeit in Berufung sind, sondern auch künftige Klagen von Personen verhindern, die sich gegen eine Teilnahme am Sammelvergleich entscheiden.
Gemischte Bilanz vor Gericht
Bayers Erfolgsbilanz vor amerikanischen Geschworenengerichten liest sich wie eine Achterbahnfahrt. Zwar konnte der Konzern in einer Serie von Roundup-Prozessen obsiegen, wurde aber in den vergangenen Jahren auch mit gewaltigen Schadensersatzurteilen konfrontiert – darunter ein 2,1-Milliarden-Dollar-Verdikt im US-Bundesstaat Georgia im März. Solche Urteile erschütterten nicht nur das Vertrauen der Investoren, sondern machten auch die Hoffnung zunichte, das Schlimmste der Roundup-Prozesslawine sei überstanden.
Bayer betont seit jeher, dass jahrzehntelange Studien die Sicherheit von Roundup und seinem Wirkstoff Glyphosat für den menschlichen Gebrauch belegt hätten. Doch vor amerikanischen Geschworenen zählen wissenschaftliche Studien offenbar weniger als emotionale Zeugenaussagen und aggressive Klägeranwälte. Es ist ein System, das europäischen Beobachtern bisweilen absurd erscheinen mag – aber es ist die Realität, in der sich deutsche Unternehmen bewegen, wenn sie auf dem amerikanischen Markt agieren.
Ein Warnsignal für die deutsche Industrie
Der Fall Bayer-Monsanto sollte jedem deutschen Industriemanager als mahnendes Beispiel dienen. In einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft ohnehin unter enormem Druck steht – belastet durch explodierende Energiekosten, eine erdrückende Bürokratie und eine Wirtschaftspolitik, die Unternehmen eher gängelt als fördert –, kann sich kein Konzern solche selbstverschuldeten Milliardengräber leisten. Während die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur plant und damit die Schuldenlast künftiger Generationen weiter in die Höhe treibt, kämpft eines der traditionsreichsten deutschen Unternehmen mit den Folgen einer Übernahme, die von Anfang an mehr Risiko als Chance war.
Die Bayer-Aktie mag an diesem Tag gestiegen sein. Doch der wahre Preis der Monsanto-Übernahme – mittlerweile weit jenseits der 30-Milliarden-Dollar-Marke an Rechtskosten und Vergleichszahlungen – wird noch lange auf dem Konzern und seinen Aktionären lasten. Es bleibt die bittere Erkenntnis: Größe allein schützt nicht vor Dummheit.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung – sei es in Aktien, Anleihen oder andere Finanzprodukte – sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir empfehlen, vor jeder Anlageentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Nutzung der in diesem Artikel enthaltenen Informationen resultieren, übernehmen wir keinerlei Haftung. Wer sein Vermögen langfristig absichern möchte, sollte physische Edelmetalle wie Gold und Silber als stabilisierende Beimischung in einem breit diversifizierten Portfolio in Betracht ziehen.
Papiervs.PhysischWarum echtes Metall jetzt alles entscheidet
Keine Kreditkarte erforderlich • Keine versteckten Kosten
Ihre Experten im Webinar:

Dominik Kettner
CEO Kettner Edelmetalle

Jochen Staiger
Rohstoffexperte

Rick Rule
Rohstoff-Legende

Alasdair Macleod
Chefstratege GoldMoney
Top-Experten
Dominik Kettner & Star-Gäste
Live Q&A
Ihre Fragen
15.000€ Gold
zu gewinnen
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik















