
Belgrad in Flammen: Serbische Studenten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei
Was als Protest begann, eskalierte am Dienstag in der serbischen Hauptstadt Belgrad zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Hunderten von Studenten und der Polizei. Der Auslöser: eine umstrittene Durchsuchung von Büroräumen der Universität Belgrad durch die Polizei, die das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der Regierung und der Zivilgesellschaft weiter auf die Zerreißprobe stellt.
Polizeiknüppel gegen „Verräter"-Rufe
Im Zentrum Belgrads kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, als Polizeibeamte mit Schlagstöcken gegen Demonstranten vorgingen, die ihnen „Hunde" und „Verräter" entgegenriefen. Die Polizei begründete die Durchsuchung der Universitätsräume mit Ermittlungen zum Tod einer 25-jährigen Studentin, die am vergangenen Freitag aus einem Fenster eines Fakultätsgebäudes gestürzt war. Doch die Universität sieht das ganz anders.
Rektor Vladan Djokic erklärte vor der aufgebrachten Menge, die Polizei sei ohne gültige rechtliche Grundlage in das Gebäude eingedrungen und habe nach Dokumenten gesucht sowie Computer beschlagnahmt. Seine Worte an die jubelnde Menge waren unmissverständlich:
„Ihr könnt Universitätsgebäude durchsuchen, aber ihr könnt nicht das Gewissen der Menschen durchsuchen."
Polizeidirektor Dragan Vasiljevic hielt dagegen. Die Beamten hätten auf Grundlage eines Gerichtsbeschlusses gehandelt und nach Beweismitteln im Zusammenhang mit dem Tod der Studentin gesucht. Bei der Durchsuchung seien Feuerwerkskörper, Funkgeräte, Gasmasken, Transparente und Erste-Hilfe-Material sichergestellt worden – Gegenstände, die eher auf organisierte Protestaktivitäten als auf akademische Forschung hindeuten.
Ein Land im Dauerprotest
Die Zusammenstöße sind kein isoliertes Ereignis. Seit Dezember 2024 wird Serbien von einer massiven Protestwelle erschüttert. Auslöser war der Einsturz eines Vordachs an einem Bahnhof in Novi Sad, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen – ein Unglück, das viele Serben als Symbol für die grassierende Korruption und Misswirtschaft im Land betrachten. Im vergangenen Jahr besetzten protestierende Studenten Universitätsgebäude in zahlreichen Städten des Landes, darunter auch das Hauptverwaltungsgebäude der Universität Belgrad.
Oppositionsführer, Menschenrechtsorganisationen und Demonstranten werfen dem populistischen Präsidenten Aleksandar Vučić und seinem Umfeld weitreichende Korruption, Verbindungen zur organisierten Kriminalität, Gewalt gegen politische Gegner und die systematische Unterdrückung der Pressefreiheit vor. Vučić und seine Verbündeten weisen sämtliche Anschuldigungen zurück.
Parallelen, die nachdenklich stimmen
Was in Serbien geschieht, sollte auch hierzulande aufmerksam verfolgt werden. Wenn Bürger das Vertrauen in ihre Regierung verlieren, wenn sie das Gefühl haben, dass Korruption und Vetternwirtschaft die politische Landschaft dominieren, dann brodelt es – früher oder später. Die serbischen Studenten zeigen, dass eine junge Generation nicht bereit ist, den Verfall rechtsstaatlicher Prinzipien stillschweigend hinzunehmen. Eine Lektion, die auch in Deutschland nicht vergessen werden sollte, wo das Vertrauen der Bürger in die politische Klasse seit Jahren erodiert.
Die Frage bleibt: Wie lange kann Vučić den wachsenden Druck noch standhalten? Und was passiert, wenn eine Regierung systematisch die Institutionen untergräbt, die eigentlich als Bollwerk gegen staatliche Willkür dienen sollten – wie eben die Universitäten? Die Bilder aus Belgrad sind eine Mahnung. Nicht nur für Serbien.
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