
Berliner Stromkrise entlarvt fatale Versäumnisse der Katastrophenvorsorge

Ein gezielter Anschlag auf die Strominfrastruktur im Berliner Südwesten hat die Hauptstadt in einen tagelangen Ausnahmezustand versetzt. Zehntausende Haushalte in Nikolassee, Wannsee, Zehlendorf und Lichterfelde harren seit Tagen ohne Elektrizität aus – bei Minusgraden und Schneefall. Während Notunterkünfte eingerichtet und Pflegeeinrichtungen evakuiert werden mussten, offenbart sich ein erschreckendes Bild der deutschen Krisenvorsorge.
Diesellokomotiven als Notstromlösung? Eine unbequeme Frage
Inmitten des Chaos wirft der ehemalige FDP-Politiker Marcel Luthe eine Frage auf, die auf den ersten Blick ungewöhnlich klingen mag, bei näherer Betrachtung jedoch durchaus berechtigt erscheint: Warum werden keine Diesellokomotiven zur Überbrückung der Stromversorgung herangezogen? Luthe verweist auf die Baureihe DB 218 und rechnet vor, dass bereits acht dieser Lokomotiven rechnerisch Elektrizität für Zehntausende Haushalte liefern könnten.
Die Reaktion der Deutschen Bahn fällt bezeichnend aus. Man arbeite eng mit Sicherheitsbehörden zusammen, weitergehende Angaben zu Notfallkonzepten könne man aus „nachvollziehbaren Gründen" nicht machen. Die Diesellokomotiven seien aus technischen Gründen nicht standardmäßig als Notstromaggregate einsetzbar. Punkt. Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Thematik? Fehlanzeige.
Internationale Vorbilder werden ignoriert
Luthe kontert diese Abwehrhaltung mit einem Verweis auf internationale Praxis:
„Die Umrüstung ist nicht ganz trivial, aber auch kein Hexenwerk, wie die USA und Kanada seit Jahrzehnten zeigen. Das notwendige Umnutzungsequipment hätte man vorhalten können, wenn man denn gewollt hätte."
Hier zeigt sich ein Muster, das für die deutsche Verwaltung leider allzu typisch geworden ist. Während andere Länder pragmatische Lösungen entwickeln und vorhalten, versteckt man sich hierzulande hinter bürokratischen Hürden und technischen Bedenken. Die Frage, ob die Bahn überhaupt von staatlichen Stellen um Unterstützung gebeten wurde, ließ das Unternehmen bezeichnenderweise unbeantwortet.
Senatsantworten von 2019 offenbaren erschreckende Lücken
Besonders brisant erscheint die Situation vor dem Hintergrund einer parlamentarischen Anfrage, die Luthe bereits im Sommer 2019 gestellt hatte. Damals wollte er wissen, wie Berlin auf einen länger andauernden Stromausfall vorbereitet sei. Die Antworten des Senats waren ernüchternd: Zwar verfügten die meisten Behörden über Notstromaggregate für mindestens 24 Stunden. Doch eine systematische Erfassung der tatsächlichen Versorgungsdauer oder der Treibstoffreserven existierte schlichtweg nicht.
Sechs Jahre später zeigt sich, dass diese Warnungen offenbar im Sande verlaufen sind. Der aktuelle Stromausfall wirkt wie ein brutaler Stresstest für Annahmen, die bislang nur auf dem Papier existierten. Mindestens sechs Tage wird es dauern, bis alle betroffenen Haushalte wieder versorgt sind – eine Zeitspanne, die für eine moderne Großstadt im 21. Jahrhundert schlicht inakzeptabel ist.
Senat verweist auf „komplexe technische Lösungen"
Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe erklärt auf Anfrage, man habe die Idee der Diesellokomotiven geprüft und verworfen. Der Einsatz stelle eine „komplexe technische Lösung" dar, die viel Personal und Zeit binde. Zudem stünden Diesellokomotiven üblicherweise auf Schienen und nicht dort, wo Strom konkret benötigt werde.
Diese Argumentation mag auf den ersten Blick schlüssig erscheinen. Sie offenbart jedoch ein grundlegendes Problem der deutschen Krisenvorsorge: Man denkt in etablierten Routinen und scheut vor unkonventionellen Lösungen zurück. Mobile Generatoren, Reparaturtrupps und Zuständigkeitsverweise sind eingeübt – alternative Versorgungsoptionen werden dagegen kaum ernsthaft in Betracht gezogen.
Die Bundeswehr muss einspringen
Dass mittlerweile mobile Netzersatzanlagen über die Bundeswehr angefordert werden mussten, spricht Bände über den Zustand der zivilen Notfallvorsorge. Eine Großstadt wie Berlin sollte in der Lage sein, einen derartigen Ausfall ohne militärische Hilfe zu bewältigen. Stattdessen zeigt sich einmal mehr, dass die Streitkräfte als Lückenbüßer für versäumte Investitionen in die zivile Infrastruktur herhalten müssen.
Ein Weckruf, der verhallen wird?
Der gezielte Anschlag auf die Berliner Strominfrastruktur ist mehr als nur ein lokales Ereignis. Er ist ein Weckruf für ganz Deutschland. In einer Zeit, in der die Energiewende vorangetrieben wird und gleichzeitig die Abhängigkeit von einer stabilen Stromversorgung steigt, erscheint die Vernachlässigung der Krisenvorsorge geradezu fahrlässig.
Die Frage nach der Notstromversorgung wird sich wieder stellen – spätestens beim nächsten Ausfall. Ob dieser durch einen weiteren Anschlag, extreme Wetterereignisse oder schlicht durch Überlastung eines maroden Netzes ausgelöst wird, ist dabei zweitrangig. Entscheidend ist, ob die Verantwortlichen endlich bereit sind, jenseits der Standardlösungen zu denken und in echte Resilienz zu investieren.
Die bisherige Bilanz lässt wenig Hoffnung aufkommen. Denn während Bürger bei Minusgraden frieren und Pflegeheime evakuiert werden müssen, verstecken sich Behörden und Unternehmen hinter technischen Bedenken und Zuständigkeitsfragen. Es ist ein Armutszeugnis für ein Land, das sich gerne als Vorreiter der Energiewende präsentiert – aber offenbar nicht einmal in der Lage ist, seine Hauptstadt im Ernstfall zuverlässig mit Strom zu versorgen.
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