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Kettner Edelmetalle
05.02.2026
07:00 Uhr

Blindflug bei der Netzsicherheit: Bundesregierung tappt nach Berliner Terroranschlag im Dunkeln

Der verheerende Terroranschlag auf eine Kabelbrücke im Berliner Südwesten hat nicht nur zehntausende Bürger tagelang in Kälte und Dunkelheit gestürzt – er hat auch eine erschreckende Wahrheit ans Licht gebracht: Die Bundesregierung hat schlichtweg keine Ahnung, wo die kritischen Schwachstellen im deutschen Stromnetz liegen. Ein Armutszeugnis für ein Land, das sich als Industrienation versteht und gleichzeitig eine chaotische Energiewende vorantreibt.

Der längste Blackout der Berliner Nachkriegsgeschichte

Was sich im Bezirk Steglitz-Zehlendorf abspielte, war kein gewöhnlicher Stromausfall. Bis zu 100.000 Einwohner saßen ohne Strom und Heizung in ihren Wohnungen – mitten im Winter. Die Instandsetzung der beschädigten Verbindung zog sich über mehrere Tage hin. Der Anschlag, der der linksextremen „Vulkangruppe" zugeschrieben wird, traf eine zentrale Verbindung im Berliner Stromnetz und löste damit den längsten Blackout der Hauptstadt seit dem Zweiten Weltkrieg aus.

Doch anstatt dass diese Katastrophe zu einem Weckruf für die politisch Verantwortlichen wurde, offenbart die Reaktion der Bundesregierung eine geradezu fahrlässige Ignoranz gegenüber den Risiken unserer kritischen Infrastruktur.

Keine Zahlen, kein Überblick, keine Verantwortung

Der Grünen-Abgeordnete Alaa Alhamwi stellte nach dem Vorfall eine Kleine Anfrage zur Netzsicherheit. Er wollte wissen, ob die Bundesregierung Schwachstellen im deutschen Stromnetz kennt, die aus fehlender sogenannter (n-1)-Sicherheit entstehen. Das Ergebnis ist erschütternd: Das Bundeswirtschaftsministerium musste eingestehen, dass weder der Bundesregierung noch der zuständigen Bundesnetzagentur Zahlen darüber vorliegen, wie viele Endkunden nicht ausreichend abgesichert sind.

„Es ist fatal, dass die Bundesregierung offenbar keinen Überblick über die Schwachstellen im deutschen Stromnetz hat. Statt diese systematisch zu analysieren, zieht sie sich aus der Verantwortung zurück und verweist auf die Netzbetreiber."

Diese scharfe Kritik des Abgeordneten Alhamwi trifft den Nagel auf den Kopf. Wie kann es sein, dass ein Land, das Milliarden in fragwürdige Energieprojekte pumpt und gleichzeitig seine Kernkraftwerke abschaltet, nicht einmal weiß, wo die neuralgischen Punkte seiner Stromversorgung liegen?

Das (n-1)-Prinzip: Sicherheit nur auf dem Papier

Das (n-1)-Prinzip gilt als Kernregel der Netzplanung. Es verlangt, dass das System auch dann stabil bleibt, wenn eine einzelne Komponente ausfällt – sei es ein Transformator oder ein Stromkreis. Im Höchst- und Hochspannungsnetz sollen laut Planungsgrundsätzen 100 Prozent der Kunden nach diesem Prinzip abgesichert sein.

Doch hier beginnt das eigentliche Problem: Mit sinkender Spannungshöhe steigt die Zahl der Endkunden ohne diese Absicherung dramatisch an. In der Mittel- und Niederspannung – also genau dort, wo Haushalte und Betriebe direkt versorgt werden – ist die (n-1)-Planung nicht zwingend vorgeschrieben. Redundanzen hängen von lokalen Ausbauten und Betreiberentscheidungen ab. Die Versorgungssicherheit wird damit zum Flickenteppich.

Strukturelles Risiko durch fehlende Vorgaben

Was bedeutet das konkret? Ein gezielter Angriff oder auch nur ein technischer Defekt kann in bestimmten Regionen sofort zu großflächigen Ausfällen führen, während andere Gebiete besser geschützt sind. Der Berliner Blackout hat diese Realität schmerzhaft sichtbar gemacht. Eine einzige beschädigte Verbindung reichte aus, um große Teile eines Bezirks lahmzulegen.

Verantwortung wird abgeschoben

Die Antwort der Bundesregierung auf die berechtigten Fragen zur Netzsicherheit ist ein Paradebeispiel für politisches Versagen. Anstatt Verantwortung zu übernehmen, verweist man auf die Zuständigkeit der Netzbetreiber. Es obliege den Unternehmen, das Stromnetz nach den gültigen Planungsgrundsätzen auszulegen. Wie systematisch Schwachstellen erfasst werden und wie konsequent die Einhaltung überprüft wird, bleibt im Dunkeln.

Diese Haltung ist nicht nur bequem, sie ist gefährlich. Wer kritische Knotenpunkte nicht kennt, kann Schutzmaßnahmen nicht priorisieren. Wer keine Zahlen zur fehlenden Sicherheit hat, kann Risiken nicht bewerten. Die Bundesregierung setzt damit die Energiesicherheit der Menschen und Unternehmen in Deutschland aufs Spiel – und das in einer Zeit, in der die Bedrohung durch Terrorismus und Sabotage nachweislich zunimmt.

Ein Warnsignal, das verhallen könnte

Der Terroranschlag in Berlin hätte ein Wendepunkt sein können. Ein Moment, in dem die politisch Verantwortlichen erkennen, dass kritische Infrastruktur mehr Schutz und vor allem mehr Transparenz braucht. Stattdessen erleben wir das übliche Spiel: Verantwortung wird abgeschoben, konkrete Maßnahmen bleiben aus, und die Bürger werden mit der Hoffnung zurückgelassen, dass der nächste Anschlag nicht ihre Nachbarschaft trifft.

Die Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur läuft zwar intensiver, doch ohne belastbare Daten und klare Zuständigkeiten wird sie folgenlos bleiben. Deutschland leistet sich den Luxus, Milliarden für ideologisch motivierte Energieprojekte auszugeben, während die grundlegende Sicherheit der Stromversorgung vernachlässigt wird. Das ist nicht nur fahrlässig – es ist ein Versagen, das im Ernstfall Menschenleben kosten kann.

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