
Bosch spaltet sich auf: Rettungsplan oder teure Fassade?

Der weltgrößte Autozulieferer baut sich um. Bosch lagert seine Mobility-Sparte und drei zentrale Dienstleistungsbereiche in vier eigenständige GmbHs aus. Rund 62.500 Beschäftigte in Deutschland wechseln damit in neue Gesellschaften. Der Stiftungskonzern aus Gerlingen bei Stuttgart hat die Pläne am Donnerstag vorgestellt. Hinter dem Schritt steckt vor allem eines: Bosch verdient zu wenig Geld.
Vier neue Firmen, eine schlanke Zentrale
Neben Mobility werden die IT-Einheit Bosch Digital, der Bereich Global Business Services und die Immobiliensparte Global Real Estate ausgegliedert. Alle vier sollen als hundertprozentige Töchter der Bosch-Gruppe arbeiten. Laut Medienberichten starten sie operativ am 1. August 2027, abgeschlossen sein soll der Umbau Ende 2027. Die bestehenden Arbeitsverträge der Beschäftigten gehen auf die neuen Gesellschaften über.
Der Robert Bosch GmbH bleiben dann im Wesentlichen die Zentrale und die Vorausentwicklung. Sie soll künftig nur noch steuern und sich aus dem Tagesgeschäft heraushalten. Vorstandschef Christian Fischer will Innovationen nach eigenen Worten „noch schneller in den Markt“ bringen. Einem Wirtschaftsblatt sagte er, Bosch müsse „die Schlagzahl erhöhen“.
Milliardenumsatz, aber kaum Gewinn
Wie dringend das ist, zeigen die Zahlen. Mobility hat 2025 rund 55,8 Milliarden Euro umgesetzt, das sind etwa 60 Prozent des Konzernumsatzes. Die operative EBIT-Rendite der Sparte lag aber bei mageren 1,8 Prozent. Spartenchef Markus Heyn spricht trotzdem von einer „Position der Stärke“. Das klingt angesichts dieser Rendite ziemlich optimistisch.
Für den ganzen Konzern sieht es nicht besser aus. Bosch hat 2025 insgesamt 91 Milliarden Euro umgesetzt und operativ nur zwei Prozent davon verdient. Unter dem Strich stand ein Verlust von rund 400 Millionen Euro, belastet durch 2,7 Milliarden Euro Restrukturierungskosten. Die Eigenkapitalquote liegt zwar bei soliden 41,6 Prozent. Für die teuren Investitionen in Software und Elektromobilität fehlt aber die Ertragskraft.
Die KostenlĂĽcke wird nicht kleiner
Bei Mobility klafft nach Angaben von Bosch eine jährliche Kostenlücke von rund 2,5 Milliarden Euro. Bis 2030 sollen deshalb zusätzlich etwa 13.000 Stellen wegfallen, die meisten in Deutschland. Insgesamt summiert sich der angekündigte Abbau hierzulande Berichten zufolge auf mehr als 20.000 Jobs. Im ersten Halbjahr 2026 fiel die Rendite von Mobility auf 4,7 Prozent, nach 5,8 Prozent ein Jahr zuvor. Dazu kamen Wertminderungen von 270 Millionen Euro auf Produktionsanlagen, weil die E-Mobilität langsamer anläuft als erwartet.
Hier zeigt sich, was die politisch gewollte Antriebswende kostet. Berlin und Brüssel haben das Tempo vorgegeben, den Preis dafür zahlen jetzt Zulieferer und ihre Beschäftigten. Gleichzeitig wird die Konkurrenz aus China immer stärker.
Die Ratingagenturen schauen genau hin
Auch an den Kapitalmärkten wird es ungemütlicher. Standard & Poor's bewertet Bosch mit A und stabilem Ausblick. Fitch gibt ebenfalls ein A, hat den Ausblick aber im Februar auf negativ gesetzt. Das ist noch keine Herabstufung, aber eine deutliche Warnung. Bosch selbst sagt, ein Rating im A-Bereich sei wichtig, um sich am Kapitalmarkt zu finanzieren.
Wird hier ein Verkauf vorbereitet?
Offiziell hat Bosch nicht vor, Teile zu verkaufen, und auch ein Börsengang sei laut Unternehmen nicht geplant. Eigene GmbHs machen spätere Partnerschaften, Beteiligungen oder Verkäufe aber grundsätzlich leichter. Beobachter fragen sich deshalb, ob sich der Konzern damit vorsorglich Optionen für den Ernstfall offenhält. Der Betriebsrat will den Umbau Medienberichten zufolge „kritisch und konstruktiv“ begleiten.
Ein neues Organigramm allein reicht nicht
Eine neue Rechtsform verkürzt weder Entwicklungszeiten, noch senkt sie Herstellkosten. Entscheidend ist, ob tatsächlich Hierarchieebenen und Gremien wegfallen. Das liegt vor allem am mittleren Management, und zwar auch dann, wenn dabei die eigenen Posten überflüssig werden. Fischer hat angekündigt, mehr Unternehmergeist an die Stelle von Absicherungsdenken zu setzen. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht im Organigramm, sondern in der Bilanz.
Für den Industriestandort Deutschland steht viel auf dem Spiel. Wenn ein Traditionskonzern wie Bosch so stark umbauen muss, ist das ein Alarmsignal für den ganzen Standort: hohe Energiepreise, viel Bürokratie und eine Industriepolitik nach Plan setzen dem Mittelstand und den Großen gleichermaßen zu. Ob die vier neuen GmbHs echte Erneuerung bringen oder nur alte Strukturen neu verpacken, wird sich in den nächsten zwei Jahren zeigen.
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