
Britische Staatsanleihen im Sinkflug: Epstein-Skandal erschüttert Starmers Regierung
Die politische Krise auf der britischen Insel spitzt sich dramatisch zu. Was als diplomatische Fehlentscheidung begann, entwickelt sich nun zu einem veritablen Finanzmarkt-Beben, das die Grundfesten der Labour-Regierung erschüttert. Die Renditen britischer Staatsanleihen schossen am Donnerstag in die Höhe, während das Pfund Sterling gleichzeitig massiv an Wert einbüßte. Ein Szenario, das Anleger weltweit aufhorchen lässt.
Vertrauensverlust an den Märkten
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Zehnjährige britische Staatsanleihen erreichten mit 4,605 Prozent den höchsten Stand seit November vergangenen Jahres. Noch dramatischer präsentiert sich die Lage bei den dreißigjährigen Papieren, die besonders sensibel auf Verschuldungssorgen reagieren. Diese rentierten zeitweise bei beachtlichen 5,406 Prozent – ein Niveau, das seit der letzten Haushaltsvorstellung nicht mehr erreicht wurde.
Was treibt die Märkte in diese Nervosität? Es ist die wachsende Unsicherheit über die politische Zukunft von Premierminister Keir Starmer, der vor gerade einmal 18 Monaten noch mit überwältigender Mehrheit ins Amt gewählt wurde. Wie schnell sich das Blatt wenden kann, zeigt dieser Fall eindrucksvoll.
Der Epstein-Schatten über Downing Street
Im Zentrum des Skandals steht die Ernennung von Peter Mandelson zum US-Botschafter – ein Labour-Urgestein und enger Vertrauter Starmers. Das Problem: Bei der obligatorischen Sicherheitsüberprüfung wurden dessen Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt. Trotz dieser brisanten Erkenntnisse hielt Starmer zunächst an der Ernennung fest.
Die britische Presse geht entsprechend hart mit dem Premier ins Gericht. Die Daily Mail sieht Starmer in „großer Gefahr", während die Times berichtet, er kämpfe um seine politische Zukunft. Kürzlich veröffentlichte Dokumente enthüllten, dass Mandelson auch nach Epsteins Verurteilung wegen Sexualdelikten an Minderjährigen im Jahr 2008 weiterhin freundschaftlichen Kontakt zu dem Finanzier pflegte.
„Es tut mir leid, dass ich Mandelsons Lügen geglaubt und ihn ernannt habe", erklärte Starmer am Donnerstag in einer bemerkenswerten Entschuldigung an die Epstein-Opfer.
Politische Instabilität als Marktrisiko
Die Politikberatung Eurasia Group beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass Starmer noch in diesem Jahr durch eine parteiinterne Revolte gestürzt wird, auf erschreckende 80 Prozent. Eine Zahl, die Investoren aufschrecken lässt – denn mit einem Führungswechsel könnte sich auch die wirtschaftspolitische Ausrichtung Großbritanniens grundlegend ändern.
„Die Märkte sind besorgt, wer Starmer ersetzen könnte und was das für die Richtung der Fiskalpolitik bedeutet", analysiert Ökonom Cathal Kennedy von der Royal Bank of Canada. Als wahrscheinlichste Nachfolgerin gilt Angela Rayner, die dem linken Flügel der Labour-Partei zugerechnet wird.
Droht eine Abkehr von der Haushaltsdisziplin?
Matthew Amis vom Vermögensverwalter Aberdeen Investments bringt die Sorgen der Anleger auf den Punkt: „Rayner gilt als weiter links stehend, weshalb der Markt eine lockerere Fiskalpolitik und ein größeres Angebot an Staatsanleihen erwarten würde." Eine Aussicht, die angesichts der ohnehin angespannten britischen Staatsfinanzen wenig Begeisterung auslöst.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie eng politische Stabilität und Finanzmarktvertrauen miteinander verwoben sind. Während Starmer im September Mandelson zwar entließ, nachdem belastende E-Mails an die Öffentlichkeit gelangt waren, scheint der Schaden bereits angerichtet. Die Frage, die sich nun stellt: Kann sich ein Premierminister halten, dessen Urteilsvermögen derart in Zweifel gezogen wird?
Für konservative Beobachter dürfte dieser Skandal einmal mehr bestätigen, dass linke Regierungen häufig an ihren eigenen moralischen Ansprüchen scheitern. Die britischen Wähler, die vor nicht allzu langer Zeit auf einen Neuanfang hofften, sehen sich nun mit einer Regierung konfrontiert, die bereits nach kurzer Zeit in schwerem Fahrwasser navigiert.

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