
Brüssels Gas-Poker: Öffnet die EU eine Hintertür für russisches Gas über US-Umwege?

Die Europäische Union inszeniert sich gerne als standhafter Verfechter von Sanktionen gegen Russland. Doch hinter den Kulissen zeichnet sich ein bemerkenswertes Schauspiel ab, das die vermeintliche Prinzipientreue Brüssels in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lässt. Mit dem geplanten vollständigen Ausstieg aus russischem Gas ab 2027 droht der europäischen Wirtschaft ein empfindlicher Engpass – und die EU-Kommission scheint bereits an einem eleganten Ausweg zu arbeiten.
Schlupflöcher für ausgewählte Lieferanten
Ein Reuters vorliegender Entwurf der EU-Kommission offenbart eine bemerkenswerte Doppelmoral: Während künftig alle Gaslieferungen einer strengen „Vorabgenehmigung" unterzogen werden sollen, um die Herkunft des Energieträgers zu überprüfen, werden ausgerechnet die größten Lieferanten von dieser Kontrolle ausgenommen. Die USA, Norwegen, Katar, Großbritannien, Algerien und Nigeria dürfen demnach ohne nennenswerte Überprüfung Gas in die EU liefern.
Die offizielle Begründung klingt fast schon naiv: Das Risiko, dass über diese Länder russisches Gas eingeschleust werde, sei gering. Doch wer garantiert, dass amerikanische Energiekonzerne nicht längst russisches Gas aufkaufen und unter eigenem Label weiterverkaufen? Die Frage, was geschehen würde, sollte etwa ein US-Unternehmen die beschädigte Nord-Stream-Pipeline erwerben, lässt die Kommission bezeichnenderweise unbeantwortet.
Drakonische Strafen für die Kleinen, Freifahrtschein für die Großen
Besonders pikant erscheint das geplante Strafmaß für Verstöße gegen die neuen Vorschriften. Einzelpersonen drohen Höchststrafen von mindestens 2,5 Millionen Euro, während Unternehmen mit Sanktionen von mindestens 40 Millionen Euro oder bis zu 3,5 Prozent ihres weltweiten Jahresumsatzes rechnen müssen. Diese Regelungen gelten jedoch offenkundig nur für jene, die nicht das Privileg genießen, zu den bevorzugten Lieferanten zu gehören.
„Wir müssen ihn umgehen, wir müssen seine Umsetzung verhindern."
Mit diesen deutlichen Worten kündigte Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán seinen Widerstand gegen den Brüsseler Beschluss an. Für sein Land sei ein Verzicht auf russisches Gas schlicht nicht möglich. Die ungarische Regierung hat angesichts der extremen Kälte im Januar bereits einen 30-prozentigen Rabatt auf Gas- und Stromrechnungen für Haushalte gewährt – eine Maßnahme, die auf Dauer kaum tragbar sein dürfte.
Deutsche Industrie warnt vor Abwanderung
Während die Bundesregierung den vollständigen Stopp russischer Gaslieferungen unverdrossen unterstützt, mehren sich die Warnungen aus der Wirtschaft. Martin Naundorf, Vertriebsleiter bei der Infra Leuna GmbH, brachte die Sorgen der Industrie auf den Punkt: Die Entscheidung verknappe das Angebot und führe ohne Alternativen zu weiter steigenden Preisen. Aktuell stammten noch etwa 20 Prozent der europäischen Gasimporte aus Russland.
Die Konsequenzen könnten dramatisch sein: Sollte das fehlende Gas nicht durch Kohle oder Kernkraft kompensiert werden, drohe eine Abwanderung der Industrie. Naundorf kritisierte, man hätte sich „parallel zu Ausstiegsentscheidungen auch über Alternativen Gedanken machen" sollen. Eine Kritik, die angesichts der ideologiegetriebenen Energiepolitik der vergangenen Jahre geradezu prophetisch anmutet.
Versorgungslücke von 17 Prozent droht
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Vor 2022 lieferte Russland mehr als 40 Prozent des EU-Gasbedarfs. Dieser Anteil sank bis 2025 auf rund 13 Prozent. Erschwerend kommt hinzu, dass auch Norwegen seine Produktion im Jahr 2025 um 12 Prozent zurückgefahren hat. Im Ergebnis könnten die Gas-Importe in die EU im Jahr 2026 im Saldo um 17 Prozent sinken – ein Schock für die ohnehin angeschlagene europäische Wirtschaft ist nicht auszuschließen.
Die EU-Kommission hat den Ball elegant an die Mitgliedsstaaten zurückgespielt: Bis zum 1. März 2026 – einer bemerkenswert kurzen Frist – müssen nationale Pläne zur Diversifizierung der Gasversorgung vorgelegt werden. Ob diese Pläne mehr als Makulatur sein werden, darf bezweifelt werden. Die Hintertür für amerikanisches Gas, das möglicherweise russischen Ursprungs ist, könnte sich als der eigentliche Plan B erweisen.
In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und drohender Energieengpässe erscheint es umso wichtiger, das eigene Vermögen breit zu streuen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich über Jahrhunderte als verlässlicher Wertspeicher in Krisenzeiten bewährt und können eine sinnvolle Ergänzung eines diversifizierten Anlageportfolios darstellen.

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