
Chinesisches Neujahrsfest als Einfallstor: Edelmetalle unter Beschuss, während die Welt feiert
Wenn halbe Kontinente feiern, wittern Spekulanten ihre Chance. Was sich am gestrigen Montag und in den Folgetagen an den globalen Märkten abspielte, ist ein Lehrstück darüber, wie verwundbar selbst die solidesten Anlageklassen werden können, sobald wichtige Marktteilnehmer abwesend sind. Nordamerika feierte, China feierte – und Gold sowie Silber gerieten prompt unter Druck.
Feiertags-Vakuum an den Weltmärkten
Die Amerikaner begingen ihren traditionellen „Presidents Day", die Kanadier den „Family Day". Beide Aktienmärkte blieben geschlossen. Gleichzeitig startete in China das Chinesische Neujahrsfest, das offiziell bis zum 3. März andauere, wobei die staatlichen Feiertage bis zum 22. Februar gelten würden. Das Ergebnis: Ein regelrechtes Vakuum an den internationalen Finanzmärkten, das sich unmittelbar auf die Handelsvolumina und die Preisfindung auswirkte.
Besonders deutlich zeigte sich die Orientierungslosigkeit am australischen Aktienmarkt. Ohne die Leitbörsen in den USA und China wirkten die Händler in Sydney geradezu verloren. Die Umsätze fielen auffällig niedrig aus, der Markt dümpelte richtungslos vor sich hin. Einziger Lichtblick war der Bergbauriese BHP, der mit einem starken Halbjahresergebnis glänzen konnte.
BHP als einsamer Gewinner – doch zu welchem Preis?
Der Rohstoffgigant meldete für das Dezember-Halbjahr einen Gesamtumsatz von 27,9 Milliarden US-Dollar und ein EBITDA von knapp 15,5 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem Anstieg von 11 beziehungsweise 25 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Konzerngewinn sei um satte 28 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar gestiegen. Besonders die Dividendenerhöhung auf 73 Cent pro Aktie – 18 Prozent über den Analystenerwartungen und 46 Prozent mehr als die letzte Zwischenausschüttung – sorgte für Euphorie. Die Aktie legte um rund 4,7 Prozent zu.
Doch solche Einzelerfolge können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Aktienmärkte generell von einer Fragilität geprägt sind, die nachdenklich stimmen sollte. Ein einziger Feiertag in zwei Schlüsselmärkten genügt, und schon herrscht Ratlosigkeit. Wer sein Vermögen ausschließlich in Aktien parkt, sollte sich fragen, wie belastbar diese Anlageform in echten Krisenzeiten wirklich ist.
Gold und Silber im Fadenkreuz der Spekulanten
Weitaus beunruhigender als die Lethargie am Aktienmarkt war jedoch das, was sich bei den Edelmetallen abspielte. Gold zeigte sich am Morgen deutlich schwächer. Das ist kein Zufall. Es sei ein bekanntes Muster, dass Gold attackiert werde, sobald die chinesischen Marktteilnehmer nicht mit von der Partie seien. China ist bekanntlich einer der größten Goldnachfrager weltweit – fällt dieser Käufer temporär weg, nutzen kurzfristig orientierte Spekulanten die Gelegenheit, um die Preise zu drücken.
Noch dramatischer traf es Silber. Ein Minus von über 4,5 Prozent am Morgen – eine heftige Bewegung, die einmal mehr zeigt, wie anfällig der Silbermarkt für kurzfristige Manipulationsversuche ist, wenn wichtige Nachfrager fehlen. Technisch kämpfte der Silber-Future um die 50-Prozent-Unterstützung bei rund 75 US-Dollar. Die Umsätze waren gering, das Metall wirkte überverkauft.
Ein altbekanntes Spiel mit System
Wer die Edelmetallmärkte seit Jahren beobachtet, kennt dieses Muster nur zu gut. Die Festwoche zum chinesischen Neujahrsfest war in der Vergangenheit nicht selten eine gefährliche Phase für Gold und Silber. Wenn der weltweit größte physische Goldkäufer – China – vorübergehend vom Markt verschwindet, werden die Preise angreifbar. Es wäre naiv zu glauben, dass dies nicht von bestimmten Marktteilnehmern gezielt ausgenutzt würde.
Doch genau hier liegt auch die Chance für den weitsichtigen Anleger. Kurzfristige Preisrückgänge bei physischen Edelmetallen sind keine Katastrophe – sie sind Kaufgelegenheiten. Wer versteht, dass solche Bewegungen nichts mit den fundamentalen Stärken von Gold und Silber zu tun haben, sondern rein technischer und spekulativer Natur sind, der kann diese Phasen nutzen, um seine Bestände aufzubauen.
Warum physische Edelmetalle gerade jetzt unverzichtbar sind
In einer Welt, in der die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen plant – was nichts anderes als gigantische Schulden bedeutet –, in der die Inflation weiter an der Kaufkraft des Bürgers nagt und in der geopolitische Spannungen vom Ukraine-Krieg bis zur Eskalation im Nahen Osten die Unsicherheit auf ein neues Niveau treiben, sind physische Edelmetalle kein Luxus. Sie sind eine Notwendigkeit.
Gold hat über Jahrtausende seinen Wert bewiesen. Keine Regierung kann es drucken, keine Zentralbank kann es beliebig vermehren. Während Papiergeld durch politische Fehlentscheidungen und schuldenfinanzierte Wahlgeschenke systematisch entwertet wird, bleibt Gold das, was es immer war: der ultimative Wertspeicher. Und Silber, das industriell unverzichtbare Edelmetall, dürfte langfristig von der steigenden Nachfrage aus der Technologiebranche zusätzlich profitieren.
Die aktuelle Schwächephase während des chinesischen Neujahrsfestes sollte daher nicht als Warnsignal, sondern als das interpretiert werden, was sie ist: eine vorübergehende, technisch bedingte Delle in einem intakten Aufwärtstrend. Sobald die chinesischen Märkte wieder öffnen und die Nachfrage zurückkehrt, dürften die Preise ihren Weg nach oben fortsetzen.
Abwarten und beobachten – aber nicht den Kopf verlieren
Die kluge Strategie in solchen Phasen lautet: Ruhe bewahren, die Entwicklung beobachten und bei günstigen Kursen zugreifen. Wer jetzt in Panik verkauft, spielt genau jenen Spekulanten in die Hände, die von solchen Feiertags-Attacken profitieren wollen. Physische Edelmetalle gehören als fester Bestandteil in jedes breit gestreute Anlageportfolio – gerade in Zeiten wie diesen, in denen politische Unsicherheit und fiskalische Verantwortungslosigkeit Hand in Hand gehen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir empfehlen, vor jeder Investitionsentscheidung einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Überlegungen entstehen könnten, übernehmen wir keinerlei Haftung.

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