
Citi ruft 90 Dollar aus: Steht Silber vor dem großen Sprung?

Die US-Großbank Citi bleibt bei ihrer offensiven Prognose für Silber. In einer aktuellen Mitteilung an Kunden bestätigen die Analysten laut Berichten ihre Preisziele: 75 US-Dollar je Unze auf Sicht von null bis drei Monaten – und 90 US-Dollar innerhalb von sechs bis zwölf Monaten. Ausgangspunkt ist ein Silberpreis von rund 65 Dollar.
Zur Einordnung: Nach Marktdaten notierte Silber am 13. August bei knapp 65 Dollar, nachdem es zuvor ein Sieben-Wochen-Hoch erreicht hatte. Im Jahresvergleich steht damit ein Plus von über 70 Prozent zu Buche.
Der Hebel auf Gold – mit allen Konsequenzen
Silber gilt bei Citi als klassischer Hebel auf Gold. Heißt im Klartext: Läuft Gold, läuft Silber meist stärker. Fällt Gold, fällt Silber tiefer. Dieses höhere Beta ist Chance und Risiko zugleich.
Wer das für Theorie hält, muss nur auf das laufende Jahr blicken. Marktdaten zufolge kostete die Unze am 26. Januar 2026 in der Spitze 115 Dollar – aktuell sind es rund 44 Prozent weniger. Silber ist kein Sparbuch, sondern ein Nervenspiel.
Zwei Schalter entscheiden über die Rallye
Citi macht die Prognose an zwei Makrofaktoren fest: einer möglichen Entspannung an der Straße von Hormus und einem weniger restriktiven Kurs der US-Notenbank. Zuletzt hätten hohe Realrenditen und ein fester Dollar das Metall gebremst – diese Bremsen sollten zwischen September und Dezember nachlassen, so die Einschätzung der Bank.
Ob diese Rechnung aufgeht, ist offen. Die US-Verbraucherpreise sind im Juli auf 3,4 Prozent gefallen, dennoch preisen die Märkte Berichten zufolge weiter eine spürbare Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung im September ein. Und die Hoffnungen auf eine Öffnung der Meerenge am Persischen Golf halten sich hartnäckig in Grenzen.
Solar schwächelt – doch das Defizit bleibt
Spannend ist die Verschiebung der Treiber. Nicht die Industrie, sondern die Investmentnachfrage soll den Preis künftig dominieren. Im Solarsektor zeichnet sich laut Citi eine strukturelle Verlangsamung ab: Materialeinsparungen und die effizientere Back-Contact-Zelltechnologie drücken den Silbereinsatz je Modul. Bis 2028 könnte diese Technologie zum Standard werden.
Rückenwind liefert dagegen Indien. Dort signalisiert ein lokaler Aufpreis von rund sieben Prozent eine außergewöhnlich hohe physische Nachfrage. Zur Fest- und Hochzeitssaison im vierten Quartal erwartet die Bank einen zusätzlichen Schub.
Entscheidend für die langfristige Perspektive: Citi rechnet mindestens bis 2027 mit einem globalen Angebotsdefizit. Künstliche Intelligenz, 5G-Ausbau und Elektromobilität sollen den Dämpfer aus der Solarbranche weitgehend auffangen.
Was Anleger daraus mitnehmen sollten
Analystenziele sind keine Fahrpläne, sondern Momentaufnahmen. Wer sich an solchen Zahlen orientiert, sollte wissen: Sie werden regelmäßig kassiert, wenn die Realität dazwischenfunkt.
Bemerkenswert bleibt dennoch die Grundkonstellation. Ein Metall, das industriell verbraucht wird, das seit Jahren mehr nachgefragt als gefördert wird – und das in einer Welt aus Rekordverschuldung, Handelskonflikten und geopolitischen Brandherden zugleich als monetärer Sachwert gilt. Physische Edelmetalle können deshalb eine sinnvolle Ergänzung in einem breit gestreuten Vermögen sein – als Versicherung, nicht als Spekulation auf ein Kursziel.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung und keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.
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