
Clan-Chef auf Linken-Party: Reichinnek findet die Kritik „geil“!

Seit Tagen wirft der Auftritt von Clan-Chef Issa Remmo auf einer Wahlparty der Berliner Linken Fragen auf. Jetzt meldet sich Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek zu Wort. Von Reue ist nichts zu hören: Die Empörung sei für sie ein Beleg dafür, dass ihre Partei Erfolg habe, erklärte sie am Sonntag in einem Video-Podcast.
Triumph statt Selbstkritik
Im Podcast „Take Me Späti“ sagte die Fraktionschefin über die vielen kritischen Berichte schlicht: „Ich find’s geil.“ Hinter der Berichterstattung stecke aus ihrer Sicht die Sorge, dass sich mit dem Wahlerfolg der Linken tatsächlich „etwas an den Grundfesten des politischen Systems“ ändere.
Zum Besuch des Clan-Chefs sagte sie: „Der war einfach da. Wir haben keinen Zaun um unsere Wahlpartys.“ Die Partei habe sich sofort distanziert. Hinter der anhaltenden Kritik vermutet sie eine tief sitzende Angst vor politischem Wandel.
Man darf sich fragen, was Bürger davon halten, die in Neukölln seit Jahren mit den Folgen organisierter Kriminalität leben. Wer so ein Thema als Kompliment an sich selbst verbucht, zeigt aus Sicht vieler Beobachter vor allem eines: ein erstaunliches Gespür für die eigene Inszenierung und wenig Gespür für die Sorgen der Menschen.
Was am Wahlabend geschah
Remmo war am Abend der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September bei der öffentlichen Feier des Neuköllner Linken-Bezirksverbands erschienen. Die Linke hatte die Wahl laut vorläufigem Ergebnis mit rund einem Viertel der Stimmen klar gewonnen, erstmals lag sie in der Hauptstadt vor der CDU.
Nach Angaben der Partei war Remmo nicht eingeladen. Spitzenkandidatin Elif Eralp sagte im ZDF: „Er war nicht eingeladen und wurde wieder rausgeschickt.“ Der Bezirksverband betonte, es gebe „weder politische noch persönliche Beziehungen“ zu Remmo.
Der Clan-Chef sieht das offenbar anders. Der Berliner Morgenpost sagte er nach seinem Besuch, er freue sich über die Partei und fühle sich zum ersten Mal in Deutschland von einer Partei unterstützt. Ein Lob, auf das jede Partei wohl lieber verzichten würde.
Eine Familie mit Strafakte
Einen Teil der mehrere hundert Mitglieder zählenden Remmo-Großfamilie rechnet die Berliner Polizei dem kriminellen Clanmilieu zu. Mehrere Angehörige wurden wegen schwerer Straftaten verurteilt. Bundesweit bekannt wurden der Diebstahl der 100 Kilogramm schweren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Berliner Bode-Museum im Jahr 2017 und der Juwelenraub im Dresdner Grünen Gewölbe 2019. Die Goldmünze ist bis heute verschwunden.
Die Affäre zieht Kreise
Beendet ist die Sache für die Linke damit nicht. Medienberichten zufolge geriet der Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak wegen Fotos mit Remmo und anderen umstrittenen Kontakten in die Kritik. Er lässt seine Funktionen im Bundestag vorerst ruhen. In einer Aktuellen Stunde im Bundestag musste sich die Partei außerdem Vorwürfen der Nähe zum Clanmilieu stellen. Die Grünen forderten Reichinnek laut Berichten auf, gegen Koçak vorzugehen.
Der Fingerzeig auf die CDU
Reichinnek ging im Podcast zum Gegenangriff über. Remmo sei schon einmal über die CDU ins Abgeordnetenhaus gelangt, sagte sie. Das stimmt: Im Januar 2025 besuchte er mit einer Gruppe einer syrischen Gemeinde das Parlament. Organisiert hatte die Führung der CDU-Abgeordnete Christian Zander.
Zander erklärte damals allerdings, er habe von Remmos Teilnahme nichts gewusst. Die Gemeinde habe die Gruppe selbst zusammengestellt.
„Ich habe keine Mitglieder der Familie Remmo eingeladen und würde dies auch niemals tun.“
Einen Unterschied gibt es trotzdem: Von Begeisterung über die folgende Kritik war bei Zander nichts zu hören. Die Linke will in Berlin bald Regierungsverantwortung übernehmen. Sie müsste sich daran messen lassen, wie ernst sie den Kampf gegen Clankriminalität nimmt. Ein launiges „Ich find’s geil“ dürfte dafür nicht reichen.

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