
Das Schweizer Gold-Paradoxon: Warum die SNB als einzige Notenbank kein Edelmetall kauft

Während Zentralbanken von Peking bis Warschau ihre Goldreserven mit geradezu fieberhafter Entschlossenheit aufstocken, herrscht in den ehrwürdigen Hallen der Schweizerischen Nationalbank eine bemerkenswerte Stille. Die SNB, jene Institution, die eigentlich als Hüterin der stabilsten Währung der Welt gilt, verweigert sich dem globalen Trend zur Goldakkumulation. Was auf den ersten Blick wie monetäre Ignoranz erscheinen mag, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als systemisches Dilemma von erschreckender Tragweite.
Der goldene Käfig der Alpenrepublik
Die Schweizerische Nationalbank ist zur Gefangenen ihrer eigenen Bilanz geworden – ein Opfer des eigenen Erfolges, wenn man so will. Seit der Finanzkrise 2007 hat sich die Bilanzsumme der SNB von bescheidenen 100 Milliarden auf monströse 900 Milliarden Schweizer Franken aufgebläht. Ein Zuwachs von 800 Prozent, der die gesamte Wirtschaftsleistung der Eidgenossenschaft mittlerweile um über 110 Prozent überragt. Diese Zahlen sind nicht bloß abstrakte Statistiken – sie sind das Symptom eines fundamentalen Problems im globalen Finanzsystem.
Der Schweizer Franken fungiert seit jeher als ultimativer Fluchthafen für verunsichertes Kapital. Sobald geopolitische Erschütterungen oder monetäre Krisen die Welt heimsuchen, strömt das Geld der Wohlhabenden in die Alpenrepublik. Was für die Schweiz zunächst profitabel erscheint, birgt jedoch systemische Risiken von erheblichem Ausmaß.
Die SNB als größter Hedgefonds der Welt
Um dem permanenten Aufwertungsdruck auf den Franken entgegenzuwirken, hat die SNB eine bemerkenswerte Strategie entwickelt: Sie agiert wie ein gigantischer Hedgefonds. Die Notenbank druckt Schweizer Franken, tauscht diese in ausländische Währungen und kauft damit internationale Aktien und Anleihen. Laut SEC-Filings hält die SNB heute Aktien von Apple, Nvidia, Microsoft und Amazon im Wert von jeweils über 10 Milliarden Dollar.
Die SNB druckt Tranchen von Schweizer Franken, tauscht sie in ausländische Währungen und kauft dafür Aktien von Nvidia und Apple oder Euro-Bundesanleihen. Das ist der Da-Vinci-Pinselstrich im monetären Gemälde der SNB.
Die Ironie dieser Konstruktion offenbarte sich in den Geschäftszahlen für 2025: Die SNB wies einen Gewinn von rund 26 Milliarden Franken aus. Doch dieser Gewinn stammte nicht aus dem vermeintlich genialen Aktiengeschäft. Im Gegenteil – mit ihren Fremdwährungspositionen machte die Nationalbank rund 9 Milliarden Franken Verlust. Gerettet wurde die Bilanz einzig durch einen Bewertungsgewinn von über 36 Milliarden Franken auf dem Goldbestand. Das Asset, das die SNB seit Jahren strategisch ignoriert, ist paradoxerweise das einzige, das sie bilanziell am Leben hält.
Der helvetische Monsun: Wenn Reichtum zur Bedrohung wird
In der Schweiz werden schätzungsweise 10 Billionen Franken an Vermögen verwaltet. Bei einer konservativ gerechneten Rendite von nur zwei bis drei Prozent prasseln Jahr für Jahr 200 bis 300 Milliarden Franken an Zinserträgen und Dividenden auf die kleine Alpenrepublik nieder. Das ist kein gelegentlicher Regenschauer mehr, sondern ein permanenter Monsun, der auf einen winzigen, hochgesättigten Markt trifft.
Die Geldmenge M3 ist auf rekordverdächtige 1,21 Billionen Franken angeschwollen. Ein Vergleich verdeutlicht die Dimension: Während in der Eurozone eine statistische Geldmenge von circa 49.000 Euro pro Kopf zirkuliert, trägt ein Schweizer Bürger statistisch gesehen rund 134.000 Franken mit sich herum – fast den dreifachen monetären Schatten eines Euro-Bürgers.
Warum Gold für die SNB zum Problem wird
Die Antwort auf die Frage, warum die SNB kein Gold kauft, liegt in der puren Angst vor der eigenen Signalwirkung. Ein massiver Goldkauf durch die Schweizer Nationalbank würde in Lichtgeschwindigkeit das Ende des Vertrauens in das papierbasierte Geldsystem einläuten. Zudem steckt die SNB in einer Größenfalle: Sie muss so gewaltige Summen intervenieren, dass der globale Goldmarkt dafür schlicht zu klein ist.
Würde die SNB versuchen, Milliarden in Gold statt in Euro-Anleihen zu investieren, würde der Goldpreis explodieren – und damit der Franken, der als Gold-Ersatz gilt, gleich mit. Die SNB ist schlichtweg zu groß geworden für das einzige Asset, das wirklich zählt. Sie ist der monetäre Atlas des Fiat-Geldsystems, verdammt dazu, die Last einer Welt zu tragen, die sich in wertlosen Papierwährungen ertränkt.
Die historische Parallele zur Amsterdamer Wechselbank
Die Schweiz repräsentiert heute die globale Kapitalsammelstelle unserer Zeit, in frappierender Ähnlichkeit zur berühmten Amsterdamer Wechselbank des 17. Jahrhunderts. Deren Untergang begann, als sie das Prinzip der vollen Deckung aufgab und heimlich illiquide Kredite vergab. Die Parallele zur SNB ist beunruhigend: Indem die Nationalbank heute ihre harten Franken gegen die Schuldscheine von Staaten tauscht, die ihre Finanzen nicht im Griff haben, importiert sie das Bonitätsrisiko der Welt in ihre eigene Bilanz.
Gold als einziger Rettungsanker für Privatanleger
Was bedeutet diese Analyse für den einzelnen Anleger? Die Situation der SNB ist ein Spiegelbild der systemischen Fragilität des gesamten Fiat-Geldsystems. Während Notenbanken weltweit – mit Ausnahme der Schweiz – ihre Goldreserven aufstocken, sollten auch private Anleger die Zeichen der Zeit erkennen. Das exponentielle Wachstum der Geldmengen führt langfristig zu einer Abkopplung von den real zugrundeliegenden Sicherheiten. Sobald dieser Abstand eine kritische Masse erreicht, wird ein Währungskollaps zur mathematischen Zwangsläufigkeit.
Physische Edelmetalle wie Gold und Silber bieten in diesem Umfeld einen bewährten Schutz vor der schleichenden Entwertung des Papiergeldes. Sie sind das einzige Asset, das keine Gegenparteirisiken birgt und seit Jahrtausenden als verlässlicher Wertspeicher dient. Die Tatsache, dass ausgerechnet der Goldbestand die Bilanz der SNB vor dem Absturz bewahrt hat, spricht Bände.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.

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