
Daten-GAU in Berlin: Jetzt sind auch noch Passwörter im Darknet
Der Cyber-Angriff auf die Berliner Verwaltung zieht immer weitere Kreise. In der Nacht zum Sonntag stellte die Erpressergruppe Rhysida ein weiteres Datenpaket aus dem Landesnetz Berlin ins Netz. Diesmal sollen laut Senatskanzlei auch Zugangsdaten darunter sein.
Der Senat schweigt – und schärft heimlich nach
In einer Pressemitteilung räumte die Senatskanzlei am Sonntag ein, dass die neue Veröffentlichung unter anderem Zugangsdaten umfasse. Die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen habe ihre Schutzmaßnahmen überprüft und „vorsorglich in einigen Aspekten nachgeschärft“.
Welche Maßnahmen das konkret sind? Dazu wollte sich eine Senatssprecherin auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur nicht äußern. Bürger sollen sich stattdessen auf Einschränkungen einstellen – betroffen sein könnte ausgerechnet die Bearbeitung von Wohngeldanträgen.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Wer in der teuersten Wohnungsmarkt-Hauptstadt Deutschlands auf staatliche Hilfe angewiesen ist, wartet nun möglicherweise länger – weil der Staat seine eigenen Server nicht im Griff hatte.
Fünf Terabyte, 30 Bitcoin, null Zahlung
Die Chronologie ist bitter. Zwischen dem 7. und 12. August zogen die Angreifer nach Angaben der Behörden gewaltige Datenmengen aus der Verwaltung ab. Danach forderten sie 30 Bitcoin – umgerechnet rund zwei Millionen Euro.
Der Senat zahlte nicht. Das war richtig, denn Lösegeld finanziert das nächste Verbrechen. Nach Ablauf des Ultimatums am Freitag landeten dann über fünf Terabyte im Darknet. Medienberichten zufolge sprechen die Täter selbst von rund 5,79 Terabyte und etwa 1,4 Millionen Dateien; das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik ist eingeschaltet.
In den Beständen sollen sich interne Papiere, Unterlagen zu politischen Entscheidungen und vertrauliche Verwaltungsakten befinden. Berichtet wird zudem über Zeugnisse, eingescannte Ausweise und weitere Personaldokumente – Material, das für massenhaften Identitätsmissbrauch taugt. Sogar Disziplinarakten mit dem Vermerk „Vertrauliche Personalsache!“ sollen dabei sein. Überregionale Medien berichten außerdem von geheimen Notfallplänen im Datensatz.
Basketball statt Krisenstab?
Am selben Freitagabend, an dem die Frist verstrich, besuchten der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU), Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) ein Damen-Basketballspiel. Erst am Samstag räumte Wegner gegenüber der „Bild“ ein, es seien „offenkundig sensible Daten“ betroffen.
Für viele Bürger dürfte dieses Bild schwerer wiegen als jede Pressemitteilung. Milliarden fließen in Sondervermögen, Klimaprogramme und immer neue Behördenstellen – aber die Grundaufgabe, die Daten der Bürger zu schützen, scheitert.
Was Betroffene jetzt tun sollten
Die Senatskanzlei kündigte an, identifizierte Betroffene „risikobasiert und entsprechend der gesetzlichen Vorgaben“ zu informieren. Wer selbst bemerkt, dass eigene Daten kursieren oder für Betrug missbraucht werden, solle Strafanzeige erstatten.
- Passwörter ändern, Zwei-Faktor-Schutz aktivieren
- Kontobewegungen engmaschig prüfen
- Verdächtige Post und Verträge sofort widersprechen
Der Fall führt vor Augen, wie verwundbar rein digitale Strukturen sind – ob bei Akten oder beim Vermögen. Physische Werte wie Gold und Silber liegen außerhalb dieser Angriffsfläche und können ein breit gestreutes Portfolio sinnvoll ergänzen.
Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser trifft seine Entscheidungen eigenverantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.
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