
Demokratie-Theater in Ludwigshafen: Wenn der Kampf gegen die AfD zur Eintrittskarte in die Politik wird
Was sich derzeit in Ludwigshafen abspielt, könnte man als LehrstĂŒck ĂŒber den Zustand unserer sogenannten Demokratie bezeichnen. Die rheinland-pfĂ€lzische Industriestadt wĂ€hlt am 21. September einen neuen OberbĂŒrgermeister â allerdings ohne den Kandidaten der AfD, Joachim Paul. Der wurde kurzerhand vom Wahlausschuss ausgeschlossen. Ein Schelm, wer dabei an DDR-VerhĂ€ltnisse denkt.
Die neuen Helden der "wehrhaften Demokratie"
Besonders pikant ist die Vorgeschichte der beiden verbliebenen Favoriten. Sowohl der SPD-Kandidat Jens Peter Gotter als auch der CDU-Bewerber Klaus Blettner sind politische Frischlinge, die ihre Parteimitgliedschaft mit einem bemerkenswerten Motiv begrĂŒnden: Sie wollten die AfD bekĂ€mpfen. Man könnte meinen, die Qualifikation fĂŒr ein OberbĂŒrgermeisteramt bestehe heutzutage hauptsĂ€chlich darin, gegen eine demokratisch gewĂ€hlte Partei zu sein.
Der IT-Unternehmer Gotter, erst seit vergangenem Jahr bei den Sozialdemokraten, erklÀrt seinen Parteieintritt mit dem angeblichen "Geheimtreffen von Potsdam" im Januar 2024. Jenes Treffen, das von staatsnahen Medien wie Correctiv zur Verschwörung aufgebauscht wurde, bei dem es tatsÀchlich nur um ein normales Symposium zum Thema Remigration ging. Dass solche Veranstaltungen hundertfach im Jahr stattfinden, nur eben zu anderen Themen, scheint den Neo-Genossen nicht zu interessieren.
Wenn MĂ€rchen zu politischen Karrieren fĂŒhren
Noch bemerkenswerter ist die Geschichte von Klaus Blettner. Der BWL-Professor trat nach eigenen Angaben in die CDU ein, "als die AfD sozusagen aufkam". Er wolle seinen Kindern ein "gutes Beispiel" geben, sagt er. Ein gutes Beispiel wofĂŒr? DafĂŒr, wie man sich dem politischen Mainstream andient und dabei die demokratischen Grundprinzipien ĂŒber Bord wirft?
"Ich bin erst in die CDU eingetreten, als die AfD sozusagen aufkam" â so begrĂŒndet ein BWL-Professor seinen Einstieg in die Politik. FrĂŒher nannte man das Opportunismus, heute gilt es als Zivilcourage.
Die Ironie der Geschichte: Beide Kandidaten verdanken ihre aussichtsreiche Position dem undemokratischen Ausschluss ihres Konkurrenten. Der Wahlausschuss, in dem kein einziger AfD-Vertreter sitzt, dafĂŒr aber mehrere Lokalpolitiker von SPD, Union und Freien WĂ€hlern, hat diese Entscheidung getroffen. Man könnte fast meinen, die Altparteien hĂ€tten sich die Konkurrenz vom Hals geschafft.
Die neue deutsche "Demokratie" â exklusiv fĂŒr AuserwĂ€hlte
Was wir hier erleben, ist die Perversion des Demokratiebegriffs. Wahlen werden manipuliert, indem unliebsame Kandidaten ausgeschlossen werden. Die BegrĂŒndungen mögen juristisch konstruiert sein, der Effekt ist eindeutig: Die etablierten Parteien sichern sich ihre PfrĂŒnde, indem sie die Opposition mundtot machen.
Besonders perfide: Der ausgeschlossene AfD-Kandidat kann sich zwar gerichtlich wehren â aber erst nach der Wahl. Monate oder Jahre spĂ€ter, wenn lĂ€ngst Fakten geschaffen wurden. Ein Schelm, wer dabei an die verschleppten WahlprĂŒfungen in ThĂŒringen denkt oder an die Probleme des BSW bei der Bundestagswahl 2025.
Ludwigshafen als Spiegel der Republik
Die BASF-Stadt am Rhein, traditionell eine SPD-Hochburg, wird damit zum Symbol fĂŒr den Zustand unserer Republik. Sieben der acht Nachkriegs-OberbĂŒrgermeister gehörten den Sozialdemokraten an â eine Dominanz, die man nun offenbar mit allen Mitteln verteidigen will. Dass beide Favoriten breite Zustimmung in ihren Parteien genieĂen â Blettner wurde mit 91 von 93 Stimmen nominiert â zeigt, wie geschlossen die Altparteien im Kampf gegen die demokratische Opposition agieren.
Was bleibt den BĂŒrgern von Ludwigshafen? Sie dĂŒrfen zwischen zwei Kandidaten wĂ€hlen, die ihre politische Karriere auf der BekĂ€mpfung einer demokratisch legitimierten Partei aufbauen. Beide sind sie Produkte einer hysterischen Medienkampagne, beide verdanken ihre Chancen dem Ausschluss eines Konkurrenten. Das ist keine Wahl, das ist eine Farce.
Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Wenn der Kampf gegen die AfD die einzige Qualifikation fĂŒr ein politisches Amt ist, was sagt das ĂŒber die Kompetenz unserer zukĂŒnftigen AmtstrĂ€ger aus? Werden sie sich auch nur ansatzweise um die wirklichen Probleme der Stadt kĂŒmmern â die zunehmende KriminalitĂ€t, die wirtschaftlichen Herausforderungen, die Folgen der verfehlten Migrationspolitik? Oder werden sie ihre Amtszeit damit verbringen, weitere "KĂ€mpfe gegen rechts" zu inszenieren, wĂ€hrend die Stadt vor die Hunde geht?
Die BĂŒrger von Ludwigshafen haben es in der Hand. Sie können diesem unwĂŒrdigen Schauspiel ihre Legitimation entziehen, indem sie der Wahl fernbleiben. Oder sie können auf den Wahlzettel den Namen des ausgeschlossenen Kandidaten schreiben â als Zeichen des Protests gegen diese Verhöhnung der Demokratie. Eines ist sicher: Mit echter demokratischer Willensbildung hat das, was am 21. September in Ludwigshafen stattfindet, nichts mehr zu tun.
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