
Den Haag streicht 25.000 Beamte – und Berlin stellt einfach weiter ein!
Die Niederlande machen ernst: Am 26. Oktober 2026 hat die Regierung in Den Haag angekündigt, bis 2035 rund 25.000 Vollzeitstellen in der zentralen Staatsverwaltung zu streichen. Jährlich sollen so 3,5 Milliarden Euro eingespart werden. Und Deutschland? Hier wächst der Beamtenapparat weiter, gerade kommen sogar neue Steuern samt eigenem Personal hinzu.
Jede sechste Stelle fällt weg
Die Zahlen aus Den Haag sind deutlich. Derzeit beschäftigt die zentrale Verwaltung des Nachbarlandes etwa 160.000 Vollzeitkräfte, so viele wie noch nie. Medienberichten zufolge waren es 2018 nur gut halb so viele. Nun soll ungefähr jede sechste Stelle wegfallen.
Der Fahrplan steht: Schon 2027 muss der Staatsapparat 900 Millionen Euro einsparen, danach steigt das Sparziel Schritt für Schritt auf 3,5 Milliarden Euro pro Jahr. Wo genau gekürzt wird, müssen die einzelnen Ministerien allerdings noch festlegen. Polizei und Verteidigung sind ausgenommen.
Verantwortlich ist Staatssekretär Eric van der Burg, zuständig für einen schlagkräftigeren Staat. Er habe erklärt, so wie bisher könne man nicht weitermachen, heißt es in Berichten. Die Verwaltung solle einfacher, klüger und kleiner werden.
KI statt Aktenberge
Den Weg dahin beschreibt die Regierung genau. Künstliche Intelligenz soll Arbeit erleichtern oder ganz übernehmen. Mindestens 500 Vorschriften pro Jahr sollen gestrichen oder vereinfacht werden. Dazu sollen Beratungsgremien wegfallen, IT-Systeme vereinheitlicht und Büros verkleinert werden. Medienberichten zufolge soll es künftig nur noch einen Schreibtisch für je zwei Mitarbeiter geben.
Der eigentliche Unterschied zu vielen anderen Reformen: Den Haag will nicht nur digitalisieren, sondern staatliche Aufgaben tatsächlich abschaffen. Es ist eine kleine Ironie, dass die Niederländer dabei laut Berichten auch eine Beweislastumkehr „nach deutschem Vorbild“ prüfen. Dann müsste jedes Ministerium belegen, warum eine Regel noch gebraucht wird.
Deutschland: Mehr Staat, Jahr für Jahr
Hierzulande zeigt die Kurve in die andere Richtung. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten Mitte 2025 rund 5,5 Millionen Menschen im öffentlichen Dienst, 95.100 mehr als ein Jahr zuvor.
Auch die Bundesverwaltung wächst. Nach einer Untersuchung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft stieg die Zahl der Planstellen seit 2017 um 48.684 auf 305.753 im Jahr 2026. Für 2027 sieht der Regierungsentwurf 310.487 Stellen vor. Die Personalausgaben würden damit von knapp 32 Milliarden Euro (2017) auf mehr als 51 Milliarden Euro steigen.
Zuckersteuer und Plastiksteuer: neue Abgaben, neue Beamte
Besonders deutlich wird das bei zwei neuen Abgaben. Für die Zuckersteuer, die nach dem Kabinettsbeschluss vom 14. Oktober 2026 ab Juli 2027 gelten soll, sind rund 227 zusätzliche Stellen eingeplant: 200 beim Zoll, 23 beim Informationstechnikzentrum Bund, knapp vier im Finanzministerium. Die Personalkosten liegen bei rund 28 Millionen Euro im Jahr.
Die geplante Plastiksteuer bringt weitere 819 Stellen und 46 Millionen Euro. Zusammen sind das 1.046 neue Stellen und rund 74 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr. Noch sind das Planungszahlen. Die Richtung ist trotzdem klar: Der Staat verlangt neue Abgaben und braucht dann neues Personal, um sie einzutreiben.
Die Wirtschaft trägt die Last
Gleichzeitig verliert die Privatwirtschaft Jobs. Allein das produzierende Gewerbe baute 2025 rund 143.000 Stellen ab. Nach Berechnungen der Bundesbank stiegen die Bürokratiekosten der untersuchten Unternehmen zwischen 2022 und 2024 von fünf auf sieben Prozent des Umsatzes.
Auch der Nationale Normenkontrollrat sieht keine echte Wende. Von Juli 2025 bis Juni 2026 stiegen die jährlichen Bürokratiekosten der Wirtschaft um rund 1,3 Milliarden Euro. Zwar sank der breiter berechnete Erfüllungsaufwand insgesamt. Das lag laut der Bilanz aber vor allem an einer einzigen, rechnerisch besonders wirksamen Entlastung.
Ankündigungen reichen nicht
Die Regierung Merz hat zwar beschlossen, bis 2029 acht Prozent der Stellen in Teilen der Bundesverwaltung abzubauen, ohne die Sicherheitsbehörden. In den Haushaltsplänen für 2026 und 2027 ist davon unterm Strich aber nichts zu sehen: Die Stellenzahlen steigen weiter.
Ob die Niederlande ihren Plan wirklich umsetzen, ist noch offen. Den Haag hat aber konkrete Zahlen genannt, und daran lässt sich die Regierung messen. Berlin dagegen verspricht Entlastung und baut gleichzeitig neue Behördenaufgaben auf. Die Rechnung zahlen am Ende Bürger und Betriebe.
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