
Der Fall Jimmy Lai: Wenn westliche Medien einen Boulevardmogul zum Freiheitshelden verklären
Zwanzig Jahre Haft für einen Mann, den deutsche Leitmedien unisono als „Demokratieaktivisten" bezeichnen. Doch wer war Jimmy Lai wirklich? Die Geschichte des Hongkonger Medienunternehmers ist weitaus schillernder – und schmutziger – als es die hiesige Berichterstattung vermuten lässt. Ein Blick hinter die Kulissen offenbart ein Geflecht aus Boulevardjournalismus der übelsten Sorte, millionenschwerer Protestfinanzierung und bester Vernetzung in die Machtzirkel der amerikanischen Republikaner.
Vom Schmuddel-Boulevard zum politischen Akteur
Jimmy Lai, 1947 im südchinesischen Guangzhou geboren, gründete 1995 das Hongkonger Boulevardblatt Apple Daily. Was folgte, war kein Leuchtturm des investigativen Journalismus, sondern ein profitables Geschäftsmodell, das auf Sex, Verbrechen und Prominentenskandale setzte. Ein nackter Hotelgast, heimlich fotografiert und großformatig abgedruckt – ohne jede journalistische Relevanz. Das Foto eines Vergewaltigungsopfers, aufgenommen während eines Polizeiverhörs, veröffentlicht für die reine Schockwirkung. Das war die Handschrift des Mannes, den Tagesschau, Deutschlandfunk und Die Zeit heute als Demokratiekämpfer feiern.
Lai entschuldigte sich zwar gelegentlich für die gröbsten Entgleisungen. Doch das änderte nichts am Geschäftsmodell. Erst als Hongkong 1997 von der britischen Kolonialherrschaft – man vergisst das gerne: die Briten hatten die Stadt 1841 mit Kriegsschiffen erobert – an China zurückfiel, vollzog Lai einen strategischen Schwenk. Statt „Sex sells" hieß es fortan „Politics sells". Die Methoden blieben dieselben, nur das Ziel änderte sich: Peking-Bashing wurde zum neuen Geschäftsmodell.
Millionen für den Protest – und beste Kontakte nach Washington
Was die deutsche Berichterstattung konsequent ausblendet, ist die Rolle Lais als finanzieller Strippenzieher der Hongkonger Oppositionsbewegung. Millionenbeträge flossen an diverse Protestgruppen. Sein Blatt bezeichnete Besucher vom chinesischen Festland als „Heuschrecken" – eine Rhetorik, die in jedem anderen Kontext als menschenverachtend gebrandmarkt würde. So wurde der Boulevardmogul zur Galionsfigur protestierender Studenten, die vermutlich nicht ahnten, wessen Interessen sie eigentlich dienten.
Besonders aufschlussreich sind Lais Verbindungen in die Vereinigten Staaten. Sein persönlicher Assistent war kein Geringerer als Mark Simon, ein amerikanischer Geheimdienstoffizier. Sein erklärter Held: Donald Trump. Während der ersten Trump-Amtszeit empfingen Vizepräsident Mike Pence, Außenminister Mike Pompeo und Sicherheitsberater John Bolton den Hongkonger Medienmogul mit offenen Armen. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um hier ein Muster zu erkennen.
Die blinden Flecken der deutschen Medienlandschaft
Wie der Hongkonger Journalist Alex Lo in dem von einer Hongkonger Universität herausgegebenen Buch „Media Realities" darlegt, ist die Geschichte Lais weitaus nuancierter, als es die westliche Schwarz-Weiß-Erzählung suggeriert. Ja, China hat in Hongkong liberal-westliche Vorstellungen massiv zurückgedrängt. Ja, die Sonderverwaltungszone mit ihren mehr als sieben Millionen Einwohnern wurde autoritärer. Gründe für Protest gab es zweifellos zuhauf. Doch rechtfertigt das die kritiklose Heiligsprechung eines Mannes, dessen journalistisches Wirken von Menschenverachtung und dessen politisches Engagement von ausländischer Einflussnahme geprägt war?
Es ist bezeichnend für den Zustand der deutschen Medienlandschaft, dass solche Differenzierungen schlicht nicht stattfinden. Stattdessen wird ein Etikett vergeben – „Demokratieaktivist" – und damit ist die Sache erledigt. Wer nachfragt, wer Nuancen einfordert, macht sich verdächtig. Dabei wäre es gerade die Aufgabe eines seriösen Journalismus, auch unbequeme Fragen zu stellen. Etwa die Frage, ob ein Mann, der mit Geheimdienstleuten zusammenarbeitet, Millionen in politische Unruhen pumpt und dabei die journalistischen Mindeststandards mit Füßen tritt, tatsächlich als Vorkämpfer der Demokratie taugt.
Die Verurteilung Lais zu zwanzig Jahren Haft durch ein Hongkonger Gericht wegen Verschwörung zur Zusammenarbeit mit ausländischen Kräften mag hart erscheinen. Doch wer die ganze Geschichte kennt, wird zumindest einräumen müssen: So einfach, wie deutsche Medien es darstellen, ist der Fall Jimmy Lai bei Weitem nicht.

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