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Kettner Edelmetalle
15.06.2026
15:01 Uhr

Der „neue Iran“: Wie ein Krieg aus den Mullahs Technokraten machte – und der Westen wieder nichts begriff

Der „neue Iran“: Wie ein Krieg aus den Mullahs Technokraten machte – und der Westen wieder nichts begriff

Es ist eine der grossen Lektionen der Geschichte, die der Westen offenbar partout nicht lernen will: Wer mit Bomben einen Regimewechsel herbeizuzwingen versucht, erntet selten das, was er sich erträumt hat. Der zwölftägige Krieg gegen den Iran im Juni 2025 – von westlichen Strategen als entscheidender Schlag gegen die Mullahs verkauft – hat das Regime in Teheran eben nicht gestürzt. Im Gegenteil. Er hat es, so die Analyse zweier renommierter Nahost-Forscher, in eine völlig neue Gestalt verwandelt.

Wenn der Schuss nach hinten losgeht

Die Politikwissenschaftlerin Narges Bajoghli und der Nahost-Experte Vali Nasr von der Johns Hopkins University kommen in der Fachzeitschrift Foreign Affairs zu einem Befund, der die triumphalen Erzählungen aus Washington und Jerusalem als Wunschdenken entlarvt. Der Krieg habe, so schreiben die beiden, einen „neuen Iran hervorgebracht“ – einen, der die Machtverhältnisse im Nahen Osten auf Jahre hinaus prägen dürfte.

Nicht ein geschwächtes, taumelndes Regime sei das Resultat der US-israelischen Intervention, sondern ein Staat, der die Belastungsprobe überstanden habe und sich in atemberaubender Geschwindigkeit neu aufgestellt habe. Teheran agiere heute selbstbewusster, pragmatischer und strategisch beweglicher als zuvor. Man möchte sarkastisch fragen: War genau das das Ziel der westlichen Kriegsplaner?

Vom Revolutionär zum Technokraten

Das Herzstück dieses Wandels sei eine neue Generation von Führungskräften, die sich von den glühenden Idealen der Revolutionszeit löse. An die Stelle ideologischer Mobilmachung trete ein nüchterner, kühl kalkulierender Nationalismus. Die neuen Eliten verkörperten weniger den fanatischen Aktivisten als vielmehr den effizienten Staatsmann mit langem Atem.

Die zentrale Frage politischer Loyalität laute nicht mehr, ob jemand ausreichend islamisch sei, sondern ob er sich zur iranischen Nation bekenne.

Innerhalb weniger Monate nach dem Krieg seien Kompetenzen von der Zentrale in die Provinzen verlagert und Teile des Staatsapparates dezentralisiert worden. Die Streitkräfte habe man zu einem flexiblen Netzwerk operativer Kommandos umgebaut, das stärker auf asymmetrische Kriegsführung ausgerichtet sei. Man hat aus dem Iran keinen Klotz gemacht, den man umstossen kann – sondern ein Geflecht, das jedem Schlag ausweicht.

Der teuer erkaufte Vertrauensbruch

Besonders pikant: Regional habe der Iran sogar an Einfluss gewonnen. Die zeitweise Kontrolle der strategisch heiklen Strasse von Hormus und die Angriffe auf amerikanische Einrichtungen hätten das Vertrauen vieler Golfstaaten in die Sicherheitsgarantien Washingtons erschüttert. Die Autoren sprechen von einem nachhaltigen Bruch zwischen den arabischen Monarchien und den Vereinigten Staaten. Wer hätte gedacht, dass man mit Bomben die eigenen Verbündeten vergrault?

Innenpolitisch reagiere die Führung auf die wirtschaftliche Not mit Reformen und gewaltigen Wiederaufbauprogrammen. Die Legitimität des Staates solle künftig nicht mehr auf religiöser Ideologie, sondern auf der Fähigkeit ruhen, Sicherheit, Stabilität und Wohlstand zu liefern. Und – kaum zu glauben – die scharfe Trennung zwischen Staat und Gesellschaft, jahrzehntelang das Markenzeichen der Islamischen Republik, sei durch die gemeinsame Erfahrung der Bombardierungen teilweise aufgehoben worden. Äusserer Druck schweisst zusammen. Eine Binsenweisheit, die jeder Stratege kennen sollte.

Eine Lektion, die auch hierzulande gelten sollte

Was bedeutet das für uns? Es ist ein Lehrstück über die Hybris jener, die glauben, mit Feuerkraft die Welt nach eigenem Gusto formen zu können. Der Westen – allen voran ein politisches Berlin, das aussenpolitisch ohnehin nur noch als Statist auftritt – sollte sich diese Geschichte hinter die Ohren schreiben. Kriege sind unberechenbar. Sie erzeugen selten Marionetten, dafür oft Gegner, die stärker und gewiefter aus dem Schlamassel hervorgehen, als sie hineingegangen sind.

Und während Generäle und Geostrategen ihre Landkarten neu zeichnen, bleibt für den nüchternen Beobachter eine simple Erkenntnis: In einer Welt, in der Imperien stolpern, Bündnisse zerfallen und ganze Regionen über Nacht ihr Gesicht verändern, gibt es nur wenige Konstanten. Eine davon ist seit Jahrtausenden gleich geblieben – physisches Gold und Silber kennen keine Ideologie, keinen Regimewechsel und keine zerbrochenen Sicherheitsgarantien. Wer in unsicheren Zeiten Vermögen bewahren will, tut gut daran, sein Portefeuille breit zu streuen und Edelmetalle als krisenfeste Ergänzung beizumischen.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag gibt ausschliesslich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder und stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar. Aussagen zu Anlageklassen sind nicht als Kauf- oder Verkaufsempfehlung zu verstehen. Jeder Anleger ist verpflichtet, eigenständig zu recherchieren und gegebenenfalls fachkundigen Rat einzuholen. Für eigene Anlageentscheidungen trägt jeder selbst die volle Verantwortung.

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