
Deutschlandticket vor dem Aus? Wenn Politik zur Farce wird
Die deutsche Verkehrspolitik gleicht mittlerweile einem Trauerspiel in mehreren Akten. Während die Große Koalition unter Friedrich Merz vollmundig von Modernisierung und Bürgernähe schwadroniert, steht eines ihrer wenigen halbwegs sinnvollen Projekte bereits wieder auf der Kippe: das Deutschlandticket. Der Deutsche Städtetag schlägt Alarm – und das zu Recht.
Das ewige Finanzierungschaos
Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, bringt es auf den Punkt: Die Finanzierung des Deutschlandtickets stehe seit seiner Einführung im Mai 2023 auf „tönernen Füßen". Was für eine diplomatische Umschreibung für das übliche Berliner Chaos! Bund und Länder schieben sich gegenseitig den Schwarzen Peter zu, während die Bürger im Ungewissen gelassen werden.
Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Jeweils 1,5 Milliarden Euro steuern Bund und Länder bei – zusammen also drei Milliarden. Doch der tatsächliche Ausgleichsbedarf liege bei mindestens 3,6 Milliarden Euro jährlich. Eine Finanzierungslücke von 600 Millionen Euro – das ist keine Petitesse, sondern ein handfester Skandal.
Merz' gebrochene Versprechen
Besonders pikant: Im Haushaltsentwurf für 2026 seien die Bundesmittel für das Deutschlandticket gar nicht erst berücksichtigt. So viel zum Thema „keine neuen Schulden" – ein Versprechen, das Bundeskanzler Merz offenbar so ernst nimmt wie seine Vorgänger ihre Wahlversprechen. Statt ehrlich zu sein und zuzugeben, dass man sich das Ticket schlicht nicht leisten könne oder wolle, wird monatelang herumlaviert.
Das Bundeskabinett wolle nun das Regionalisierungsgesetz ändern. Doch was nützt eine Gesetzesänderung, wenn das Geld fehlt? Es ist die typische Berliner Augenwischerei: Man tut so, als würde man handeln, während man in Wahrheit nur Zeit schinden will.
Die wahren Leidtragenden
Während in Berlin debattiert und taktiert wird, sind es wieder einmal die Bürger, die die Zeche zahlen müssen. Pendler, Studenten, Rentner – sie alle profitieren vom günstigen Deutschlandticket. Doch statt Planungssicherheit zu schaffen, hält man sie in einer permanenten Unsicherheit gefangen.
Der Städtetag fordere ein „langfristiges Finanzierungsmodell". Eine vernünftige Forderung, die in einem funktionierenden Staat selbstverständlich sein sollte. Doch in Deutschland gleicht selbst die Finanzierung eines simplen Nahverkehrstickets einem bürokratischen Hindernislauf.
Ein Symptom für größere Probleme
Das Deutschlandticket-Debakel ist symptomatisch für die deutsche Politik anno 2025. Man verspricht den Bürgern das Blaue vom Himmel, scheitert dann aber an der simplen Umsetzung. Gleichzeitig pumpt man Milliarden in fragwürdige Klimaprojekte und ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur – Geld, das die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen belasten wird.
Die „Erfolgsgeschichte Deutschlandticket", wie Schuchardt sie nennt, drohe zur „Hängepartie mit Ansage" zu werden. Treffender kann man das politische Versagen kaum beschreiben. In einem Land, das sich gerne als Vorreiter in Sachen Klimaschutz und nachhaltiger Mobilität inszeniert, scheitert man an der Finanzierung eines simplen Nahverkehrstickets.
Es bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen endlich zur Vernunft kommen und eine dauerhafte Lösung finden. Doch wer die deutsche Politik kennt, weiß: Die nächste „Hängepartie" kommt bestimmt. Vielleicht wäre es an der Zeit, weniger in ideologische Prestigeprojekte und mehr in funktionierende Grundversorgung zu investieren. Aber das wäre wohl zu viel verlangt von einer Politik, die lieber große Reden schwingt als praktische Probleme zu lösen.
- Themen:
- #CDU-CSU