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Diplomaten-Eklat: Warum Seoul plötzlich Personal aus Kiew abzieht

Diplomaten-Eklat: Warum Seoul plötzlich Personal aus Kiew abzieht
Symbolbild: KI-generiert

Südkorea hat acht diplomatische Mitarbeiter aus der Ukraine abgezogen. Das bestätigte Außenminister Cho Hyun am Dienstag bei einer Anhörung im Parlament in Seoul, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtet. Auslöser ist ein erbitterter Streit um zwei nordkoreanische Kriegsgefangene und um die Frage, wer wem was versprochen hatte.

Es geht um einen Vorgang, der eigentlich nie öffentlich werden sollte. Jetzt belastet er das Verhältnis zweier Staaten, die im Ukraine-Krieg eigentlich auf derselben Seite stehen.

Die Rede, die alles ins Rollen brachte

Der Ärger begann am 23. September in New York. Vor der UN-Generalversammlung machte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj öffentlich, dass zwei nordkoreanische Soldaten an Südkorea übergeben worden seien. Medienberichten zufolge waren die beiden im Januar 2025 in der russischen Grenzregion Kursk in ukrainische Gefangenschaft geraten.

Zur Erinnerung: Pjöngjang hatte Diktator Wladimir Putin ab Herbst 2024 mehrere tausend Soldaten geschickt, um bei der Rückeroberung von Kursk zu helfen. Wer von ihnen in Gefangenschaft gerät, für den ist eine Rückkehr nach Nordkorea lebensgefährlich. Und den Familien, die in der Heimat geblieben sind, droht ebenfalls Gefahr.

Geheimabsprache oder Missverständnis?

Genau hier liegt der Knackpunkt. Nach Darstellung Seouls hätten beide Länder von Anfang an vereinbart, die Übergabe geheim zu halten. Damit sollten die Soldaten und ihre Angehörigen in Nordkorea geschützt werden. Kiew sieht das anders. Das Präsidialamt bestreitet, dass es eine solche Vereinbarung gegeben habe.

Laut der Zeitung Kyiv Post erklärte Selenskyjs Büro außerdem, Südkorea sei vorab darüber informiert worden, dass die Übergabe in der Rede vorkommen werde. Weder die Identität der Männer noch heikle operative Details seien veröffentlicht worden. Aussage steht gegen Aussage.

Seoul zieht die Daumenschrauben an

Südkorea lässt nicht locker. Die Regierung verlangt eine offizielle Erklärung, eine Entschuldigung und Garantien, dass sich so etwas nicht wiederholt. Eine Entschuldigung aus Kiew gab es zwar bereits. Nach Angaben Chos reiche sie aber nicht aus, um die Bedenken in Seoul auszuräumen.

Die Eskalation verlief schrittweise:

  • Anfang Oktober: Seoul ruft Botschafter Park Ki-chang zurück, er trifft am 10. Oktober in Südkorea ein.
  • 20. Oktober: Das Außenministerium kündigt den Abzug weiterer Botschaftsmitarbeiter an. Als Gründe nennt es den ungelösten Streit und die anhaltenden russischen Luftangriffe.
  • 27. Oktober: Cho bestätigt, dass bislang acht Mitarbeiter abgezogen worden seien. Der Schritt sei unvermeidlich gewesen.

Droht der komplette Bruch?

Ganz verlassen ist die Botschaft nicht. Wichtige Kräfte seien weiterhin vor Ort und kümmerten sich angesichts der russischen Angriffe um den Schutz südkoreanischer Staatsbürger, sagte Cho. Mit seinem ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha stehe er weiter in Kontakt, um den Konflikt möglichst schnell beizulegen.

Trotzdem warnte er: Sollten die Spannungen weiter zunehmen, könnten auch die diplomatischen Beziehungen insgesamt Schaden nehmen. Gleichzeitig betonte er, an Südkoreas grundsätzlicher Unterstützung für die Ukraine ändere sich nichts. Seoul nehme weiter an Wiederaufbaukonferenzen teil, leiste humanitäre Hilfe und unterstütze internationale Bemühungen um ein Ende des Krieges.

Ein Lehrstück über Vertrauen

Was bleibt, ist ein unnötiger Schaden. Ein Auftritt auf der großen UN-Bühne mag Selenskyj kurzfristig Aufmerksamkeit gebracht haben. Unser Eindruck ist aber: Der Preis dafür ist ein beschädigtes Verhältnis zu einem Partner, der die Ukraine seit Jahren unterstützt.

In der Diplomatie zählt Verschwiegenheit oft mehr als jede Schlagzeile. Gerade wenn es um Menschenleben geht. Kiew wird nun beweisen müssen, dass es diese Regel ernst nimmt. Sonst könnte sich auch bei anderen Unterstützern die Frage stellen, wie belastbar vertrauliche Absprachen mit der Ukraine wirklich sind.

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