
Diplomatischer Durchbruch: China halbiert Zölle auf schottischen Whisky
In einer Zeit, in der die Weltwirtschaft von Handelskriegen und protektionistischen Maßnahmen erschüttert wird, gelingt dem britischen Premierminister Keir Starmer ein bemerkenswerter Erfolg auf dem diplomatischen Parkett. Nach Gesprächen mit dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Peking verkündete die britische Regierung eine Halbierung der chinesischen Einfuhrzölle auf schottischen Whisky – von zehn auf fünf Prozent.
Ein Millionengeschäft für die britische Wirtschaft
Die Bedeutung dieser Vereinbarung lässt sich in nüchternen Zahlen ausdrücken: Über einen Zeitraum von fünf Jahren soll die Zollsenkung den britischen Whisky-Exporteuren einen Mehrwert von rund 250 Millionen Pfund – umgerechnet etwa 345 Millionen Dollar – bescheren. Für eine Branche, die zu den wertvollsten Exportgütern des Vereinigten Königreichs zählt, ist dies ein willkommener Rückenwind.
China rangiert derzeit auf Platz zehn der wichtigsten Exportmärkte für schottischen Whisky. Doch der asiatisch-pazifische Raum insgesamt stellt bereits jetzt den größten regionalen Absatzmarkt nach Wert dar. Die Zollsenkung könnte diese Position weiter festigen und neue Wachstumschancen eröffnen.
Pragmatismus trotz politischer Differenzen
Bemerkenswert ist, dass dieser wirtschaftliche Erfolg trotz erheblicher Meinungsverschiedenheiten in anderen Bereichen – insbesondere bei Menschenrechtsfragen – erzielt wurde. Starmer bewies damit einen gewissen Pragmatismus, der in der heutigen ideologisch aufgeladenen Politik selten geworden ist. Wirtschaftliche Interessen und politische Prinzipien müssen nicht zwangsläufig in einem unauflöslichen Widerspruch stehen.
Bereits im Vorjahr wurden Schutzmaßnahmen vereinbart
Die jetzige Zollsenkung baut auf Vereinbarungen auf, die bereits vor einem Jahr während eines Finanzdialoges getroffen wurden. Damals hatte die britische Finanzministerin Rachel Reeves in Peking eine Verstärkung der Kennzeichnungsvorschriften für Scotch Whisky ausgehandelt, um das Traditionsgetränk vor Fälschungen und Manipulationen zu schützen.
Kontrast zu anderen Handelspartnern
Während die Verhandlungen mit China Früchte tragen, gestalten sich die Bemühungen gegenüber anderen Handelspartnern deutlich schwieriger. Die Vereinigten Staaten unter Präsident Trump haben ihre protektionistische Linie verschärft, und Versuche, die Whisky-Industrie von amerikanischen Zöllen zu befreien, blieben bislang erfolglos. Auch das im vergangenen Jahr mit Indien abgeschlossene Freihandelsabkommen zeigt, wie mühsam solche Verhandlungen sein können: Die Zölle wurden dort zunächst von 150 auf 75 Prozent gesenkt und sollen erst im Laufe des nächsten Jahrzehnts auf 40 Prozent fallen.
Der chinesische Handelsminister signalisierte zudem die Bereitschaft Pekings, die Importe von Waren und Dienstleistungen aus Großbritannien auszuweiten. Dies könnte der Auftakt zu einer vertieften wirtschaftlichen Zusammenarbeit sein – vorausgesetzt, beide Seiten finden einen Weg, ihre politischen Differenzen zu überbrücken, ohne ihre jeweiligen Grundsätze vollständig aufzugeben.












