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Kettner Edelmetalle
01.08.2026
11:09 Uhr

Dürr streicht 500 Stellen: Wenn der Maschinenbau-Weltmeister das Licht ausknipst

Dürr streicht 500 Stellen: Wenn der Maschinenbau-Weltmeister das Licht ausknipst

Bietigheim-Bissingen. Es ist eine dieser Meldungen, die in Deutschland inzwischen so regelmäßig eintrudeln wie die Stromrechnung – und ähnlich schmerzhaft. Der Anlagenbauer Dürr streicht bei seiner Tochter BBS Automation weltweit rund 500 Arbeitsplätze. Etwa 200 davon in Deutschland, verteilt auf Garching, Hallbergmoos, Sonthofen und Freiberg am Neckar. Bekanntgegeben wurde der Kahlschlag am 22. Juli 2026. Vollzogen werden soll er in den Jahren 2026 und 2027. Betriebsbedingte Kündigungen? Nicht ausgeschlossen. Man werde sich bemühen, heißt es. Man bemüht sich in diesem Land ja um vieles.

Sonthofen: Ein Werk, das nie eine Chance bekam

Besonders hart dürfte es das Allgäu treffen. Bis zu 100 Stellen könnten allein in Sonthofen wegfallen – die Hälfte des gesamten deutschen Abbaus an einem einzigen Standort. Ein Unternehmenssprecher räumte ein, das Werk arbeite bereits seit Jahren defizitär. Dabei war BBS erst 2023 von Blaichach auf das frühere Voith-Gelände umgezogen. Drei Jahre. Mehr Zeit blieb dem Standort offenbar nicht. Wer wissen möchte, wie schnell industrielle Substanz in diesem Land verdampft, findet hier ein Lehrstück.

Hundert Millionen Euro Abschreibung – die Rechnung für einen Irrtum

Dürr verbucht auf den Firmenwert von BBS Automation eine Wertminderung von 90 bis 100 Millionen Euro. Der Grund: schwache Bestellungen im ersten Halbjahr, gesenkte Erwartungen bei Umsatz und Ergebnis. Für den Umbau selbst kalkuliert der Konzern 2026 zusätzliche Kosten von 40 bis 50 Millionen Euro ein, rund acht Millionen fielen bereits im zweiten Quartal an. Einsparen soll das Programm jährlich etwa 30 Millionen Euro. Auch die langfristigen Ziele wurden zusammengestrichen: Statt der ursprünglich anvisierten 800 Millionen Euro Umsatz ab 2030 rechnet man bei BBS nun nur noch mit gut 600 Millionen. Die bereinigte operative Marge von acht Prozent bleibt als Hoffnungswert stehen.

Die Elektromobilität entwickelte sich langsamer als zum Zeitpunkt der Übernahme erwartet – ein Satz, der die industriepolitische Bilanz eines ganzen Jahrzehnts in wenigen Worten zusammenfasst.

Die Autoindustrie bestellt nicht mehr – und niemand fragt, warum

Der Kern des Problems liegt tiefer, als es die nüchternen Zahlen erahnen lassen. Hersteller und Zulieferer investieren kaum noch in neue Fertigungstechnik. Bestehende Linien werden ausgereizt, statt neue zu bauen. Wer Anlagen für Fahrzeugbau und Elektroantriebe liefert, steht plötzlich mit leeren Auftragsbüchern da. Die Wette auf den schnellen Hochlauf der Elektromobilität – politisch befeuert, mit Verbrenner-Aus und Fördermilliarden inszeniert – ist nicht aufgegangen. Die Zeche zahlen jene, die in Sonthofen und Freiberg am Neckar morgens die Werkstore aufschließen.

Man darf durchaus fragen: Wer hat diesen Kurs eigentlich vorgegeben? Es war die Politik, die Unternehmen mit Zielvorgaben, Verboten und Subventionsversprechen in eine Richtung drängte, die der Markt nicht mitgehen wollte. Und es ist dieselbe Politik, die heute mit Sonderschulden in dreistelliger Milliardenhöhe hantiert, während die reale Wertschöpfung Stück für Stück abwandert. Klimaneutralität steht im Grundgesetz. Arbeitsplätze nicht.

Zweite Runde – der Abbau von 2025 wirkt nach

Bemerkenswert ist auch, dass Dürr bereits 2025 rund 500 Verwaltungsstellen strich, mehr als die Hälfte davon hierzulande. Nun folgt die zweite Welle. Die Konzernprognose für 2026 wurde dennoch bestätigt. Der Auftragseingang legte im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 914 Millionen Euro zu, der Umsatz sank hingegen um zwei Prozent auf 981 Millionen Euro. Ein Unternehmen also, das keineswegs am Boden liegt – und trotzdem in Deutschland Personal abbaut. Genau das sollte alarmieren.

Ein Muster, das sich nicht mehr leugnen lässt

Volkswagen, BASF, Porsche, nun Dürr: Die Liste der Konzerne, die ihre deutschen Standorte verschlanken, wird länger und länger. Es handelt sich längst nicht mehr um Einzelfälle, sondern um ein Muster. Energiepreise auf Weltniveau, eine Bürokratie, die jeden Investitionsentschluss in Formularen ertränkt, Steuerlasten im internationalen Spitzenfeld – wer unter diesen Bedingungen noch produziert, tut es aus Loyalität, nicht aus Kalkül. Und Loyalität hat bekanntlich ein Verfallsdatum.

Die Bundesregierung unter Friedrich Merz war mit dem Versprechen angetreten, die Wirtschaft wieder flottzumachen. Herausgekommen sind bislang vor allem neue Schulden, deren Zinsen kommende Generationen über Steuern und Abgaben abtragen dürfen. Ein Sondervermögen ersetzt keine Standortpolitik. Und Beton allein produziert keine Anlagen für die Weltmärkte.

Was Sparer daraus lernen sollten

Für den Bürger stellt sich eine unbequeme Frage: Wenn die industrielle Basis dieses Landes erodiert, was bleibt dann als Fundament der Währung, in der er sein Lebenswerk gespeichert hat? Wer die Meldungen der vergangenen Monate nüchtern zusammenzählt, erkennt einen schleichenden Substanzverlust. Physische Edelmetalle – Gold und Silber in der Hand, nicht als Papierversprechen – haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie Kaufkraft dann bewahren, wenn Konjunkturzyklen, Regierungen und ganze Industriezweige längst Geschichte sind. Als solide Beimischung eines breit gestreuten Vermögens verdienen sie gerade in solchen Zeiten Beachtung.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und erfolgt in alleiniger Verantwortung des Anlegers. Für Vermögensschäden, die aus der Nutzung dieser Informationen entstehen, wird keine Haftung übernommen.

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