
Edelmetall-Schock verdaut: Warum Gold und Silber jetzt erst richtig durchstarten könnten

Was für ein Donnerschlag an den Edelmetallmärkten! Der spektakuläre Kurssturz bei Gold und Silber hat vergangene Woche selbst hartgesottene Anleger ins Schwitzen gebracht. Doch während die Mainstream-Medien bereits das Ende der Edelmetall-Hausse ausriefen, zeichnen Experten ein völlig anderes Bild: Der Ausverkauf war kein Trendbruch, sondern eine längst überfällige Marktbereinigung – und könnte sich als goldene Einstiegsgelegenheit erweisen.
Historischer Absturz oder gesunde Korrektur?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Gold verzeichnete am vergangenen Freitag den stärksten Tagesrückgang seit 2013, Silber sogar den größten Tagesverlust seiner Geschichte. Für unvorbereitete Anleger ein Schock, für erfahrene Marktteilnehmer hingegen ein bekanntes Muster. Denn was dem Einbruch vorausging, war nichts weniger als eine beispiellose Rallye. In nur drei Monaten schoss der Goldpreis von rund 4.000 US-Dollar auf über 5.500 US-Dollar je Unze. Silber explodierte im selben Zeitraum von etwa 50 auf nahezu 120 US-Dollar.
Analysten einer internationalen Großbank ordnen die Bewegung als positionsgetriebenen „Reset" ein – nicht als fundamentalen Wendepunkt. Die Experten betonen, dass der Kursrutsch überwiegend durch den Abbau spekulativer Überhänge und erzwungene Liquidationen getrieben wurde, nicht durch eine plötzliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
China und Trump als Katalysatoren
Ein wesentlicher Treiber der vorangegangenen Rallye war eine massive Welle spekulativer Käufe aus China. Von privaten Händlern bis zu größeren Aktienfonds rotierten Anleger in Rohstoffe, was die Preise in extreme Bereiche trieb. Als kurzfristigen Auslöser für den Absturz identifizieren Marktbeobachter eine politische Nachricht aus Washington: Präsident Donald Trump kündigte an, Kevin Warsh als nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank nominieren zu wollen.
Warsh gilt als vergleichsweise „hawkish", was den US-Dollar sprunghaft stützte. In einer Situation, in der die Positionierung bereits extrem einseitig war, löste dieser Stimmungswechsel eine Kettenreaktion aus. Hinzu kam ein technischer Verstärker: Als die Volatilität anzog, erhöhten Börsen und Broker die Margin-Anforderungen – ein klassisches Warnsignal, das zusätzlichen Verkaufsdruck erzeugte.
Die schnelle Erholung spricht Bände
Bemerkenswert ist, wie rasch sich die Märkte wieder fingen. Bereits am Dienstag stieg der Spotpreis für Gold um mehr als sechs Prozent, Silber legte sogar rund acht Prozent zu. Diese Gegenbewegung passt in das Narrativ eines „Overshoot": Wenn momentumgetriebene Verkäufe die Preise zu stark drücken, kann bereits eine Stabilisierung der Rahmenbedingungen eine schnelle Gegenreaktion auslösen.
Die Korrektur hat „Schaum" aus dem Markt genommen und die Positionierung normalisiert – ein positiver Nebeneffekt für den mittleren Zeithorizont.
Silber: Das „Gold auf Steroiden"
Silber trägt nicht ohne Grund diesen Spitznamen. Weil der Silbermarkt kleiner ist und das Metall zugleich Investment- und Industriemetall ist, fallen prozentuale Bewegungen oft deutlich stärker aus als bei Gold. Genau dieses Muster zeigte sich sowohl im Ausverkauf als auch in der anschließenden Erholung. Die fundamentale Lage bei Silber bleibt im Kern unverändert: Industrielle Nachfrage im Zuge der Elektrifizierung sowie strukturell enge physische Bilanzen stützen den Markt weiterhin.
Zentralbanken als Stabilitätsanker
Für Gold sehen Experten die fundamentale Grundgeschichte als intakt an. Drei Stützpfeiler werden genannt: Safe-Haven-Nachfrage, anhaltende Käufe von Zentralbanken und der Ausblick für Realzinsen. Die Phase der verstärkten Zentralbankkäufe begann 2022, als der Krieg in der Ukraine eine Neubewertung von Reserve- und Diversifikationsstrategien auslöste. Seitdem ist die offizielle Nachfrage eine konstante und stabilisierende Kraft im Goldmarkt.
In Zeiten, in denen Regierungen weltweit – auch die neue deutsche Bundesregierung unter Friedrich Merz – gigantische Schuldenprogramme auflegen, erscheint die Flucht in physische Werte nur allzu verständlich. Das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur wird die Inflation weiter anheizen und kommende Generationen mit Zinszahlungen belasten. Wer sein Vermögen schützen will, kommt an Edelmetallen kaum vorbei.
Fazit: Korrektur statt Trendwende
Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass sich Gold und Silber nach der Bereinigung in einem weniger linearen, dafür stabileren Muster nach oben arbeiten. Volatilität bleibt kurzfristig wahrscheinlich – doch ohne neuen fundamentalen Bruch handelt es sich eher um eine Korrektur mit Nachwirkungen als um eine echte Trendwende. Für Anleger, die ihr Portfolio mit physischen Edelmetallen diversifizieren möchten, könnte sich die aktuelle Phase als günstige Gelegenheit erweisen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist selbst für seine Investitionsentscheidungen verantwortlich und sollte vor dem Kauf von Wertpapieren oder Edelmetallen eine eigenständige Recherche durchführen sowie gegebenenfalls professionelle Beratung in Anspruch nehmen.

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